In der Türkei Filmstar, hier Regisseur

In der Türkei Filmstar, hier Regisseur
Früher sah sie ihn im Fernsehen, heute ist er ihr Mann. Der Liebe zu seiner Frau Zeynep wegen ist Emrah Elçiboga nach Deutschland gekommen Foto: Laura Hummler
2. Mai 2019

In der Türkei hat er es als Film- und Fernsehstar schon geschafft. 2016 kam Emrah Elçiboga nach Deutschland und kann auch hier die Schauspielerei nicht sein lassen. Im Theater Ravensburg hat er schon mehrere Stücke inszeniert. Momentan führt er Regie bei „Zigeuner-Boxer“.

Ravensburg – Beim Zigeuner-Boxer sieht man Emrah Elçiboga zwar nicht aktiv auf der Bühne stehen und schauspielern. Doch im Hintergrund werden die Fäden von ihm gezogen. Das Besondere daran: er hat bei dem Stück bereits in der Türkei Regie geführt. Was den 45-Jährigen dazu bewegt hat, nach Deutschland zu kommen und was hier anders ist, als in der Türkei, auch im schauspielerischen, darüber hat unsere Volontärin Laura Hummler mit ihm gesprochen. 

Herr Elçiboga, den „Zigeuner-Boxer“ kennen Sie ja schon aus der Heimat. Wieso wollten sie das Stück nochmal aufführen und worin unterscheidet sich die deutsche Inszenierung von der türkischen?

Südländer sind generell temperamentvoller. Je westlicher die Richtung wird, desto distanzierter und zurückhaltender verhalten sich die Menschen, habe ich das Gefühl. Dieses Temperament wirkt sich auch auf das Schauspiel und die Technik aus. Beim Zigeuner-Boxer war die Besonderheit, dass die Inszenierung international zutraf, zwar wird eine deutsche Geschichte nachgespielt, aber diese könnte sich auf diese Art überall auf der Welt zutragen. Rassismus gibt es überall. Mir war es sehr wichtig, dass Jeder sich in die Situation hineinversetzen kann, egal ob Deutscher, Engländer, Franzose, Russe oder Türke. 

Spielt Religion für Sie eigentlich eine Rolle?

Ich kann nicht sagen, dass ich nach irgend einer Religion lebe. So wie ich das sehe, gibt es bestimmte Grundsätze, die man einhalten sollte, dann spielt die Religion keine Rolle mehr. Mir ist es viel wichtiger, ein guter Mensch zu sein und niemandem etwas zuleide zu tun, als mich nach irgendeinem Buch zu richten, sei es das muslimische, oder das christliche. Unter dem Namen „Religion“ läuft einfach viel zu viel falsch, meiner Meinung nach. Da reicht es schon, mal einen Blick nach Neuseeland zu werfen.

Auf Instagram haben Sie 10 000 Follower. Ist Ihnen Ihre große Reichweite bewusst? Wie nutzen Sie diese?

Instagram nutze ich eigentlich mehr privat, dort teile ich persönliche Sachen. Das ist oft sinnvoll, weil mir dann nicht mehr dauernd die selben Fragen gestellt werden: auf meinem Profil sind die meisten schon beantwortet. Allerdings bin ich mir bewusst, dass Instagram größtenteils eine Scheinwelt ist, und letztendlich interessiert es drei- bis vierhundert Leute wirklich, den Rest nicht.

In der Türkei konnten Sie gut vom Schauspiel leben. Ist das hier in Deutschland auch der Fall?

Als Schauspieler und Regisseur verdient man in der Türkei tatsächlich ganz gutes Geld. Aber man hat nicht am laufenden Band Aufträge und bekommt in den Pausen kein Geld, wie hier in Deutschland eben auch. Entweder verdient man also verdammt gut, oder eben gar nichts. Hier habe ich bislang zwei Projekte auf die Beine gestellt, was auch Geld gebracht hat. Aber davon zu leben, das geht im Moment noch nicht, deshalb unterstützt mich meine Frau.  

Was hat Sie dazu bewogen, 2017 nach Deutschland zu ziehen?

Grund Nummer eins war die Liebe. Meine Frau Zeynep kannte mich schon aus Film und Fernsehen, kennengelernt haben wir uns durch meine Schwester. Wir haben auch gemeinsam beschlossen, dass wir in Deutschland wohnen möchten. Andererseits störte mich die politische Situation in der Türkei, durch die sich künstlerisch teils massive Einschränkungen ergaben. Diese Auffassung passt einfach nicht in mein eigenes Kunstverständnis hinein. Denn um Kunst auszuüben, brauche ich Freiheit, keine Einschränkungen. Schwierigkeiten habe ich aber zum Glück noch nie bekommen.

Könnten Sie sich vorstellen, auch mal auf einer deutschen Bühne auf deutsch zu spielen? 

Die Bühne möchte ich auf keinen Fall verlassen. Momentan spreche ich nur leider noch nicht ausreichend gut Deutsch, aber das kommt bald. Ich weiß, dass ich das hinkriegen kann, wenn ich mich reinkniee. Vielleicht ergibt sich ja mal etwas.

Sind für die Zukunft schon Projekte geplant?

Ich bin ständig daran, etwas zu entwickeln. Momentan sitze ich an zwei dramatischen Stücken und einer Komödie, auch eine Shakespeare-Collage schwebt mir vor. Allerdings sind diese Pläne noch nicht ausgereift.

 

Jetzt im Theater: Der Zigeuner-Boxer

Wenn Sie sich am 9. Mai oder am 7. Juni, jeweils 20 Uhr, dazu entschließen, das Ravensburger Theater zu besuchen, können Sie sich selbst ein Bild über Emrah Elcibogas Arbeit machen. Dann wird nämlich sein aktuellstes Stück, „Der Zigeuner-Boxer“ von Rike Reiniger, aufgeführt. Als Regisseur ist Emrah Elciboga natürlich stets hinter den Kulissen dabei.

Das Stück handelt von Hans, der eine Sache nicht vergessen kann: wie er Ruki kennenlernte, wie er ihn in der Turnhalle des Boxclubs wieder traf und wie sie Freunde wurde. Und erst recht kann Hans nicht vergessen, wie Ruki sich im Ring bewegte, leichtfüßig-tänzelnd, schneller als alle anderen. Einfach löschen will Hans die Erinnerung an den Sommer, in dem die Nationalsozialisten dem „Zigeuner-Boxer“ den Meistertitel nahmen, weil er „undeutsch“ gekämpft hatte und erst recht loswerden will er die Bilder vom Wiedertreffen mit Ruki im Arbeitslager. 

Die Erinnerung ist ein Raubtier, eine Würgeschlange. Doch Hans kann sie nicht loswerden. Er selbst ist die Erinnerung. Rike Reiniger berichtet frei nachh der Lebensgeschichte des Boxers Johann „Rukeli“ Trollmann von Unrecht und Schuld, sowie Zivilcourage und Mut. Gespielt wird der Zigeunerboxer von Alex Niess.

Tickets gibts im  Vorverkauf für 19,05 Euro, ermäßigt: 15,75  EuroTickets an der Abendkasse, Tel: 0751 / 23364 gibts für 20 Euro, ermäßigt: 17 Euro

 

Laura Hummler

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