„Es würde zu Notständen kommen“

5. September 2019
Die Hebammen Lydia Richter, Brigitte König und Beatrix Wagemann (v. l.) bezweifeln, dass bei einer Schließung der Geburtsstation des 14 Nothelfer andere Krankenhäuser die schwangeren Frauen aufnehmen können Foto: Stefan Wölke

Über die Zukunft des Krankenhauses 14 Nothelfer in Weingarten wird viel spekuliert. Zum Teil ist sogar von einer Schließung der Klinik die Rede, die zum Medizin Campus Bodenseee (MCB) gehört. Macht das 14 Nothelfer zu, wäre davon auch die Geburtshilfe betroffen – und damit 700 Schwangere, die dort jährlich ihr Kind zur Welt bringen. Über die möglichen Folgen hat das WOCHENBLATT mit drei Hebammen gesprochen, die dort Tag für Tag arbeiten.

WEINGARTEN – Zum Zeitpunkt des Besuchs ist es ruhig auf der Geburtsstation im 14 Nothelfer. Keine schwangere Frau liegt mit Wehen in einem der Kreißsäle und muss von den Hebammen betreut werden. Ansonsten würde es anders zugehen. Aber selbst dann laufen die Geburten, soweit als möglich, in einer ruhigen Atmosphäre ab, erklärt Lydia Richter, die vor neun Jahren ihr Examen als Hebamme gemacht hat. Seit fünf Jahren arbeitet sie im Krankenhaus 14 Nothelfer. Sie weiß: „Es ist das A und O, die Frauen bei der Geburt zu betreuen.“

Wohin mit 700 Frauen?

Im 14 Nothelfer sind es jährlich rund 700 Schwangere, die hier ihr Kind zur Welt bringen. Auf der Geburtsstation arbeiten acht freiberufliche Hebammen, die sich jeweils täglich zwei Schichten á zwölf Stunden teilen, immer von 8 bis 20 Uhr und von 20 bis 8 Uhr – und das sieben Tage die Woche. „Mit den 700 Geburten sind wir noch nicht zu groß“, meint Lydia Richter. „Eine individuelle Geburtshilfe ist da noch möglich.“ Größere Krankenhäuser in der Region hätten zum Beispiel fast doppelt so viele Geburten – bei gleicher Besetzung, ergänzen Brigitte König, die seit 30 Jahren in Weingarten arbeitet, und Beatrix Wagemann, die seit 38 Jahren Hebamme und seit 1995 im 14 Nothelfer tätig ist.

Alle drei stellen aber sich die Frage: Was passiert, wenn die Geburtsstation im Krankenhaus 14 Nothelfer schließt? „Es würde zu Notständen kommen“, schätzen sie die Situation ein. „Auch das St. Elisabethen-Klinikum (der Oberschwabenklinik, Anm. d. Redaktion) könnte so viele Frauen zusätzlich nicht aufnehmen.“ Schließlich würden neben der Geburtshilfe auch viele Kontrollen durchgeführt, Notfälle aufgenommen und tagtäglich gibt es etliche Anrufe von Frauen, die Fragen zu ihrer Schwangerschaft haben. Auch niedergelassene Gynäkologen würden Schwangere ins 14 Nothelfer schicken.

Im Hinblick auf die Zukunft des Krankenhauses 14 Nothelfer formulieren die drei Hebammen ein klares Bekenntnis: „Wir stehen hinter Weingarten und werden dafür kämpfen.“

Stefan Wölke

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