Mathe Abitur 2019 - Schüler sind entsetzt: Die Aufgaben waren zu schwer
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9. Mai 2019
Die Aufgaben waren einfach zum Verzweifeln: Jetzt stellen Schüler das bayerische „Qualitätsabitur“ in Frage Foto: Adobe

Die bayerischen Abiturienten haben eine Petition gestartet. Der Grund: Das diesjährige Matheabi war in ihren Augen zu schwer. Jetzt kündigt Kultusminister Michael Piazolo eine Überprüfung der Aufgaben an.

Region – Für rund 37 000 bayerische Abiturienten läutete am vergangenen Freitag die Stunde der Wahrheit, denn mit der Mathematik-Prüfung begann das Abitur 2019. Doch nach dieser ersten Prüfung herrschten große Sorge und Verzweiflung, wie zahlreiche Schüler im Nachhinein berichten.

„Es wird ein ernüchterndes Ergebnis und das trotz intensiver Vorbereitungen“, prophezeit Abiturientin Alina. Während der Aufgabenbereich Analysis noch angemessen gewesen sei, seien die beiden letzten Prüfungsteile Geometrie und Stochastik so schwer gewesen, wie in keiner der vergangenen Abiturprüfungen. Das wollen die Schüler nicht auf sich sitzen lassen. Schnell entschlossen starten sie eine Petition an das bayerische Kultusministerium mit der Bitte, den Notenschlüssel des Mathematik-Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen. Kaum gestartet, zeigt die Petition Erfolg. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo kündigt eine Überprüfung der Aufgaben an.

Insgesamt 63 000 Menschen haben die Petition bis jetzt unterzeichnet – darunter auch viele Eltern sowie einige Lehrer. Daraufhin hat die Lehrergewerkschaft GEW das Kultusministerium umgehend um eine Überprüfung der Aufgaben gebeten. „Im Fall zahlreicher Beschwerden muss sich eine Fachkomission noch einmal mit den Aufgaben befassen. Kommt diese zum Ergebnis, dass sie zu schwer waren, gibt es nur eine faire Lösung: Die Bewertung muss großzügiger ausfallen“, sagte eine Vorstandssprecherin der Lehrergewerkschaft GEW in einem Interview mit Antenne Bayern.

Diese Kritik weist Kultusminister Piazolo vehement zurück. Den Experten im bayerischen Kultusministerium liegen die Aufgaben vor und diese sehen keine außergewöhnliche Schwierigkeit, heißt es von Seiten des Ministers. Trotzdem nimmt das Kultusministerium die Petition  ernst und verspricht eine Überprüfung der Abituraufgaben. Bis Ende der Woche soll dann ein erstes Ergebnis vorgelegt werden.

Bayerisches Schulsystem ungerecht?

Doch in der ganzen Diskussion ums Mathe-Abi schwingt eigentlich ein ganz anderes Thema mit. Das eigentliche Problem, sind sich viele Schüler einig, sei das bayerische Schulsystem in seiner Gesamtheit. So müssten die bayerischen Schüler ständig das Gefühl von Ungerechtigkeit herunterschlucken. Denn in manchen Bundesländern ist eine Abiturprüfung im Fach Mathematik gar nicht notwendig, in anderen wiederum gibt es andere Aufgabenpools sowie eine größere Wahlmöglichkeit für die Schüler selbst, welche Aufgabenstellungen sie bewältigen möchten. Auch regelmäßig unangekündigte Hausaufgabenprüfungen und eine wissenschaftlich fundierte Facharbeit in der Oberstufe sind nur in Bayern üblich.

Ein Qualitätsabitur wie kein anderes

Betrachtet man dies, müssen die Worte des Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbandes (bvp), Michael Schwägerl, wie blanker Hohn  in den Ohren der Schüler klingen. Schwälgel meint nämlich: „Sieht man sich die Ergebnisse der letzten Abiturprüfungen an, so erkennt man, dass sich die Durchschnitte nur um wenige Hundertstelnoten voneinander unterscheiden. Insofern ist die Einschätzung der Petition, dass es in den letzten Jahren starke Schwankungen gab, schlichtweg falsch. Es ist deswegen auch nicht angebracht, über das Niveau des Abiturs zu diskutieren. Wir sind zurecht stolz auf den hohen Anspruch des bayerischen Abiturs.“

Doch, das bayerische Abitur im Nachhinein als „Qualitätsabitur“ zu bezeichnen, sehen die betroffenen Schüler als lächerlich an, denn an den Universitäten würden sie deshalb schließlich nicht bevorzugt werden. Im Gegenteil, hier sind die Abiturienten aus anderen Bundesländer klar im Vorteil, weil sie die gewünschten Numeri Clausi leichter erreichen können. 

Auch Thomas Gehring, Sprecher für Lehrkräfte und grüner Vizepräsident, mahnt: „Unabhängig vom Ergebnis der Überprüfung der Abituraufgaben müssen wir daran arbeiten, dass in allen Bundesländern vergleichbare Anforderungen und Bewertungen des Abiturs sichergestellt werden. Denn nur so ist der bei der Studienplatzvergabe so wichtige Numerus Clausus auch vergleichbar. Es hilft unseren Abiturienten nicht, wenn sie ein sogenanntes „Qualitätsabitur“ in der Tasche haben, aber den gewünschten Studienplatz nicht bekommen, weil Studienanfänger aus anderen Bundesländern leichter den Numerus Clausus erreichen können.“

Lehrkräfte brauchen jetzt Rückendeckung

Es wird sich zeigen, welche Kreise die aktuell losgetretene Debatte ziehen wird. Schwälgel lässt sich davon jedenfalls noch nicht aus der Ruhe bringen. „Hadert nicht mit der Matheprüfung. Konzentriert euch jetzt voll auf die anstehenden Aufgaben und weiteren Prüfungen und wartet dann das Ergebnis ab“, beschwichtigt er den Aufruhr. Und an die Politik appelliert er: „Was die Lehrkräfte brauchen, ist Rückendeckung, auch vonseiten der Politik. Die Schüler wurden von uns bestmöglich auf das Abitur vorbereitet und jetzt heißt es die Arbeiten (zumeist am Wochende oder abends) zu korrigieren.“

Eva Heine

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