Gesenkter Kopf: Alarmstufe Rot!
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8. Februar 2019
Junge Hunde müssen respektvollen Umgang mit Artgenossen lernen. Foto: www.hundezentrum-loeser.de

Vergangene Woche wurde bei einer Hundeattacke im Leutkircher Ortsteil Urlau ein kleiner Hund getötet und dessen Besitzer verletzt. Beide Hundehalter versuchten vergeblich dazwischenzugehen. Hundexperte Peter Löser aus Fronhofen beantwortet im Folgenden einige Fragen, die sich in diesem Zusammenhang auftun und gibt wichtige Tipps.

Woran kann es liegen, dass ein Hund einen anderen tötet? Kann das daran liegen, dass der stärkere Hund die Unterwerfungssignale des unterlegenen Hundes nicht deuten kann?

Die Gründe für solch ein Verhalten können vielfältig sein. Große Hunde müssen lernen kleine Hunde nicht als Beute zu sehen und angemessen mit ihnen umzugehen. Kleine Hunde sollten sich an große gewöhnen, damit sie von diesen nicht in Stress versetzt werden. Sollte der größere Hund nicht generell Probleme mit anderen oder kleinen Hunden haben, kann es sein, dass sich nachbarschaftliche Feindschaft entwickelt hat. Das Revier des Hundes hört nicht am Gartenzaun auf und viele Hunde sehen Nachbars Hund als Reviereindringling, insbesondere wenn er gleichgeschlechtlich ist. In der Natur ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Reviereindringlinge getötet, verletzt und vertrieben werden. Würde solch ein Fall vorliegen, hätte der Angreifer gar kein Interesse daran, Unterwerfungssignale zu beachten. Hundehalter sollten schauen, dass Hunde in der Nachbarschaft sich kennen lernen.

Ist mit so etwas stets zu rechnen oder ist das die absolute Ausnahme?
Gott sei Dank sind solche Fälle relativ selten und kommen doch immer wieder vor. Als Halter eines großen Hundes muss immer damit gerechnet werden, dass Hunde sich auch tödlich verletzen können und umsichtig agieren. Wer einen Hund hat, den er unter Ablenkung nicht zurück rufen kann, sollte diesen nicht ableinen! Oft hat es im Vorfeld schon genügend Anzeichen gegeben, dass es irgendwann einmal eskalieren wird.

Woran erkenne ich als Besitzer eines Hundes wann es gefährlich wird?
Das ist selbst für Experten schwierig und vor allem dann schnell rechtzeitig und angemessen zu reagieren. Generell gilt: Wenn ein Hund schnell in gerader Linie mit gesenktem Kopf auf meinen Hund zukommt, kann immer Gefahr im Verzug sein! Viele Hundehalter sehen sog. ritualisierte Kommentkämpfe unter Gleichgeschlechtlichen schon als Beisserei und greifen unangemessen oder hysterisch ein und bringen dadurch die Situation erst zur Eskalation. Hier löst sich die Situation meist auf, wenn sich die Hundehalter in verschiedene Richtungen entfernen.

Wenn zwei Hunde aneinander gehen, kann dies auch zu Verletzungen bei denjenigen führen, die versuchen, dazwischen zugehen. Wie sollten sich die Besitzer in so einer Situation verhalten?
Wenn ein Hund auf meinen Hund zurast, kann ich versuchen den Angreifer zu blocken, anzuschreien und versuchen zu verjagen. Klappt das nicht und ich kann einen kleinen Hund nicht so "verstauen", dass der andere Hund nicht hinkommt, sollte man seinen Hund wenigstens ableinen, damit er zur Not flüchten kann. Sollten die Hunde sich angreifen, ist es sehr gefährlich mit den Händen zwischenreinzufassen, solange sie sich noch nicht ineinander verbissen haben. In diesem Stadium eines Kampfes kann man höchstens versuchen mit etwas in der Hand dazwischenzuschlagen (Handtasche, Jacke, Stock etc.). Wenn sich die Hunde ineinander vebeißen (was nicht nur Listenhunde machen!) ist es ungefährlicher reinzufassen. Die sicherste Methode ist, beide Halsbänder im Genick zu schnappen und zuzudrehen bis losgelassen wird. Wenn sie voneinander ablassen beide Hunde auseinanderziehen und aufpassen, dass die Hände überm Hundekopf sind, da dieser wahrscheinlich noch um sich schnappt. Wenn ein großer Hund einen kleinen schnappt- sofort den Kopf des größeren halten, damit er den kleinen nicht schütteln kann.

Was raten Sie jemand Dritten, der zufällig zu einer solchen Situation hinzukommt? Eingreifen oder Hilfe holen?
Helfen kann ja auch bedeuten die Polizei zu rufen, Trost zu spenden......Ansonsten muss das jeder erwachsene Mensch für sich entscheiden. Selten wird gerade jemand sehr hundeerfahrenes um die Ecke kommen, der die Situation cool händelt. Viele Hundehalter, vor allem wenn sie sich zum ersten Mal in solch einer Situation finden, reagieren geschockt oder hysterisch und sind dann eh nicht zu gebrauchen. Kinder sollten sich IMMER!! möglichst rasch entfernen oder in Sicherheit gebracht werden. Ich bin immer dafür, dass ein Ernstkampf zwischen Hunden frühzeitig beendet wird, damit die Verletzungen möglichst gering ausfallen. Aber wieviel sich da jeder zutrauen kann, wird er meist auch erst im Ernstfall sehen.

Ist ein Hund, der einen anderen Hund getötet hat, fortan verdorben oder kann er durch geeignetes Training kuriert werden?
Die Absichten des Hundes sind entscheidend, ob und wie gut Therapie überhaupt möglich ist. Für jedes Hundeproblem gibt es eine Lösung- aber nicht jeder kann diese umsetzen. Manchem Halter fehlt die Geduld und das Nervenkostüm, solch einen Hund zu händeln. Die Zahl der Hundetherapeuten, die nachweislich solche Hunde schon therapiert haben oder überhaupt jemals mit einem solchen Hund gelebt haben, ist nicht sehr hoch. Schlussendlich, gibt es aber immer die Möglichkeit solch einen Hund an einen Maulkorb zu gewöhnen, ihn an der Leine zu lassen und durch einen top Grundgehorsam wenigstens behalten zu können. Meist liegt das Problem sowieso am anderen Ende der Leine. Der eigene Hund wird falsch eingeschätzt, hatte zu wenig Hundekontakt oder die Situation eskalierte erst durch falsches Verhalten der Halter, etc. Der Halter eines solchen Hundes sollte in diesem Fall so fair sein und nicht den Hund die eingebrockte Suppe durch einschläfern, Abgabe des Tieres oder vollständige Isolation auslöffeln lassen. Und schlussendlich muss einem bei all unseren Hunderziehungsbemühungen klar sein, dass ein Hund eben auch ein Raubtier ist, nicht alles berechenbar ist und dieser seine Zähne nicht nur dazu hat, um Dentastix zu lutschen. Das ist übrigens rasseunabgängig. Wieviel Schaden ein Hund anrichten kann, hängt nicht von so sehr von der Rasse, sondern eher von Größe und Gewicht ab.

Artur Weniger

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