Klimakrise und Waldsterben - Kranke Bäume, bedrohte Natur: zu heiß, zu trocken, zu viele Käfer

Klimakrise und Waldsterben - Kranke Bäume, bedrohte Natur: zu heiß, zu trocken, zu viele Käfer
Baumsterben im Domino-Effekt: Aus einem Borkenkäfer-Baum können innerhalb eines Sommers tausende werden Foto: Pixabay
1. August 2019

Extreme Hitze und Trockenheit – Deutschland ist in Sorge um seine grünen Wälder. Doch wo andernorts dieser Tage vor einer hohen Waldbrandgefahr gewarnt wurde, setzt den Wäldern im Kreis eine andere Gefahr schlimm zu, wie das Forstamt Ravensburg dem WOCHENBLATT bestätigte: Der Borkenkäfer greift wieder an.

RAVENSBURG – „Es handelt sich um eine Jahrhundertkatastrophe für die Wälder in Deutschland“, sagt Larissa Schulz-Trieglaff, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände.

Denn sowohl die seit 2018 anhaltende Dürre als auch extreme Stürme und ein hoher Borkenkäferbefall haben den Wäldern bereits einen enormen Schaden zugefügt. Insgesamt 70 Millionen Festmeter Schadholz sind bisher angefallen – ein Ende ist nicht in Sicht. So wurden bundesweit mutmaßlich schon etwa 110 000 Hektar Wald zerstört, denn die Insekten haben bei Hitze und Trockenheit ein leichtes Spiel. Sie reagieren dann sehr schnell und feinfühlig auf die Klimaveränderung, vermehren sich explosionsartig und fressen unsere Bäume kahl. Eine Gefahr, die auch das Forstamt Ravensburg mit Sorge sieht.

„Es kommt jetzt ganz auf die Wetterlage im August an“, erklärt Marijan Gogic vom Forstamt Ravensburg besorgt. „Bereits 2018 musste man im Landkreis Ravensburg mit extremen Trocken- und Borkenkäferschäden kämpfen – vor allem an der Tanne und der Fichte. Und auch dieses Jahr herrscht in der Region eine bedrohliche Trockenheit. Zudem war es im Juni und Juli sehr heiß. Verläuft die Wetterlage im August ähnlich warm und trocken, wird es wieder zu massiven Waldschäden durch den Borkenkäfer kommen. Sollte der August hingegen etwas kühler und regnerischer ausfallen, würden wir noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt Gogic. Gesunde Bäume, die gut wasserversorgt sind, können sich normalerweise gegen die Schädlinge wehren, indem sie Harz abgeben, durch das die Käfer steckenbleiben. Bei einer massenhaften Vermehrung kommen die Bäume allerdings mit der Harzproduktion nicht mehr hinterher. Herrscht dann auch noch eine hohe Trockenheit, wodurch die Bäume nicht ausreichend wasserversorgt sind, stellen diese die Harzproduktion sogar komplett ein. Im schlimmsten Fall können auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit ganze Waldteile von Borkenkäfern befallen werden.

So erkennt man Borkenkäfer

Der in Deutschland wohl am häufi gsten auftretende Borkenkäfer ist der Buchdrucker. Er wird zwischen 4,2 und 5,5 Millimeter groß, ist rotbraun und schwarzbraun gefärbt, hat drei Paar Beine, ist stark behaart und mit Flügeln ausgestattet. Ob ein Baum von einem Borkenkäferbefall betroffen ist, lässt sich relativ leicht erkennen. Bei einem befallenen Baum verfärbt sich die Krone zunächst rot und anschließend grau. Außerdem lassen sich bei genauerem Hinsehen am Stamm und an dickeren Ästen Ein- und Ausbohrlöcher des Käfers erkennen. Auch braunes Bohrmehl direkt vor dem Stamm spricht für einen Befall. Besonders eindeutig ist dieser jedoch unter der Baumrinde zu sehen, denn dort zeichnen sich die Gänge des Käfers deutlich im Holz ab – sie bilden feine Linien, die in alle erdenklichen Richtungen gehen.

Schadensbegrenzung

Um große Waldschäden durch den Käfer zu vermeiden, „werden befallene Bäume von den Forstarbeitern so schnell wie möglich umgesägt, an die Waldstraße gerückt und abgefahren. Gegebenenfalls werden die betroffenen Waldteile – wenn nötig – auch mit einem Insektizid behandelt“, erläutert Gogic. Um den Forst jedoch nachhaltig vor weiteren Schäden zu schützen, fordert die IG Bau Südwürttemberg jetzt vom Bund eine gänzlich neue „Waldstrategie“.

Dazu gehöre laut der Gewerkschaft eine breite Aufforstung, bei der man noch stärker auf Mischwälder setze. Denn eine Fichte, die neben Buchen und Eichen stehe, käme besser mit Schädlingen zurecht. Andernfalls müsse man in einigen Jahren mit massiven Ausfällen bei der Holzernte rechnen. E. Heine

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