Niemals aufgeben
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21. Juni 2018
Tabea Schoch (re.) mit Therapeutin Mareike Butz beim Stehen üben Foto: privat

 Am 5. Juli 2017 änderte sich Tabea Schochs Leben: Die Trampolinsportlerin, die beim TV Weingarten trainierte und damals für die Bundesligamannschaft nominiert war, stürzte beim Training, verletzte sich an den Halswirbeln. Die Diagnose lautete: Querschnittslähmung.

Lindau – Seitdem bewegt sich die 19-Jährige mit Hilfe eines Rollstuhls fort. Mit Hilfe einer speziellen Therapie arbeitet sie derzeit daran, wieder zu stehen und sich vielleicht sogar in ihrer eigenen Wohnung auf den eigenen zwei Beinen fortzubewegen.  „Ich möchte mir jetzt die Zeit nehmen, meinen Körper an einen Punkt zu bringen, an dem ich mich wohlfühle“, erklärt die junge Frau. Das höre sich vielleicht doof an, lacht sie, aber: „Die Gesundheit geht vor“. Das hier zitierte Gespräch mit Tabea fand am Ende der zweiten Woche einer sechswöchigen Phase ihrer Rehabilitationstherapie in Pforzheim statt nach ihrem täglichen sechsstündigen Programm. „Mir hilft es auf jeden Fall, dass ich schon vorher gelernt habe, was es heißt, hart zu trainieren. Denn das hier ist ein straffes Programm mit sechs Stunden Übungen täglich“, verrät sie. Dreißig Stunden pro Woche heißt es nun, mit unterschiedlichen Übungen ihrem Körper wieder beizubringen, wie er funktioniere. „Theoretisch weiß er ja, wie das alles geht und ich spüre meine Beine auch“, erläutert sie. Daher glaube sie auch fest daran, dass die Therapie die gewünschten Erfolge bringen werde.

Vertrauen in den eigenen Körper nie verloren

„Ich habe das Vertrauen in meinen Körper komischerweise nie verloren, auch wenn ich ihn jetzt anders wahrnehme. Durch die Verletzung merke ich beispielsweise, wie viele Muskeln man für ganz einfache Bewegungen braucht“, schildert Schoch und betont nochmals: „Nur, weil etwas jetzt nicht funktioniert, heißt das ja nicht, dass es so bleiben muss.“

Nichtsdestotrotz habe der Unfall ihre beruflichen Pläne beeinflusst. Die geplante Ausbildung zur Sport- und Gymnastiklehrerin, mit der sie ihr Hobby zum Beruf machen wollte, sei gestrichen. Stattdessen wolle sie ab September ihr Abitur machen und dann studieren; Psychologie wahrscheinlich. „Ich habe gemerkt, dass einem nur bestimmte Jobs angeboten werden, wenn man im Rollstuhl sitzt: Bürokauffrau und so, was eben am leichtesten umsetzbar wäre“, begründet sie diese Entscheidung. Mit Abitur und Studium stünden ihr andere Wege offen.

Nicht nur bei der Berufswahl begegnet sie unangenehmen Reaktionen ihres Umfelds. „Über so Sprüche wie ‚Sie haben immer ihren bequemen Sitzplatz dabei!‘ kann ich ja lachen, aber es gibt auch Dinge, die da gesagt werden, bei denen ich mir nur an den Kopf fassen kann“, verrät sie. Auch sei es keine schöne Erfahrung, wenn Menschen mit ihr sprächen, als sei sie ein Kleinkind oder schwerhörig. „Für meinem Freundeskreis bin ich aber immer noch dieselbe Tabea“, räumt sie ein und betont die große Unterstützung, die sie erfahren habe. Freundschaften hätten sich seit dem Unfall bewährt und gefestigt. Nur wenige könnten mit ihrer Situation nicht umgehen. Die Spendenaktionen und Benefizkonzerte für sie, die lassen sie immer noch sprachlos werden. „Dafür fehlen mir die passenden Worte“, gibt sie zu und versucht es dann doch: „Ich bin überwältigt und überrascht, wie viele sich um mich kümmern!“ Noch mehr Positives kann sie in ihrer aktuellen Situation entdecken: Während der Reha habe sie neue Freunde gefunden. „Und ich habe gemerkt, dass Familie ganz ganz ganz wichtig ist“, ergänzt sie. Auch zu ihrer Verwandtschaft sei die Beziehung noch besser und enger geworden.

Ihr Schlusswort? „Auch wenn es platt klingt, mag ich Menschen mit meinem Beispiel Mut machen. Mut dazu, nie aufzugeben, denn das Leben ist immer lebenswert.“

Spendenkonto

Es werden weiterhin Spenden für Tabea gesammelt, für ihre Therapie und den behindertengerechten Umbau ihrer Wohnung. Mit dem Verwendungszweck „Tabea“ kommen ihr 100 Prozent der Spenden zu Gute. Wer generell verunglückte Trampolinspringer unterstützen mag, kann auch ohne Stichwort an Jump e.V. spenden und zwar an folgende Kontoverbindung:

Förderverein Jump e.V., IBAN: DE 05 401 600 500 076 863 400, Volksbank Münster.

Lena Reiner

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