Der stumme Frühling

Der stumme Frühling
Arten der Agrarlandschaft geht es oft schlecht, wie der Feldlerche Foto: Kersting
15. März 2018

Im Frühjahr beginnt die Tier- und Pflanzenwelt neu aufzuleben – mit ihr auch Vögel, die mit ihrem Gesang zum Beispiel Artgenossen locken. Doch was vor Jahrzehnten noch einem großen Konzert glich, ist heute oft zu einem kleinen, einsamen Piepsen verkümmert. Der Grund: Es gibt weniger Singvögel. Doch gilt es, zwischen den Arten zu unterscheiden.

Region – „Die Lerche, die Lerche, die führt die Braut zur Kerche. Fiderallala, fiderallala, fiderallalalala“, heißt es in dem alten Volkslied „Die Vogelhochzeit“. Doch was ist, wenn dem Brautvogel, der Amsel, womöglich irgendwann die Lerche als Begleitung fehlt? Und überhaupt: Wie sieht so eine Hochzeitsgesellschaft aus, wenn vielleicht nur noch rund halb so viele Gäste mitfeiern?

Der NABU verweist auf eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag aus dem Jahr 2017: Demnach sind zwischen 1990 und 2013 in Deutschland 35 Prozent aller Feldlerchen, 80 Prozent aller Kiebitze und 84 Prozent aller Rebhühner verschwunden. In Europa hätte die Zahl der Vögel in 30 Jahren um 420 Millionen abgenommen. Besonders Vögel der Agrarlandschaft sind bedroht.

Es trifft auch häufige Arten

Auch in unserer Region sei ein massiver Bestandsrückgang vor allem von Singvögeln zu verzeichnen, meint der Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Eriskirch am Bodensee, Gerhard Kersting. „Viele Vogelkundler in der Region, auch ich selber, können bestätigen, dass es heute pauschal betrachtet weniger Singvögel gibt als vor 20 oder gar 40 Jahren.“

„Besonders beunruhigend ist, dass auch ehemals häufige Arten vom Rückgang betroffen sind, so Rauch- und Mehlschwalbe, Feldlerche oder sogar der Star“, erklärt der Vogelexperte. Worin liegen die Gründe für den Rückgang?

Zum einen müsste die Abnahme je nach Art differenziert werden, aber es gibt Gemeinsamkeiten: „Bedroht sind bei uns vor allem Arten, die auf Äckern, Feldern oder Feuchtwiesen leben und solche Vögel, die weit ziehen, sogenannte Fernzieher“, erläutert Gerhard Kersting. Sehr viel weniger bedroht sind aber Arten des Waldes oder der Gewässer.

Kersting meint: „Offensichtlich bietet die immer intensivere landwirtschaftliche Nutzung der Agrarlandschaft vielen Arten keine guten Lebensmöglichkeiten mehr, vor allem ein geringes Nahrungsangebot oder keine Brutmöglichkeit. Regional spielt zum Beispiel der zunehmende Anbau von Mais als Energiepflanze eine große Rolle.“

Was können wir tun?

Neben einem grundlegenden Wandel in der EU-Agrarpolitik im Großen, für die Gerhard Kersting plädiert, kann auch jeder im Kleinen etwas tun: Zum Beispiel den Garten vielfältig mit Blütenpflanzen für Insekten gestalten; an Feldern und Feldwegen sollten naturnahe Randstreifen geschaffen werden; alte Bäume sollte man erhalten, aber auch neu pflanzen, so zum Beispiel Hochstamm-Obst; es sei auch durchaus sinnvoll Vögel zu füttern; und die Vögel brauchen Brutmöglichkeiten.

Die gute Nachricht zum Schluss

Gerhard Kersting hat aber auch Gutes zu berichten: Arten, die vor einigen Jahrzehnten hochgradig im Bestand bedroht waren, teilweise in Deutschland auch ausgestorben waren, haben in unserer Region mittlerweile wieder eine stabile Population, wie zum Beispiel der Weißstorch oder der Rotmilan. Häufig gab es für sie spezielle Schutzprogramme, die sich positiv auswirken.

Stefan Wölke

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