Therme vor Baubeginn
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6. Juli 2018
Das alte Eichwaldbad ist abgebrochen, aber gebaut wird noch nicht. Wo sich zuletzt das große Freibecken befand, tummeln sich jetzt Enten in einem Teich. Foto: Uli Stock

Investor Andreas Schauer will im September mit dem Aushub für den Bau der Therme im Lindauer Eichwald beginnen. Die Eröffnung ist für Herbst 2020 geplant. Fraglich ist, ob die Naturschützer mit ihrer Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof den Bau noch verhindern können.

Lindau – Das Betriebsgebäude, die Becken und ein Teil der Umkleidekabinen auf dem Gelände des alten Strandbades im Eichwald sind beseitigt – auch etliche Bäume, die dem Bau der Therme im Wege standen, sind bereits gefällt. Ein Bauzaun rund um das Gelände trennt die Badegäste, die das Freibad weiter benutzen können, von der Baustelle. Diese muss, wie der Geschäftsführer der Bädermanagement-Firma Schauer & Co., Andreas Schauer, im Gespräch mit dem WOCHENBLATT erklärt, zwar erst noch eingerichtet werden, aber bald schon soll es losgehen. Wann genau, das hängt vor allem vom Pegelstand des Bodensee ab.

Für den Aushub, mit dem möglicherweise schon im September begonnen werden soll, ist ein möglichst niedriger Pegel Voraussetzung. Danach soll die Gründung erfolgen, um für den Gebäudekomplex ein festes und vor allem auftriebsicheres Fundament zu schaffen. Nach Angaben von Schauer sind dafür „rund 66 Kilometer Pfähle“ notwendig. Bis zum Frühjahr soll das Untergeschoss fertiggestellt sein. Läuft alles nach Plan, kann die Therme in gut zwei Jahren, also im Herbst 2020, eröffnet werden.

Wie mehrfach berichtet, will der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) das Projekt verhindern, weil es seiner Ansicht nach den Zielsetzungen des Landschaftsschutzgebietes „Bayerisches Bodenseeufer“ widerspricht. Dafür hat der BN beim Verwaltungsgericht (VG) in Augsburg Eilantrag gegen die Baugenehmigung der Stadt Lindau eingebracht. Dieser wurde jedoch vom Gericht abgelehnt mit der Begründung, das die „Prüfung umweltbezogener Belange“ auf der Ebene des Bebauungsplans stattfinde. Gegen diese Entscheidung hat der BN, wie dessen Anwältin Lisa Eberlein gegenüber dem WOCHENBLATT erklärt, zwischenzeitlich Beschwerde eingelegt. Auch Anwohner hatten einen Eilantrag gestellt, der vom VG ebenfalls abgelehnt wurde.

Parallel zum Eilantrag beim VG hatte der BN beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH, München) einen Antrag auf Normenkontrolle eingebracht. Dieser richtet sich gegen den von der Stadt beschlossenen, vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Therme und Freizeitbad, Eissporthalle“. Damit wollen die Naturschützer prüfen lassen, ob das Projekt Therme mit den Zielsetzungen des Landschaftsschutzgebietes und dem Bodenseeleitbild der drei Anrainerstaaten in Einklang zu bringen ist. Die Lindauer Naturschützer bemängeln zudem, dass die artenschutzrechtlichen Prüfungen im Hinblick auf die angrenzenden Natura 2000- und SPA-Vogelschutzgebiete unzureichend geprüft worden sind.

Dass, wie die Stadt auf Anfrage bestätigt, in Sachen Therme „Baurecht besteht“, wird auch von der Anwältin des BN nicht bezweifelt. Da das Normenkontrollverfahren, in dem Grundsätzliches geklärt werden soll, sich wahrscheinlich länger hinziehen dürfte und mit dem Beginn der Bauarbeiten vollendete Tatsachen geschaffen würden, will der BN beim VGH zusätzlich ein „einstweiliges Rechtsschutzverfahren“ anstrengen. Damit soll zu gegebener Zeit – ähnlich wie bei einer einstweiligen Verfügung – ein Baustopp erreicht werden.

Ulrich Stock

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