Crowdinvesting kann bei der Energiewende helfen

Crowdinvesting kann bei der Energiewende helfen
Durch Crowdinvesting wird Transparenz geschaffen, die Bürger bekommen Gestaltungsspielraum bei Projekten. Dadurch wird die Akzeptanz gerade der Energiewende erhöht
26. September 2019

Die Energiewende steckt in Schwierigkeiten. Auch aufgrund der fehlenden öffentlichen Akzeptanz gerät der Ausbau der erneuerbaren Energien ins Stocken. Hier kann Crowdinvesting seine Stärken ausspielen – mit transparenter Kommunikation, die Bürger für Energieprojekte sensibilisiert.

Wie erreicht Deutschland seine Klimaziele? Das Reaktorunglück von Fukushima im März 2011 markierte faktisch den Beginn der Energiewende. Die erst kurz zuvor beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke wurde drei Tage nach dem Super-Gau vollständig zurückgenommen. 2022 sollen nun die letzten Meiler vom Netz gehen.

Energiewende stockt

Aktuell tritt Deutschland bei der Energiewende auf der Stelle. Laut dem Bundesverband Deutsche Windenergie wurden im Halbjahr 2019 82 Prozent weniger Windenergieanlagen gebaut als im Vorjahr. Das ist der schlechteste Wert seit 2000. Der notwendige Zubau in der Erzeugung und der Netzausbau für die Energieübertragung ist in den vergangenen Jahren stagniert. Umfangreiche klimapolitische Maßnahmen lassen auf sich warten.

Das Klimaziel, bis 2050 den Treibhausgasausstoß gegenüber dem Jahr 1990 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, rückt in weite Ferne. Das Ziel für 2020 kann schon nicht mehr erreicht werden. Dass es an den notwendigen Finanzierungsmaßnahmen mangelt, kann indes nicht behauptet werden. Ob Photovoltaik, Windkraft oder Biogas: Nachhaltige Investitionen in erneuerbare Energien liegen im Trend. 2018 investierten Anleger in Deutschland 133,5 Milliarden Euro. 2009 waren es noch 12,9 Milliarden Euro. Der Anteil von alternativen Finanzierungsformen wie Crowdinvesting ist jedoch noch sehr gering. Hier bewegen sich die Gesamtinvestitionsvolumen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Und dennoch: Crowdinvesting kann als Modell dienen, wenn es darum geht, die Energiewende in Deutschland voranzutreiben. Wieso? Oftmals fehlt es an Mitteln zur Finanzierung einer lokalen Anlage, wie etwa Photovoltaik-Flächen. Banken bieten mitunter ungünstige Konditionen an, Bürgerinnen und Bürger bleiben bei solchen Projekten außen vor.

Hier kann die Schwarmfinanzierung ansetzen. Denn sie ist eine Finanzierungsform, bei der Bürgerinnen und Bürger miteingebunden werden. Die Kommunikation von Projekten ist transparent. Die Informationen sind offen zugänglich. Das kommt Energieprojekten und der Akzeptanz zugute.

Akzeptanz schaffen

Zwar sprechen sich 93 Prozent der deutschen Bevölkerung für eine stärkere Nutzung und den Ausbau von Erneuerbaren Energien aus. Doch eines der drängendsten Probleme der stockenden Energiewende sind lokale Proteste gegen den Ausbau des Stromnetzes. Konkret äußert sich Unmut gegen den Bau von Leitungen und Masten, die direkt vor der Haustür entstehen. Das bedeutet, dass Energieprojekte die bürgerliche Akzeptanz vor Ort brauchen. Schwarmfinanzierung fördert den Zuspruch für Maßnahmen zur Energiewende durch die Einbeziehung lokaler Investoren. Energieprojekte müssen – egal, ob es sich dabei um staatliche oder private Vorhaben handelt – auf Augenhöhe kommuniziert werden. Ein offener Dialog sensibilisiert Bürger. Er zeigt auch Möglichkeiten einer Projektbeteiligung vor Ort.

Beteiligung ermöglichen

„Wenn man von Beteiligung spricht, muss diese auch im Projekt und in dessen Realisierung gegeben sein. Eine bloße Information und auch gute Kommunikation ist noch keine Beteiligung, sondern lediglich die notwendige Vorstufe zur Beteiligung. Erst wenn ein Gestaltungsspielraum eingeräumt und auch eingehalten wird, kann man von Beteiligung sprechen“, sagt Dietmar Miller, Forscher im Bereich Partizipation an der Energiewende im Projekt C/sells (SINTEGSchaufenster des BMWi). Diese Aspekte sollten eine tragende Rolle einnehmen – und könnten durch Crowdinvesting realisiert werden.

Alternative Finanzierungsinstrumente können die Energiewende dahingehend flankieren, dass sie mit erfolgreichen, offen kommunizierten Projekten Bürgerinnen und Bürger vor Ort einbinden – und so eine breite Akzeptanz für die Erreichung der Klimaziele erreichen. Denn wer im Rahmen von Crowdinvesting schon einmal gute Erfahrungen mit Energieprojekten vor der eigenen Haustür gemacht hat, der steht auch großen staatlichen Wind- oder Solaranlagen vielleicht weniger skeptisch gegenüber.

Christoph Daniel

Crowdinvesting ist ein modernes, alternatives Instrument zur Kapitalbeschaffung. Dabei investieren viele Einzelanleger vergleichsweise geringe Geldbeträge in ein aussichtsreiches Unternehmen oder Projekt – üblicherweise über eine Internet-Plattform. Die Anleger beteiligen sich so finanziell am Erfolg des Unternehmens oder Projekts. Sie erhalten neben ihrem eingesetzten Kapital auch einen vorab festgelegten Zinssatz über eine bestimmte Laufzeit zurück. Auch das Unabhängige Wochenblatt setzt auf Crowdinvesting, um damit Wachstums- und Digitalisierungsprojekte wie tagesaktuelle Online-Berichterstattung und eine Wochenblatt-App voranzutreiben – und gleichzeitig seinen Leserinnen und Lesern eine attraktive Renditemöglichkeit zu bieten.

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren