Himmel muss warten
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5. April 2019
Mit den Spendengeldern möchte Sabine Pluth unter anderem eine alternative Therapie finanzieren Foto: privat

Ein Menschenleben ist in Geld nicht aufzuwiegen und Zeit ist unbezahlbar – sagt man. Im Fall der unheilbar an Krebs erkrankten alleinerziehenden Sabine Pluth muss man diese Aussagen relativieren. Die 36-Jährige hat auf einer Spendenplattform im Internet einen Hilfeaufruf gestartet. Ihr großer Wunsch: Geld für begleitende alternative Therapien, und eine möglichst lange „unbeschwerte“ Zeit mit ihren Kindern.

Wolfegg – „Auch wenn sie mich nicht heilen können, bin ich davon überzeugt, dass alternative Therapien die Nebenwirkungen lindern, mein Immunsystem stärken können. Das kann mir helfen, die neuen Behandlungen durch zu stehen. Die Krankenkasse übernimmt aber nicht für alles die Kosten“, erklärt Sabine Pluth gegenüber dem WOCHENBLATT. 

Als alleinerziehende, schwerkranke Mutter sind ihre finanziellen Möglichkeiten ausgeschöpft. Deshalb ist sie jetzt über eine Spendenplattform mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen. 

Ein neuer Befund am 12. März hat ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. Zum Brustkrebs sind jetzt Metastasen in der Leber dazugekommen. Prognose: Nicht mehr heilbar. 

Seit vergangener Woche bekommt sie ein neues Medikament, nimmt an zwei OSK-Studien teil. „Ich nehme alles in Kauf für ein längeres Leben“, sagt die vierfache Mutter. Sie hofft, noch Zeit mit „Lebensqualität“ zu haben, „unbeschwerte Zeit“ mit den Kindern. „Ich möchte ihnen noch ein paar Dinge ermöglichen, vielleicht nochmal eine Reise, schöne Erinnerungen mit ihrer Mama. Keinen Alltag der bestimmt ist vom Krebs.“

Kurz vor Weihnachten 2017 war bei Sabine Pluth Brustkrebs diagnostiziert worden. Ihr jüngster Sohn war da gerade neun Monate alt. Die Wolfeggerin wurde operiert, bekam Chemotherapie, Bestrahlungen und eine Antihormontherapie. Die Chemotherapie konnte sie jedoch nicht beenden. „Die Nebenwirkungen waren zu stark, teilweise lebensbedrohlich“, erzählt sie im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.

Während der Krebsbehandlung zerbrach ihre Beziehung. „Die Belastung war zu groß für uns“, schildert sie. Das stürzte die 36-Jährige zusätzlich in eine tiefe Krise. Doch sie kämpfte, hielt die heftigen Nebenwirkungen durch und versorgte sich und ihre Kinder – mit stundenweiser Unterstützung einer „tollen Haushaltshilfe“. Im Februar 2019 war die Mutter mit ihren Kindern (zwei, fünf, zehn und 14 Jahre)  in der Reha an der Ostsee. „Es sollte unser Neuanfang sein.“ Ihr wurden gute Heilungschancen bescheinigt. Doch seit knapp drei Wochen weiß sie: Der Krebs ist zurück. Innerhalb der neuen Behandlung werde sie nun in die Wechseljahre katapultiert, so die 36-Jährige. Sie bekommt ein neues Krebsmedikament und hofft: „Wenn es hilft, können die Ärzte den Krebs für einige Zeit in Schach halten, das Voranschreiten verlangsamen.“

Notfallprogramm 

Ihr Arzt, Dr. Gerhard Fischer, dazu: „Es ersetzt eine Chemo in Tablettenform, hat aber nicht deren Nebenwirkungen. Wir wissen von anderen Patienten, dass es gut verträglich ist.“ Sabine Pluth lässt nebenher eine Art Notfallprogramm anlaufen: Pflegestufe und Schwerbehindertenausweis beantragen und möglichst schnell einen Termin bei einem Heilpraktiker bekommen, der auf Krebs spezialisiert ist. „Vieles war bis vor kurzem kein Thema für mich. Ich dachte, dass ich es hinter mir habe, dass ich wieder gesund werde“ sagt sie gegenüber dem WOCHENBLATT. Neben mehr Zeit bei „guter Lebensqualität“, einer begleitenden alternativen Therapie und einer gemeinsamen Reise möchte die Alleinerziehende ihren Kindern auf keinen Fall Schulden, etwa durch die Beerdigung, hinterlassen. „Wenn es Zeit ist für mich zu gehen, dann soll vorgesorgt sein“, betont sie. „Sollte ich es nicht schaffen, werden die Kinder von ihren Papas aufgezogen. Wir haben alle Vorbereitungen dafür getroffen.“

Von Anfang an ist Sabine Pluth offen mit der Krebserkrankung umgegangen. In ihrer Nachbarschaft und überhaupt in Wolfegg hätte die Familie viel Liebe, Solidarität und Unterstützung erfahren. Und die Resonanz auf den Spendenaufruf sei überwältigend. Mehr als 18 000 Euro sind bis jetzt zusammen gekommen, aber auch Mitgefühl, Babysitting-Angebote, kostenloser Urlaub und Ratschläge zu alternativen Therapien haben sie erreicht. „Das ist irre, das hilft wirklich sehr“, sagt Sabine Pluth. Wenngleich sie die Flut an Reaktionen und Informationen erst mal bewusst sichten und sortieren muss. 

Die Spendenaktion von Sabine Pluth im Internet: www.gofundme.com/der-himmel-muss-noch-warten 

Viola Krauss

 

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