Bischof sagt basta
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28. März 2019
Bischof Gebhard Fürst war zu Besuch im Schwörsaal. Dort erklärte er, warum er sich gegen die „Ravensburger Erklärung“ ausspricht Foto: Oliver Hofmann

Mit der „Ravensburger Erklärung“ vom Oktober 2017 hatten sich Katholiken und Protestanten gegenseitig zum Abendmahl und zur Kommunion eingeladen. Die Reaktion des Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, die Evangelischen nicht pauschal zum Abendmahl der Katholiken zuzulassen, polarisierte die Gläubigen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Umso gespannter wurde nun der Besuch des Bischofs erwartet. 

Ravensburg – Der katholische Stadtpfarrer Hermann Riedle und sein evangelischer Kollege Martin Henzler-Hermann hatten die „Ravensburger Erklärung“ 2017 unterzeichnet. Ein Jahr später musste sich Hermann Riedle auf Weisung des Rottenburger Bischofs wieder davon distanzieren. Von evangelischer Seite kam daraufhin harsche Kritik durch Dekan Friedrich Langsam, der diese Reaktion als einen Rückschritt in der Annäherung der beiden Konfessionen bezeichnete.

In den Ravensburger Schwörsaal kam der Bischof nun mit seinem Beauftragten für Ökumene, Domkapitular Heinz Detlef Stäps. Zum Einstieg in das Thema hielt Fürst einen theologischen Vortrag zum katholischen Verständnis von Abendmahl und Kommunion. Dieser mündete in seinem persönlichen „Herzenswunsch“, die Ökumene zwar weiter voranzubringen – aber mit einer klaren Absage an die Ravensburger mit ihrem Wunsch der gegenseitigen Einladung zu Abendmahl und Kommunion.

Die unterschiedlichen Auffassungen der beiden Konfessionen zum Abendmahl erläuterte er  unter anderem mit dem unterschiedlichen Verständnis der „Realpräsenz“ bei der Eucharistie. „Der Umgang mit den eucharistischen Gaben Brot und Wein ist für mich im evangelischen Glauben schwer verständlich, damit muss ehrfurchtsvoller umgegangen werden“, mahnte er an. „Jesus ist in der Hostie fortwährend anwesend, im katholischen Glauben ist das untrennbar mit dem Geheimnis des Glaubens verbunden, es steht so  in der Bibel geschrieben.“

Die von vielen erhoffte offene Diskussion fand danach nur ansatzweise statt. Die Kritiker bezeichneten den Bischof als „anmaßend“, da er nur Forderungen an die Evangelischen richte. „Wir reden über das Kirchenrecht und die Welt geht in Flammen auf“, wurde angeführt. Worauf Bischof Fürst versicherte, er habe diese Diskussion zu keinem Zeitpunkt mit dem Schwerpunkt auf dem Kirchenrecht geführt, sondern immer mit seiner persönlichen Überzeugung. Den Unterstützern der Ökumene war nach diesem Abend die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, gibt es doch aktuell keine Bewegung in Richtung des gemeinsamen Abendmahls. Vielen bleibt jetzt nur die Aussicht, die Domkapitular Stäps auf die Frage parat hatte, wo die Ökumene in 20 Jahren steht: „Dann sind wir einen Schritt weiter“, war seine vielsagende Antwort.

Oliver Hofmann

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