Jugend und Politik
Empfehlung

18. Februar 2019
Maximilian Fetzer, Geschäftsstelle Gremien der Stadt Weingarten Foto: PR

Die Kommunalwahlen 2019 stehen vor der Tür, aber interessiert sich auch die Jugend dafür? Ein Thema, über das wir uns mit Maximilian Fetzer von der Stadt Weingarten einmal näher unterhalten haben. 

Weingarten – Die Jugend von heute interessiert sich für nichts,  beschäftigt sich nur mit dem Handy und der Xbox und lässt jegliche Teilnahme an den Fragen unserer Zeit vermissen. So lauten häufig die Vorwürfe und Vorurteile der älteren Generation. Doch ist das tatsächlich so?

Ja und nein, denn mindestens die Hälfte der jungen Menschen interessiert sich sehr wohl für politische Zusammenhänge und für Politik. Auch die jüngste Shell-Studie zeigt, dass rund ein Viertel der Jugendlichen prinzipiell zur Mitgestaltung ihres Lebensumfeldes bereit wären, wenn sie die Möglichkeit dazu bekämen. Doch die herkömmlichen Strukturen, in denen Politik gemacht wird, schrecken sie ab. Schon die Kommunalpolitik ist per se einfach nicht jugendfreundlich. Sie hat vielerorts noch immer einen faden Beigeschmack sowie einen (sehr) hohen Altersdurchschnitt der Aktiven. Und auch die Ortsgebundenheit der Kommunalpolitik steht oft im Widerspruch mit der Flexibilität und Mobilität, die heute von jungen Menschen gefordert wird – vor allem während der Ausbildung und im Beruf.

Kommt dann politische Unwissenheit und die Wahrnehmung fehlender Mitwirkungsmöglichkeiten hinzu, verliert das politische System zunehmend an Relevanz für Jugendliche. Das Resultat: nicht nur die Wahlbeteiligung bleibt aus, auch der politische Nachwuchs fehlt und sein dauerhaftes Engagement in den Parteien. Das wiederum beeinflusst die Demokratie und stellt die politische Bildung vor neue Herausforderungen – weiß auch Maximilian Fetzer. Er bildet bei der Stadt Weingarten die Schnittstelle zwischen Gemeinderat und Jugendgemeinderat. Doch Fetzer entdeckt bei den Jugendlichen auch einen ganz neuen Trend.

Trotz der Distanz zum politischen System sind junge Menschen nicht unpolitisch. Im Gegenteil: sie wollen und sollen mitgestalten. Wie das, vor allem auf kommunaler Ebene funktioniert, erklärt Maximilian Fetzer im Interview mit dem WOCHENBLATT.

Herr Fetzer, sind Jugendliche tatsächlich nicht an Politik interessiert?

Ich persönlich bin anderer Meinung. Derzeit erleben wir allein im Rahmen der deutschlandweiten Freitagsdemonstrationen der Schülerinnen und Schüler, wie sich die junge Generation vehement für eine nachhaltige Klimapolitik und Generationengerechtigkeit einsetzt. Auch auf unserer kommunalen Ebene, in Weingarten, erlebe ich speziell im Jugendgemeinderat engagierte und motivierte Jugendliche, die etwas bewegen wollen und sich in ihrer Freizeit für die Gemeinschaft einsetzen. Auch hat mich bei der derzeitigen „Anne Frank“-Ausstellung die große Nachfrage an jugendlichen Peer Guides von unseren Weingartener Schulen sehr gefreut. Die Jugendlichen haben zwei intensive Seminartage verbracht und führen jetzt die Besucherinnen und Besucher als kompetente Ansprechpartner durch die Ausstellung.

Weshalb ist es wichtig mehr junge Menschen für eine aktive Beteiligung an der Kommunalpolitik zu begeistern?

Die Kinder- und Jugendlichen sind unsere Zukunft. Diese sollten sie aktiv mitbestimmen bzw. mitgestalten können. Bei der Kommunalwahl haben die Wählerinnen und Wähler die einzigartige Möglichkeit, direkten Einfluss auf ihre Vertreter sowie die Lebensbedingungen hier in Weingarten zu nehmen. Gerade deshalb ist es auch für junge Menschen essentiell, sich kommunalpolitisch vor Ort zu engagieren.

Wo beginnt die Suche nach dem politischen Nachwuchs und welche Mitwirkungsmöglichkeiten werden ihm geboten?

Weingarten blickt auf eine lange Tradition der Jugendbeteiligung zurück. Der Jugendgemeinderat ist der älteste bestehende Jugendgemeinderat in der Bundesrepublik. Die Wahlen des Jugendgemeinderates finden jedes Jahr in den achten Klassen der Weingartener Schulen statt. Eine Wahlperiode dauert drei Jahre und kann einmal verlängert werden. Die Betreuung des Jugendgemeinderats ist in der städtischen Geschäftsstelle des Jugendgemeinderates integriert, zu der auch das Team der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit zählt. Zusätzlich ist der Oberbürgermeister der Vorsitzende des Jugendgemeinderates. Die Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten im Stadtgeschehen Weingartens ist durch die enge Verbindung zwischen Jugendgemeinderat und Gemeinderat gegeben. Wichtige Themen und Punkte werden in der Regel von den Jugendgemeinderäten über ihre Fraktionsansprechpartner in den Gemeinderat transportiert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Skatepark, der ohne das Engagement des Jugendgemeinderates nicht realisiert worden wäre. Zusätzlich bringt der Oberbürgermeister die Themen, Impulse und Sichtweisen des Jugendgemeinderates regelmäßig in die Arbeit des Gemeinderates ein. Auch wirkt der Jugendgemeinderat als „Lobby“ für die junge Generation regelmäßig an Bürgerbeteiligungsformaten und Workshops mit – wie zuletzt beispielsweise im Rahmen der Kulturkonzeption.

Auf welche Weise ist dabei auch der Jugendgemeinderat gefordert?

Der Jugendgemeinderat vertritt die Interessen und Ansichten der Kinder und Jugendlichen in Weingarten. An verschiedensten Veranstaltungen in Weingarten, zum Beispiel an Supersamstagen, an der Kinderolympiade oder dem Nikolausmarkt, ist der Jugendgemeinderat aktiv dabei und zeigt sich in der Öffentlichkeit als junges politisches Gremium. Für die Kommunalwahl im Mai 2019 wird sich unser Jugendgemeinderat natürlich ebenfalls engagieren und im Zuge der Erstwählerkampagne in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung und den Weingartener Schulen eine SMV-Veranstaltung organisieren. Auch werden sich voraussichtlich einzelne Jugendgemeinderäte als Kandidaten für die Kommunalwahlen aufstellen lassen.

Welche Tipps haben Sie für junge Menschen, die sich politisch engagieren möchten?

Wichtig ist, früh Kontakt zu politischen Gremien wie dem Jugendgemeinderat oder zu gleichgesinnten Jugendlichen zu suchen. Natürlich sind alle interessierten Jugendlichen jederzeit auch herzlich eingeladen, einmal eine öffentliche Sitzung des Jugendgemeinderates oder Gemeinderates mitzuerleben.

Eva Heine

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