Kräuter vor unserer Haustüre
Empfehlung

13. April 2018
Die Kräutererlebnis-Stunde mit der Naturpädagogin Christina Benz (re.) war eine Bereicherung für den nächsten Spaziergang. Seit der Kindheit brennt in ihr ein Feuer für die heimische Pflanzenwelt. Foto: Leberer

Jung, wild und kraftvoll schießen jetzt Frühjahrskräuter aus dem Boden. Achtlos laufen wir oft an Pflanzen am Wegesrand vorbei, die es mächtig in sich haben. Mit der Kräuterkundigen Christina Benz ging es letzten Samstag im Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf auf eine spannende Tour durch Wald und Wiese. Im Anschluss wurde eine tiefgrüne Neun-Kräutersuppe gelöffelt.

Wilhelmsdorf – „Wenn du mit deinem Schuh auf mehr als sieben Gänseblümchen treten kannst, dann ist Frühling“. Ein alter Glaube sagt auch, wer die ersten drei Gänseblümchen findet und mit dem Mund pflückt, bleibt das ganze Jahr gesund. Christina Benz aus Königseggwald ist nicht nur ein wandelndes Kräuterlexikon, sie weiß auch alles über geheimnisvoller Mythen und Sagen. Was für viele wie achtloses Unkraut aussieht, ist für die Kundige ein Kraut mit Bedeutung. Da wäre zum Beispiel der stinkende Storchenschnabel oder auch Ruprechtskraut genannt. Als Pflanze des Loslassens leistet sie gute Dienste und eine selbst zubereitete Tinktur hilft bei Problemen mit der Haut.

Richtige Vitaminbombe

Die Goldnessel stimuliert sanft das Immunsystem und ist gut gegen Bronchitis. Eine wahre Vitaminbombe ist das gelb blühende Scharbockskraut. In früheren Zeiten halfen die in Öl eingelegten Blätter den Seefahrern gegen Skorbut.

In großen Kolonien auf Wiesen und Wegrändern wächst der wilde Frauenmantel. Die Pflanze ist eine kleine Alchimistin und die wichtigste Heilpflanze für Frauen. Man findet sie auch häufig auf alten Marienbildern.

Das Wiesenpflaster

Der Spitzwegerich ist der König der Wege. Auf der ganzen Tour war er unser treuester Begleiter. „Er möchte Aufmerksamkeit und angewandt werden“, so Christina Benz. Seit der Antike ist bekannt, dass in dem unscheinbaren Kraut arzneilich wirksame Inhaltsstoffe vorkommen. Auf Wanderungen ist Spitzwegerich ein Heiler bei kleinen Wunden, leichten Verbrennungen oder Insektenstichen: Acht Blätter in den Händen zerreiben, bis Flüssigkeit austritt. Dann die verletzte Stelle damit bedecken.

Stundenlang noch hätte die Wanderung weitergehen können. Die Mischung aus Wissen und Mythen machte neugierig auf immer mehr. Zum Schluss saßen alle gemütlich zusammen und aßen die von Christina Benz mitgebrachte Neun-Kräutersuppe. Bei den armen Bauersleuten diente die Suppe aus Löwenzahn, Girsch, Brennessel, Bärlauch, Labkraut.... nach dem kargen Winter als Kraftbringer für die ganze Familie.

Bei allen Kräutern gilt: „Die Menge macht‘s“.

Mehr über Kräuter & Co. gibt es im Buch „Kräuter aus dem Ländle“ (Oberschwaben und Vorarlberg) von Christina Benz und Oliver Huber (ISBN 978-3-99005-274-7). Weitere Führungen im Naturschutzzentrum: 07503 / 739. Infos zu Christina Benz: www.naturbotschaft.de

Daniela Leberer

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