Alles, was Sie über Crowdinvesting wissen müssen

Alles, was Sie über Crowdinvesting wissen müssen
Eine Anlagemöglichkeit, bei der auch kleine Beträge gute Renditen bringen können, ist das Crowdinvesting Bild: Pixabay
13. August 2019

In der letzten Woche haben wir Ihnen Crowdfunding vorgestellt. Eine digitale Finanzierungsform, bei der Kapital über viele Anleger eingesammelt wird. Nun wollen wir Ihnen eine Variante dessen näherbringen: Crowdinvesting. Dabei beteiligen sich Anleger am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens oder Projekts. 

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Mittelständler möchte eine seiner Produktlinien schnellstmöglich weiterentwickeln. Dafür sind verschiedene Investitionen in Forschung, Patentanmeldungen oder Rechtsberatung notwendig. Gleichzeitig möchte das Unternehmen, das tief in der Region verankert ist, Bürgerinnen und Bürgern die Chance geben, sich zu beteiligen. 

Welche Möglichkeiten hat der Mittelständler? Klassische Finanzierungswege sind mit hohen bürokratischen Hürden verbunden und daher langwierig. Außerdem schließen sie die Öffentlichkeit aus. Genau hier kommt Crowdinvesting ins Spiel. 

Wirtschaftliche Teilhabe am Unternehmenserfolg

Crowdinvesting ist eine Form des Crowdfunding, bei der die Anleger finanziell am Erfolg des Unternehmens (bzw. des Projekts) beteiligt werden. Der Rendite-Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Man spricht auch von Equity-based Crowdfunding, also Crowdfunding mit Gewinnbeteiligung. Das Crowdfunding-Prinzip bleibt gleich: Viele Einzelanleger – die Crowd – investieren geringe Beträge über eine Online-Plattform in ein Unternehmen oder ein bestimmtes Projekt. Ist das Projekt abgeschlossen, bekommen die Investoren ihr Kapital zurück, plus eines vorab festgelegten Zinssatzes über eine bestimmte Laufzeit. 

Rechtlich ist das Crowdinvesting im Vermögensanlagengesetz geregelt. Dort trat 2015 das Kleinanlegerschutzgesetz (KASG) in Kraft. Es enthielt zahlreiche Gesetzesänderungen zur Regulierung des grauen Kapitalmarkts. 2019 wurde das Gesetz evaluiert und wesentliche Anpassungen vorgenommen. Beispielsweise dürfen Unternehmen nun bis zu sechs Millionen Euro Kapital einsammeln, zuvor waren es 2,5 Millionen Euro.

Vorteile für Anleger

Crowdinvesting bietet für Anleger mehrere Vorteile: Zunächst steht es im Prinzip jedem offen, ganz unabhängig vom Einkommen. Schon mit Beträgen ab 50 oder 100 Euro können sich Investoren beteiligen. Dabei gibt es vergleichsweise hohe Renditen, die klassische Einlagen nicht bieten können. Außerdem können Anleger gezielt nach Branchen und Projekten suchen, die ihren Vorstellungen entsprechen. 

Ein weiterer Vorteil: Beim Crowdinvesting haben Anleger die Möglichkeit, direkt mit den Unternehmen in Kontakt zu treten, um sich nähergehend zu informieren. Das schafft Transparenz und erhöht die Identifikation mit dem Projekt.

Risiken für Anleger

Für Anleger sind die Risiken eines Crowdinvestings unterschiedlich, je nach Art des Projekts. Während die Risiken bei einer Investition in einen Mittelständler geringer sind, kann das Ausfallrisiko bei einem Startup naturgemäß höher sein. Im Falle einer Insolvenz droht der Totalverlust des investierten Kapitals, da die Beteiligung typischerweise in Form eines Nachrangdarlehens erfolgt. Scheitert ein Projekt, dann werden zuerst die Forderungen der Bank bedient und erst danach die aller anderen Investoren.

Vorteile für Unternehmen

Ist ein Crowdinvesting-Vorhaben erfolgreich, dann erhält das Unternehmen das eingesammelte Kapital zumeist in Form von Mezzaninkapital. Dieses  beschreibt eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital. Bei Mezzaninen wird dem betreffenden Unternehmen wirtschaftliches oder bilanzielles Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern oder Gesellschaftern Stimm- oder Einflussrechte zu gewähren.

Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist Kapital oft anderweitig gebunden. Das führt dazu, dass Investitionen in neue Projekte warten müssen. Crowdinvesting bietet hier die Möglichkeit, die eigene Liquiditätsquote zu stärken. Für KMU verbessert das die eigene Position gegenüber Banken – und erhöht so die Chancen auf einen Kredit. 

Gerade junge Unternehmen benötigen Zeit, um sich zu entwickeln und vor allem regelmäßig frisches Kapital. Für Startups bietet Crowdinvesting einen Weg, um beispielsweise eine Anschubfinanzierung zu gewährleisten.

Das alles beschreibt Vorteile, die sich Unternehmen unmittelbar durch ein erfolgreiches Crowdinvesting anbieten. Doch es gibt auch solche Vorteile, deren Auswirkungen nicht direkt messbar sind. So können Unternehmen mit Crowdinvesting-Kampagnen ihre Markenbekanntheit steigern und ihr Image stärken. 

Dazu gehört eine Marketingstrategie, die – unter Einbezug verschiedener Instrumente – die Kampagne begleitet. So können Anleger als Markenbotschafter oder als Kunden gewonnen werden. Außerdem steigert es die Reichweite und Bekanntheit des Projekts oder des Unternehmens.

Risiken für Unternehmen

Welche Risiken bestehen für Unternehmen? Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Wird die erwartete Summe nicht eingesammelt, muss unser Mittelstandsunternehmen die Investition hintenanstellen oder ganz aufgeben.  Wer ein Crowdinvesting anstrebt, der sollte ein gewisses Maß an Offenheit und Dialogbereitschaft mitbringen. Schwarmfinanzierung ist eine transparente Anlageform. An- und Rückfragen aus der Crowd gehören dazu und sollten in der Regel auch beantwortet werden. Ist dies nicht der Fall, drohen Imageverluste.

In dieser Serie möchten wir Ihnen Crowdfunding in all seinen Facetten und unterschiedlichen Formaten vorstellen. Hintergrund ist ein Crowdinvesting-Projekt des Unabhängigen Wochenblatts, mit dem wir zusätzliche, spannende Wachstums- und Digitalisierungsprojekte des WOCHENBLATTs durch eine moderne, internetbasierte und attraktiv verzinste „Schwarmfinanzierung“ beschleunigt realisieren wollen. Damit starten wir Anfang September. 

Im nächsten Beitrag beschäftigen wir uns mit der Marktsituation in Deutschland.

Christoph Daniel

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