Der Asche zum Trotz
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11. April 2019
Pfarrer Hermann Riedle freut sich auf den ersten Gottesdienst nach dem Brand vor mehr als einem Jahr Foto: Stefan Wölke

Am 10. März 2018 stand die denkmalgeschützte Kirche St. Jodok in der Ravensburger Innenstadt in Flammen. Nur durch das schnelle Handeln vieler Helfer konnte Schlimmeres verhindert werden. Nach einjähriger Sanierung wird die Kirche nun am Palmsonntag wiedereröffnet. 

Ravensburg – „Vom Boden bis zur Decke, in jedem Hohlraum hatte sich Ruß abgelagert“, erklärt Pfarrer Hermann Riedle  die Situation nach dem Feuer im nördlichen Seitenschiff vergangenes Jahr. Entsetzen und Sprachlosigkeit hätten geherrscht. „Ich selbst konnte es nicht glauben. Wie kann eine Kirche brennen?“, fragte er sich. 

Ein Brandstifter hatte im Innenraum ein Feuer gelegt. Er wurde gefasst und vor dem Landgericht zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten verurteilt. 

Wertvolle historische Kunstschätze drohten zerstört zu werden. „Doch wir hatten riesiges Glück“, meint Hermann Riedle, der Leiter der Seelsorgeeinheit Ravensburg-Mitte ist. An einem Samstag hatte die Kirche St. Jodok gebrannt. Bereits am darauffolgenden Donnerstag, nur fünf Tage später, begann eine Fachfirma mit dem Abtragen der Feuerreste. Der Ruß wurde abgesaugt, es wurde feucht gereinigt. Auch Trockeneis kam zum Einsatz. „Es musste schnell gehen, um Folgeschäden zu verhindern“, so Riedle. Noch bis vor wenigen Wochen liefen die letzten Sanierungsarbeiten, die jetzt abgeschlossen sind.

Durch die geschickten Hände der Diplom-Restauratorin Brigitte Hecht-Lang erhielt zum Beispiel die Figur des Heiligen Sebastian neue Pfeile. Sie waren im Feuer verbrannt. Der Sockel einer Marienfigur aus dem Jahr 1480 hatte ebenso Brandschäden. Beiden sieht der Betrachter die Spuren des Feuers nicht mehr an. Auch die Decke und das Dach des nördlichen Seitenschiffs, die komplett durchgebrannt waren, mussten vollständig erneuert werden. Im Zuge der Sanierung wurden die Decken nun in einem hellen Grau gestrichen. „Das gibt dem Raum eine Leichtigkeit“, findet Hermann Riedle. Überhaupt wurde dem Innenraum nach dem Brand ein neues Gesicht gegeben. 

Im Kirchenschiff ist ein sogenannter Freiraum entstanden, der ohne feste Kirchenbänke auskommt. „Wir haben einen Raum geschaffen, in dem sich Ideen entwickeln“, so Riedle. Im Advent gibt es hier zum Beispiel ein Lichtlabyrinth, durch das sich der Besucher bewegen kann. In der Kunstnacht werden Installationen aufgebaut, die Menschen der Stadt berühren und in die Kirche ziehen sollen. Die Besucher eines Konzerts können in Zukunft beispielsweise auch zur Orgel gewandt sitzen, erläutert der Pfarrer. 

Im gleichen Zuge wurde der steinerne Altar in den vorderen Bereich des Chorraums verlagert. Hier finden ab sofort die Gottesdienste statt, wobei sich die Gemeindemitglieder im Chorgestühl gegenübersitzen – ein Privileg, das im Mittelalter nur Geistlichen vorbehalten war. „Es entsteht eine besondere Atmosphäre, alle sind sich näher“, ist Riedle überzeugt.

Die Kosten der Sanierung werden bei mehr als einer Millionen Euro liegen, die von Versicherungen übernommen werden. Für das Freiraumprojekt werden von der Kirche noch einmal 480 000 Euro bezahlt.

Die offizielle Wiedereröffnung wird am Palmsonntag, 14. April, ab 19 Uhr mit einem Abendgottesdienst gefeiert.

Stefan Wölke

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