Amateurfunk: per Funkgerät ins All und um die ganze Welt
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22. Oktober 2018
Jan Krause ist mit zwölf Jahren der Youngster bei P09 Ravensburg. Foto: Artur Weniger

Bei wem es einmal funkt, bei dem entzündet sich die Begeisterung unauslöschlich: Die Funkamateure des Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. (DARC) des Ortsverbandes Ravensburg P09 tragen das Feuer weiter in die Herzen von Schülern der Realschule und des Gymnasiums Weingarten, aktuell gekrönt durch die erfolgreiche Funkkontaktaufnahme mit der Raumstation ISS.

Weingarten – Am Mittwoch, 10. Oktober, 16.03 Uhr liegt knisternde Spannung in der Luft der bis zum letzten Platz gefüllten großen Turnhalle der Realschule Weingarten. Die Internationale Raumstation ISS überschreitet den Horizont und tritt in den Funkempfangsbereich der für diesen besonderen Tag ausgewählten Schulen in Weingarten und Heilbronn ein.

Kontaktaufnahme

„Delta, Papa, Zero, India, Sierra, Sierra“ –  so tönt der an die ISS gerichtete Funkspruch aus den Lautsprechern. Der per Skype aus Heilbronn auf die Leinwand in der Halle zugeschaltete Schüler wiederholt mantraartig im Funkalphabet die Kennung der Raumstation. Knistern, Knacken, Rauschen – gespannt wartet die Menge in der Halle auf die Antwort des deutschen Astronauten Alexander Gerst von Bord der ISS. Auf einer anderen Leinwand wird fortlaufend die aktuelle Position der Internationalen Raumstation auf einer Karte angezeigt – eigentlich schon deutlich im Empfangsbereich. Dann – endlich, die erlösende Antwort: „Hallo Heilbronn, hallo Weingarten – ich höre euch klar und deutlich!“

Gruß aus dem All

Ernst Steinhauser, Vorsitzender des DARC-Ortsverbandes Ravensburg, fällt in diesem Moment ein Stein vom Herzen. Hatte er doch noch am Vormittag eine Mail von der European Space Agency (ESA) bekommen, dass Alexander Gerst, der aktuell sogar das Kommando auf der ISS führt, nur mit fünf Watt Sendeleistung aus dem europäischen Teil der Station funken kann. Dies entspricht einer Sendeleistung eines gewöhnlichen Handfunkgerätes. Doch die Crew auf der Erde hat ganze Arbeit geleistet, die Antennen – „die Ohren der Funker“ –  sind präzise ausgerichtet.

Knappes Zeitfenster

Zwar hat sich das Zeitfenster für den Funkkontakt deutlich verkleinert, dennoch können einige Schüler ihre sorgsam vorbereiteten Fragen an den deutschen Astronauten richten, der diese ihnen in der knappen Zeit zügigst beantwortet.

Der Funkkontakt bricht ab, die Veranstaltung nähert sich dem Ende. Doch was bleibt, ist ein ungleich größerer Erfolg: Bei den am Schulprojekt beteiligten Schülern ist ein besonderes Interesse an der Technik geweckt. Und die eine oder der andere wird sich in Zukunft mit wachsender Begeisterung dem Amateurfunk widmen.

Forscherdrang und Bastelspaß

Lukas Geiselhart (14 Jahre) und Jan Krause (12 Jahre) sind die jüngsten des knapp 70 Mitglieder zählenden DARC-Ortsverbandes Ravensburg. Vor zwei Jahren kamen sie im Rahmen der Tüftlergruppe im „Haus der Familie“ in Weingarten zum Amateurfunk. Mittlerweile haben beide die Amateurfunkprüfung der Bundesnetzagentur absolviert und haben somit das Amateurfunkzeugnis der Klasse E erworben.

Ernst Steinhauser: „Manche denken, wir sitzen in unserer Freizeit vor unseren Funkgeräten und setzen einen Funkspruch nach dem anderen ab. Das tun wir zwar auch, doch ist unser Hobby in Wirklichkeit weitaus facettenreicher.“

Das geht los mit den Digimodes, den digitalen Betriebsarten im Amateurfunk. Hierbei kann man ohne großes Equipment und ohne viel Leistung große Reichweiten erzielen.

Dann das Antennen basteln: Elektronikkenntnisse, handwerkliches Geschick und physikalisches Knowhow sind hier erforderlich.

Amateurfunkpeilsport: Dem Sportler wird die einzigartige Kombination  von körperlicher Fitness, Orientierungssinn und technischem Verständnis über die  Ausbreitung von Funkwellen abverlangt.

Und last but not least: Die besondere Freude am Unerwarteten.

Internationale Kommunikation

Dem Amateurfunkdienst sind international diverse Frequenzbereiche zugewiesen, innerhalb derer die Sende- und Empfangsfrequenzen frei gewählt werden dürfen. Es sind dies auf Kurzwelle neun Bänder zwischen 1,8 und 30 MHz. Darüber hinaus dürfen staatlich geprüfte Funkamateure auch auf dem Zwei-Meter-Band, dem 70-Zentimeter-Band und auf wesentlich höheren UHF- und SHF-Bändern ihre Versuchssendungen mit zum Teil selbst gebauten Sende- und Empfangsgeräten durchführen. Seit 2012 dürfen Funkamateure zudem auch auf Mittelwelle im Bereich 472 bis 479 kHz senden. Die Sendeleistung der verwendeten Geräte ist durch nationale Bestimmungen festgelegt, sie darf je nach der Zeugnisklasse bis zu 750 Watt betragen. Durch die Möglichkeit außer der Telefonie (Sprechfunk) auch Verbindungen in Telegrafie (Morsen) und Funkfernschreiben zu tätigen, sind weltweite Kontakte die Regel. Außerdem dürfen staatlich geprüfte Funkamateure auch Fernsehversuchssendungen (ATV und SSTV) ausstrahlen.


Weitere Informationen gibt es im Internet unter:

www.darc.de

www.darc.de/p09

oder per Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Artur Weniger

 

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