Gauner machen keine Ferien
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16. August 2018
Für Senioren ist es oft ein Lichtblick, wenn jemand anruft Foto: Fotolia / kolotype

Sie sind am Telefon vertrauenswürdig, wiegen in Sicherheit und wollen nur helfen: Gauner, die sich als falsche Polizeibeamte ausgeben und in Wirklichkeit nur eines wollen – Geld und Wertgegenstände. Manchmal werden Betroffene auch auf der Straße angesprochen. Wir schildern einen spannenden Fall und sprechen mit Florian Suckel, dem Präventionsbeauftragten der Polizei.Sie sind am Telefon vertrauenswürdig, wiegen in Sicherheit und wollen nur helfen: Gauner, die sich als falsche Polizeibeamte ausgeben und in Wirklichkeit nur eines wollen – Geld und Wertgegenstände. Manchmal werden Betroffene auch auf der Straße angesprochen. Wir schildern einen spannenden Fall und sprechen mit Florian Suckel, dem Präventionsbeauftragten der Polizei.region

Otto M. lebt alleine und hat sich gerade gemütlich zum Frühstück gesetzt. Das Telefon klingelt und er sieht auf dem Display die Notrufnummer 110 mit seiner Ortsvorwahl. Er denkt „Oh Gott, was ist passiert!“ Noch gar nichts, aber das folgende Gespräch mit dem liebenswertem Polizeibeamten wird ihn um seine ganzen Ersparnisse bringen. Die Täter suchen im Telefonbuch nach Namen, die auf ein hohes Alter schließen lassen. Senioren leben oft alleine, freuen sich, wenn jemand anruft und schnöde auflegen halten sie für unhöflich. Natürlich warnen die Kinder  Oma und Opa. Aber die halten dagegen: „Ich bin doch nicht senil und mir passiert so was nicht“. Angst macht ohnmächtig Der falsche Polizeibeamte gibt bei Otto M. vor, dass in seiner Nachbarschaft eine ausländische Einbrecherbande verhaftet wurde. Einige Mitglieder konnten entkommen, aber auf der gefundenen Einbruchliste steht die Adresse von Otto M. ganz oben. Sie raten ihm, Fenster und Türen zu schließen und zuhause zu bleiben. Die Angst um sein Hab und Gut hat ihn im Griff, er sitzt bereits in der Falle und ist für jede weitere Hilfsaktion der vermeintlichen Polizisten froh und dankbar. Otto M. wurde von den vermeintlichen Polizeibeamten geschickt über seine finanziellen Verhältnisse und Wertgegenstände, die er bei sich in seiner Wohnung aufbewahrt, ausgefragt. Das Telefonat und die Ausfragung geht über Stunden. Letztlich übergibt Otto M. seine kompletten Wertsachen an drei falsche Kriminalbeamte an der Haustür. Er ging davon aus, dass die Polizei alles so lange sicher aufbewahrt, bis die flüchtigen Einbrecher verhaftet sind.Bitte keine falsche SchamGauner sind erfinderisch, bestens vernetzt und das Callcenter hat seinen Sitz meistens im Ausland. Sie wissen auch, dass Geschädigte ihren Angehörigen aus Scham oft nichts erzählen.Im Fall von Otto M. konnten durch umfangreiche Ermittlungen der Kripo und der engen Zusammenarbeit mit einer ausländischen Polizeidienststelle die drei Tatverdächtigen festgenommen werden. Die Beute war leider nicht mehr auffindbar und für immer verloren.Wichtige PräventionDie Polizei betreibt im Landkreis Ravensburg umfangreiche Präventionsarbeit, speziell bei Senioren. Kostenfreie Vorträge sind unter 0751 / 8032460 zu buchen.

Kriminalhauptkommissar Florian Suckel gibt Tipps:
Wie kann man richtige von falschen Polizeibeamten am Telefon unterscheiden?  Bei Zweifeln auflegen, niemals die Rückruf-Funktion nutzen, da man sonst wieder bei den Betrügern landet und sofort den polizeilichen Notruf unter 110 wählen. Am Telefon keine Informationen über die persönlichen und finanziellen Verhältnisse geben.
 
Sprechen die Anrufer mit Akzent? Die „Callcenter“ haben zwar meist ihren Sitz im Ausland, jedoch handelt es sich bei den Tätern um in Deutschland aufgewachsene Menschen. Die Gauner schauen im Telefonbuch nach „alten“ Vornamen.
 
Kann ich mich schützen? Lassen Sie über Ihren Telefonanbieter Ihren Eintrag löschen. Wenn das nicht klappt, sollte zumindest im Telefonbuch nur der Nachname (natürlich ohne Adresse!) stehen. Die Täter identifizieren ihre Opfer auch an kurzen Rufnummern.
 
Was tue ich, wenn die Gauner bereits vor meiner Tür stehen? Die Tür zunächst nicht öffnen. Sollte eine Person in zivil vor Ihrer Haustür stehen, den Dienstausweis der Polizei verlangen. Bei Unsicherheiten immer 110 wählen, oder Nachbarn und Angehörige zu Hilfe holen. Die Polizei nimmt auf keinen Fall Wertgegenstände entgegen.

Gibt es eine Selbsthilfegruppe für Betroffene oder psychologische Hilfe? Weißer Ring e.V. Außenstelle Ravensburg, Landratsamt Ravensburg (Versorgungsamt), Caritas Bodensee-Oberschwaben Psychologische Familien- u. Lebensberatung Caritaszentrum Leutkirch, Ravensburg, Weingarten, Bad Waldsee.

D. Leberer

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