Ali, der Öko-Ranger

2. Mai 2019
Alexander „Ali“ Teise (li.), hier zusammen mit Kumpel Olaf Kausch, will das Müllproblem angehen. Deswegen räumt er Wege und Wiesen davon frei und stellt Müll-Mahnmale auf Foto: Julia Rizzolo

Vom Klimaschutz reden viele, doch Alexander Teise aus Vogt will nicht nur reden, er will etwas tun. Darum zieht er regelmäßig los und sammelt in und um seinen Wohnort Vogt Müll ein. Mithilfe von Schildern will er andere Bürger auf das Problem aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen. Und vielleicht auch zum Mitmachen.

Vogt – Alexander „Ali“ Teise ist ein Kämpfer. Seine Waffen sind nicht Messer oder Gewehre, sondern Müllbeutel, Eimer, Greifer und Handschuhe. Sein Feind: Der Müll – und der ist leider überall. Doch wenn Ali Teise irgendwo aufräumt, dann richtig. Da bleibt kaum ein Bonbon-Papierle zurück. Er sammelt den Müll nicht ein, weil er es muss oder weil es sein Job ist, sondern weil es ihm wichtig ist. Sehr wichtig. Und er will nicht abwarten bis andere das Müll-Problem lösen. Ali will selbst etwas tun.

Briefe an den Landrat 

„Ich räume schon immer gerne auf“, erzählt er. Schon als Kind und sogar im Urlaub. Die Ferien fangen für den Baustoff-Händler erst dann richtig an, wenn er den ganzen Müll am Strand eingesammelt und entsorgt hat. So ist er eben. Dass manche ihn deswegen vielleicht sogar für einen Spinner halten, ist ihm egal. „Ein Spinner ist man immer nur am Anfang“, sagt er. „Hinterher nicht mehr.“ Er vergleicht die Erde mit einer Badewanne, in der wir alle gemeinsam sitzen: „Pinkelt da einer ins eine Ende rein, erreicht das doch auch die anderen. Das große Ganze, das fängt doch hier vor unserer Haustüre an!“ 

Bevorzugtes Einsatzgebiet ist sein Wohnort Vogt. Hat er einen Weg, eine Wiese oder einen Bachlauf vom Müll befreit, stellt er dort seine Müll-Mahnmale auf, wie er sie nennt. „Mikroplastik entsteht bereits hier durch Egoisten und Idioten. Schande!“ steht auf einem, „Sorry Natur, für unsere menschliche Dummheit“ auf einem anderen. Im Gemeindeblatt wurde schon nach dem mysteriösen Müll-Sammler gesucht, aber gemeldet hat Ali sich nicht: „Ich will keinen Pokal und keine Urkunde. Ich will die Menschen nur ein wenig aufrütteln.“ Denn Müll geht uns alle an. Ein Problem sieht Ali darin, dass viele denken „Den hab ich ja nicht gemacht, das heb‘ ich nicht auf.“ Viele Menschen übersehen den Müll. Andere gehen vorbei und ignorieren ihn. „Tiere wie Kühe und Hunde aber fressen ihn und leiden teilweise schlimme Qualen“, erzählt er. Sein Wunsch wäre es, dass er viele Nachahmer findet. Je mehr, desto besser. „Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn jeder Mensch auf der Welt nur eine Stunde pro Woche draußen aufräumt“, sagt Ali Teise. Weil er an einer bestimmten Stelle immer wieder dieselben kleinen Schnaps-Fläschchen findet, hat er sogar schon Anzeige gegen Unbekannt gestellt. 

Ein paar Mitstreiter hat der Müll-Bekämpfer gefunden. Seinen Kumpel Olaf Kausch, zum Beispiel. Diesen regt eine Sache besonders auf: „Viele Hundebesitzer verpacken so etwas Natürliches wie den Hundekot in Plastiktütchen und werfen diese dann ins Gebüsch. Das ist doch absurd. Meistens steht ein paar Meter weiter sogar ein Abfalleimer.“

„Ich habe dem Bürgermeister schon vorgeschlagen, Öko-Ranger hier in Vogt zu spielen. So als Minijobber. Leider hat die Gemeinde kein Interesse daran,“ sagt Ali. Ideen und Maßnahmen schwirren noch viele in seinem Kopf herum. Er sei kein „Voll-Grüner“, wie es nennt. Er raucht und fährt Harley, aber ansonsten versucht Ali, seinen ökologischen Fußabdruck klein zu halten. 

Auch an Landrat Harald Sievers hat er schon mehrfach geschrieben und Vorschläge zur Lösung geschickt, aber keine zufriedenstellenden Antworten bekommen. Entmutigen lässt Alexander Teise sich davon nicht. „Jedes Stück Müll, das ich der Natur entreiße, freut mich“, sagt er, schnappt sich seinen Greifer und packt an.

Julia Rizzolo

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren