Pflegekräfte aus dem Ausland
Empfehlung

11. April 2019
Heimleiter Klaus Höhne freut sich mit Mariana Serafimov (li.) und Ruza Tosic über die erworbenen Fachkraft- Qualifikationen Foto: Ulrich Stock

Der Personalmangel im Pflegebereich ist hinreichend bekannt. Die Politik verspricht zwar Besserung, doch das dauert. Daher hat sich das Senioren- und Pflegeheim Evangelische Hospitalstiftung Lindau entschlossen, eigene Wege zu gehen und ausländische Pflegekräfte bei der Ausbildung zur anerkannten Gesundheits- und Krankenpflegerin zu unterstützen. 

Lindau – Zwei Mitarbeiterinnen, die in ihrer Heimat Serbien bzw. Bosnien-Herzegowina bereits als Krankenschwester beschäftigt waren, wurden zunächst als Pflegehelferinnen eingestellt. Nach und nach erkämpften sie sich den Sprachnachweis und die fehlenden Theorie- und Praxisteile, die für den deutschen Fachabschluss notwendig sind.

„Wer aus dem Ausland kommt und bei uns als Pflegefachkraft arbeiten will, muss vor allem drei Bedingungen erfüllen“, erklärt Klaus Höhne, Stiftungsverwalter und Leiter des Hospitals. Zunächst müsse der oder die Betreffende einen Aufenthaltstitel bekommen, dann die deutsche Sprache lernen, sprich sicher schreiben und verstehen, und als Drittes schließlich auch noch eine gewisse Berufspraxis mitbringen. Idealerweise sind das Pflegekräfte, die in ihrem Heimatland bereits eine Fachausbildung absolviert haben, beispielsweise als Krankenschwester, so Höhne.

Das trifft auch auf Ruza Tosic zu, die seit knapp einem Jahr als Gesundheits- und Krankenpflegerin im Lindauer Hospital beschäftigt ist. Die 23-Jährige, die in Deutschland geboren, aber in Bosnien-Herzegowina aufgewachsen ist, hatte in ihrer Heimat eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. Weil sie dort aber keine Arbeit fand, kam sie im Frühjahr 2015 nach Deutschland und arbeitete hier zunächst zwei Jahre als Pflegeassistentin. Von Anfang an beschäftigte sie sich mit dem Gedanken, sich zur Pflegefachkraft fortbilden zu wollen. Doch auf diesem Weg galt es, erst einmal einige Hürden zu überwinden. „Nur ein Teil meiner Ausbildung wurde von den Behörden anerkannt“, so Tosic. Auch mussten viele Dokumente, die bei der Regierung von Schwaben vorzulegen waren, ergänzt werden.

Unterlagen zur Sprachprüfung, der sogenannte B2-Schein, waren ebenso vorzuweisen wie bisherige Ausbildungen. Um alle Anforderungen zu erfüllen, absolvierte sie auch noch ein achtmonatiges Praktikum am Klinikum Friedrichshafen. Im Mai 2018 schließlich konnte sie ihre Urkunde als anerkannte Gesundheits- und Krankenpflegerin entgegennehmen.

Auch Mariana Serafimovic, die vor knapp zwei Jahren vom Hospital als Pflegeassistentin angestellt worden war, musste sich erst mal durch Formulare und Dokumente kämpfen, um als „Fachkraft nach deutschem Recht“, wie Höhne sagt, anerkannt zu werden. Die 48-Jährige hatte in Serbien eine vierjährige Ausbildung als Krankenschwester absolviert und lange Zeit als Oberschwester gearbeitet. „Das sind immerhin rund 20 Jahre Praxis“, meint sie. Während eines Besuchs bei ihrer Freundin in Bregenz habe sie Lindau kennengelernt und sich sofort in die Stadt verliebt, erzählt Serafimovic. Um ihr Berufsziel Altenpflegerin zu erreichen, hatte sie sich für den Weg der Nachqualifizierung entschieden. „Der Papierkrieg mit den Formularen, eine Wohnung zu suchen und dazu noch die Fortbildung erst mal allein zu finanzieren – das war alles ziemlich stressig, zumal ich das alles in meiner Freizeit oder in meinem Urlaub machen musste“, sagt sie rückblickend. Doch schließlich hat auch sie es geschafft: Seit Januar 2019 arbeitet Serafimovic als Gesundheits- und Krankenpflegerin im Hospital. 

Weitere Bewerberinnen

Heimleiter Höhne ist überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen. Er schwärmt geradezu Mitarbeiterinnen, die aus dem früheren Jugoslawien kommen. Sie seien „gut ausgebildet, sehr belastbar und bereit zu kämpfen – und dies mit Herz und Verstand“. Obwohl in seinem Haus nach Tarif bezahlt werde, gebe es immer weniger Menschen, die bereit sind, eine Ausbildung in der Pflege zu machen. Nach seiner Erfahrung scheuen diese nicht nur den Schichtdienst, sondern auch die körperliche und seelische Belastung, die der Pflegedienst zuweilen mit sich bringt. Daher baut er weiter auf Fachkräfte aus dem Ausland. Höhne: „Inzwischen verfügen wir durch unsere bereits angeworbenen Kräfte über ein ganzes Netzwerk vor Ort – im Klartext, in Bosnien-Herzegowina warten bereits zwei weitere Bewerberinnen auf ihre Ausreise und ihre Arbeitserlaubnis.“ 

Ob sich Höhne, der ja auch Lehrer für Pflegeberufe ist, von seinen neuen Mitarbeiterinnen pflegen lassen würde? „Gerne“, sagt er, „ich hätte vollstes Vertrauen, wie zu meinen anderen Mitarbeitern auch.“

Ulrich Stock

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