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8. März 2018
Arbeiten ehrenamtlich in der Lindauer Tafel (von links): Sieglinde Hartmann, Eva Walter, Anita Rief und Dieter Weyand. Foto: Ulrich Stock

Vor 25 Jahren wurde in Berlin die erste Tafel Deutschlands gegründet. Der erste Tafelladen im Landkreis Lindau eröffnete im April 2006 in Lindau, zwei Jahre später folgte die Lindenberger Tafel. Aktuell werden in den beiden Läden pro Woche 335 Einkäufe registriert. Probleme wie in Essen gibt es nicht.

Lindau – „Auch in Zukunft: Lebensmittel retten. Menschen helfen“ lautet das Motto für das Jubiläumsjahr der Tafel Deutschland. Das war auch von Anfang an die Idee und das Ziel der Tafelläden: Überschüssige Lebensmittel, die sonst vernichtet würden, zu sammeln und diese an sozial wie auch wirtschaftlich benachteiligte Menschen zu verteilen. Damit leisten die Tafeln auch einen Beitrag für einen Ausgleich zwischen Überfluss und Mangel an Nahrung. Tatsächlich gibt es immer mehr arme Menschen in Deutschland, die trotz Sparsamkeit mit ihrem Einkommen nicht mehr auskommen. Laut Schätzungen liegt deren Zahl zwischen fünf und acht Millionen. Betroffen von dieser „Einkommensarmut“ sind vor allem Empfänger von Grundsicherung, Hartz-IV-Leistungen, Sozialhilfe und kleinen Renten, häufig auch Alleinerziehende und Berufstätige mit geringem Einkommen, weiß Harald Thomas, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Lindau, der auch Träger der Tafelläden in Lindau (Freihofstraße 5) und Lindenberg (Weinstraße 1) ist.

Anlass für die Gründung der beiden Tafeln sei die „Erkenntnis aus der Sozialberatung gewesen, dass strukturelle Hilfe notwendig ist“, erinnert sich Thomas im Gespräch mit dem WOCHENBLATT. Auch wenn bei dieser Hilfe „Freiwilligkeit“ das oberste Prinzip bleiben müsse, sieht er gesamtpolitisch betrachtet auch staatliche Institutionen gefordert. „Manche Systeme werden hier entlastet, die eigentlich in der Pflicht wären“, so Thomas. „Wir stellen vermehrt Altersarmut fest, vor allem bei Frauen“, berichtet der Caritas-Mann von aktuellen Erfahrungen in der Sozialberatung. Auch die Zahl der Alleinerziehenden, die Hilfe suchen, sei nach wie vor hoch. Andererseits seien in letzter Zeit weniger junge Leute unter den Klienten, was wohl auch der guten Konjunktur geschuldet sei, vermutet Thomas.

In der Tafel werden Brot, Gemüse, Obst, Milch, Wurst, Käse und viele andere Lebensmittel zu einem Fünftel des Preises verkauft, der in „normalen“ Geschäften üblich ist. Wer in den Tafelläden einkaufen will, benötigt einen Ausweis, der von der Caritas ausgestellt wird und ein Jahr gültig ist. Den Ausweis erhält nur, wer ein bestimmtes Einkommen nicht übersteigt. Für eine alleinstehende Person gelten 900 Euro als Einkommensgrenze, für jede weitere Person werden 450 Euro angerechnet. Laut Thomas besitzen zurzeit rund 450 Menschen aus dem Landkreis einen solchen Einkaufsausweis – 250 für die Lindauer und 200 für die Lindenberger Tafel. Pro Woche werden in den beiden Läden im Schnitt 335 Einkäufe gezählt. Ein Drittel der Kunden sind Familien und Alleinerziehende, ein weiteres Drittel Alleinstehende und das restliche Drittel sind Rentner. Damit der Laden läuft, sind in den beiden Städten über 120 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Einsatz. Dazu kommen noch einige Fahrer, die teils ehrenamtlich, teils angestellt (z.B. als 1-Euro-Jobber) arbeiten.

Essen ist ein Sonderfall

Probleme wie bei der Essener Tafel gibt es im Landkreis nicht, betont Thomas. Zwar seien unter den Kunden, insbesondere während der Flüchtlingswelle, ebenfalls „Drängeleien“ beobachtet worden. Doch mit entsprechenden Maßnahmen wie „in der Reihe anstellen“ und „Nummer ziehen“ habe man dies relativ schnell in den Griff gekriegt. Thomas: „Außerdem haben wir ganz viele Stammkunden, die bringen da Ruhe rein.“ Mit zirka 6 000 Kunden und einem Ausländeranteil von 75 Prozent sei Essen ein Sonderfall und mit den meisten der rund 950 Tafeln in Deutschland nicht vergleichbar, meint Thomas. Im Lindauer Tafelladen liege der Anteil der Kunden mit Migrationshintergrund bei rund 43 Prozent, am Lindenberger Standort seien es etwa 60 Prozent.

ust

Infos unter www.caritas-lindau.de oder 08382/750010

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