Eine gefährliche Sache -Bei vielen Tötungsdelikten sind Messer im Spiel

5. September 2019
Nicht selten wird ein Messer zur Tatwaffe: Eines zu besitzen ist erlaubt und es ist praktisch immer verfügbar Foto: Adobe Stock

In diesem Jahr ereigneten sich im Bezirk der Staatsanwaltschaft Ravensburg bislang vier vollendete Tötungsdelikte – bei drei davon wurden die Opfer mit einer Stichwaffe getötet. Allein bis Ende des Jahres werden vor dem Landgericht Ravensburg noch vier weitere Verfahren wegen sogenannten „versuchten Tötungsdelikten mit Messerbezug“ verhandelt. Eine traurige Begebenheit. 

Region – Warum Menschen insbesondere immer wieder mit Messern umgebracht werden, ist so einfach wie schrecklich: „Messer sind erlaubt und jederzeit verfügbar“, erklärt Tanja Kraemer, Staatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Ravensburg. Ein Schweizer Taschenmesser zum Beispiel könne jeder in der Hosentasche mit sich herumtragen. Bricht zwischen Personen dann ein  Streit aus – und ist der potentielle Täter auch noch alkoholisiert – komme schnell das eine zum anderen, so die Staatsanwältin.

So sind die meisten Fälle auch Beziehungstaten und/oder sie geschehen unter Alkoholeinfluss, erklärt Tanja Kraemer. Die gefühlte Zunahme an Tötungsdelikten mit einem Messer sei ein subjektiver Eindruck, meint sie weiter. Tatsächlich verzeichnet der Sicherheitsbericht 2018 des Landeskriminalamtes für Baden-Württemberg zum Vorjahr einen Rückgang von 6,8 Prozent bei Tötungsdelikten mit Messerbezug. Ist aber eine Stichwaffe in Gebrauch, erhöht das die Gefahr für Leib und Leben erheblich. Unter den Getöteten ist bei jedem dritten ein Messer im Spiel.

In Baden-Württemberg stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der erfassten Fälle mit Tatmittel „Messer“ kontinuierlich an, erklärt Oliver Weißflog vom Polizeipräsidium (PP) Konstanz. Dazu zählen allerdings auch Delikte, bei denen das Messer als Tatwerkzeug verwendet worden sein kann, zum Beispiel wenn Autoreifen zerstochen werden. Im Zuständigkeitsbereich des PPs Konstanz war von 2014 bis 2017 ebenfalls ein Anstieg zu beobachten – 2018 ging die Zahl wieder leicht zurück. 2017 wurden 596 und im vergangenen Jahr 505 Fälle erfasst. 

Die Statistik des Polizeipräsidiums gibt aber noch eine präzisere Auskunft: Im Jahr 2017 wurden sechs Straftaten gegen das Leben mit dem Tatwerkzeug „Messer“ begangen; 2018 waren es 13 – und damit mehr als im Fünf-Jahres-Mittelwert, der bei zehn erfassten Fällen liegt. 

Stefan Wölke

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