Auf die Finger geschaut
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7. März 2019
Zoll scheucht Nagelstudio-Mitarbeiterinnen auf Foto: Adobe

Für große Aufregung sorgte in der vergangenen Woche der Zoll im Bodenseekreis sowie im Kreis Ravensburg: Im Kampf gegen Schwarzarbeit wurden dort zahlreiche Nagelstudios überprüft. Die Beamten leiteten mehrere Strafverfahren ein.

Region – In gleich drei Studios trafen die Ermittler auf insgesamt fünf ausländische Arbeitnehmerinnen ohne Aufenthaltsgenehmigung. Offenbar hatte sich die Razzia schnell herumgesprochen. „Im vierten war nur noch die Inhaberin mit den Kunden da“, erklärt Hagen Kohlmann, Pressesprecher des Hauptzollamts Ulm. Den erwischten Arbeiterinnen droht nun höchst wahrscheinlich die Ausweisung durch das Ausländeramt. „Andererseits wurden strafrechtliche Ermittlungen gegen die Arbeitgeber wegen illegaler Beschäftigung von Arbeitnehmern aufgenommen“, erklärt Kohlmann weiter. 

Hohes Bußgeld droht

Die Strafen hängen dann von verschiedenen Umständen ab, etwa ob es sich um einen Wiederholungsfall handelt oder von der Dauer der illegalen Beschäftigung. Häufig droht den Arbeitgebern jedoch ein Bußgeld von mehreren tausend Euro. Insgesamt leiteten die Zollbeamten sieben Strafverfahren und zwei Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten ein. „Wir prüfen turnusmäßig alle Branchen, in diesem Fall über mehrere Tage stichprobenweise die Nagelstudios im Bodenseekreis und im Kreis Ravensburg“, erklärt Hagen Kohlmann vom Hauptzollamt Ulm das Vorgehen.

„Die Durchsuchungen waren die erste umfangreiche Ermittlung in dieser Branche“, erklärt Pressesprecher Kohlmann, „und eine Häfler-Sache“. Beim Hauptzollamt Ulm gibt es die Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS), die sich auf die vier Standorte Aalen, Ulm, Pfullingen bei Reutlingen und Friedrichshafen verteilt. Jeweils rund 30 Beschäftigte sind hier im Einsatz. Bei den Friedrichshafener Kollegen sei die Branche ein Thema gewesen, so Kohlmann. Hagen Kohlmann hofft auf einen nachhaltigen Effekt der Aktion: „Die Leute sollen sich an die Regeln halten“, meint er. Deshalb werden auch in Abständen weitere Kontrollen folgen. „Eigentlich ist es schöner, wenn wir keinen Erfolg haben“, erklärt er. 

Schaden in Millionenhöhe

Die Friedrichshafener FKS-Gruppe ist vornehmlich im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg aktiv. Im Jahr 2017 betrug hier die Schadenssumme im Rahmen der Ermittllungen rund 2,5 Millionen Euro.Ob es sich in den Fällen der Nagelstudios um organisierte Kriminalität wie zum Beispiel durch Schleuserbanden handelt, wird von der Ausländerbehörde und der Bundespolizei ermittelt. 

Eva Heine/ Stefan Wölke

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