Keine Sicherheit im Wasser - Mehrere Badeunfälle in hiesigen Badeseen fordern Todesopfer

13. Juni 2019
Badeunfälle in der Region häufen sich Foto: Unsplash

Die Badesaison beginnt in Bayern mit schweren Badeunfällen. Mindestens drei Männer sind in der vergangenen Woche beim Baden gestorben. Weitere Männer werden vermisst. Dass sie noch lebend gefunden werden, ist unwahrscheinlich. Auch die Wasserwacht Lindau warnt vor dem Baden in offenen Gewässern.

Lindau – Die hochsommerlichen Temperaturen locken seit vergangener Woche zahlreiche Badebegeisterte an die Baggerseen, Flüsse und Gewässer der Region. Doch kaum hat die Badesaison begonnen, haben sich bereits mehrere tragische Badunfälle ereignet. Das mysteriöse daran: In den meisten Fällen sind die Verunglückten nach nur wenigen Schwimmzügen im frischen Gewässer plötzlich auf unerklärliche Weise untergegangen und ertrunken. So ist laut Polizei im Landkreis Donau-Ries ein 20-Jähriger beim Schwimmen in einem Baggersee mit einem Mal untergegangen. Eine Augenzeugin verständigte die Rettungskräfte. Nach knapp einer Stunde haben Taucher den Mann in einer Tiefe von etwa fünf Metern leblos gefunden. Er konnte zunächst wiederbelebt werden, starb jedoch wenig später in einer Klinik. Weshalb der Schwimmer untergegangen ist, bleibt unklar.

Im Neufahrner Mühlsee hat sich ein ähnlich dramatischer Unfall ereignet. Dort wollte ein 19-Jähriger mit seinem Arbeitskollegen zu einer Insel in der Mitte des Sees schwimmen. Plötzlich ging er unter. Sein Arbeitskollege musste dem hilfl os zusehen. Taucher der Wasserwacht haben den jungen Mann wohl eine halbe Stunde nach dem Zwischenfall geborgen. Doch wenig später ist er im Krankenhaus gestorben. Auch in diesem Fall ist völlig unklar, warum der Mann untergegangen ist.

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Wasserwacht Bayern, Ingo Roeske, hat dafür nur eine Erklärung. Roeske ist sich sicher, dass vor allem starke Strömungen und kalte Wassertemperaturen für die jüngsten Unglücksfälle verantwortlich sind. Und das langersehnte sommerliche Wetter nach dem Hochwasser habe diese zusätzlich begünstigt.

Wasserwacht Lindau warnt

Diese Aussage kann Matthias Müller, Technischer Leiter der Ortsgruppe und stellvertretender Technischer Leiter der Kreiswasserwacht Lindau, nur unterstreichen: „Die Ursachen für Badeunfälle können mannigfaltig sein. So können gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Versagen oder Schlaganfall natürlich auch im Wasser auftreten und dort zum sofortigen Versinken führen. Wegen des kalten Vormonats ist zudem das Wasser noch kalt. Seen, Weiher und Flüsse bergen so durchaus die Gefahr einer Unterkühlung. Im kalten Wasser ermüdet zudem die Muskulatur schneller. Durch die zuletzt heftigen Niederschläge und Schmelzwasser führen etliche Flüsse immer noch viel Wasser, was zu hohen Strömungsgeschwindigkeiten führt; dadurch sind die Gefahren durch Strudel und Wehre verstärkt.“ Hinzu käme, dass die Fließgewässer jede Menge Äste, Baumstämme und anderes Treibgut mitbringen würden. Diese Gefahren lauern oftmals nicht sichtbar unterhalb der derzeit meist trüben Wasseroberfl äche. „Generell sollten sich Badende nicht überschätzen, sondern rechtzeitig das Wasser verlassen oder Gefahrenstellen gänzlich meiden“, betont Müller.

Im Notfall richtig handeln

Passiert dann doch ein Unglück, ist man als Augenzeuge der Situation oft hilfl os ausgeliefert. Hier rät die Wasserwacht Lindau im Notfall schnell zu handeln. „Wer eine Person im Wasser sieht, die zu ertrinken droht, sollte laut um Hilfe rufen; sofern vorhanden, die Badeaufsicht informieren und einen Notruf absetzen. Die betroffene Person nie aus den Augen lassen. Ist ein Rettungsring vorhanden, sollte man diesen vom sicheren Standort ins Wasser werfen. Bei starker Strömung nur vom Ufer aus helfen. Auch Kanister, Bojen, Bretter/ Stöcke oder Leinen können Leben retten. Idealerweise werden diese Gegenstände auch in stehenden Gewässern nur zugeworfen. Muss man zur Rettung selbst ins Wasser, sollte man unbedingt solche Rettungshilfsmittel mitführen, damit man von der verunfallten Person nicht umklammert und selbst in Gefahr gebracht wird“, erklärt der Technische Leiter der Wasserwacht Lindau eindringlich.

Für die Rettungskräfte der Wasserwacht ist es außerdem enorm wichtig, mit Hilfe von Fixpunkten möglichst genau über die Position des Badeunfalls informiert zu sein. Denn „gerade an großen Gewässern wie dem Bodensee ist eine Kreuzpeilung durch zwei Personen ausgesprochen hilfreich. Im Eistobel oder der Hausbachklamm in Weiler beispielsweise gibt es Markierungs- und Wegpunkte, welche helfen, auf schnellstem Weg zum Verunfallten zu kommen“, so Müller.

Im Landkreis Lindau sind in diesem Jahr glücklicherweise noch keine gravierenden Badeunfälle zu verzeichnen. Die aktuellen Polizeiberichte zeigen jedoch, dass generell beim Schwimmen in offenen Gewässern Vorsicht geboten ist.

Generelle Tipps der Wasserwacht Lindau zum Baden in offenen Gewässern:

Wichtig wie eh und je – für Erwachsene und Kinder – sind die Baderegeln: Niemals alleine ins Wasser gehen; vorher abkühlen; nie mit vollem Magen oder unter Alkoholeinfl uss baden; andere nicht schubsen oder untertauchen; nie in unbekanntes oder trübes Gewässer springen; Absperrungen und Bojen beachten; Booten nicht zu nah kommen; innerhalb gekennzeichneter Flächen schwimmen. Aktuell stellen die großen Treiholzfelder am Bodensee eine ernste Quetsch- und Verletzungsgefahr für Schwimmer dar und sollten daher gemieden werden. Kleinkinder sollten am und im Wasser nie aus den Augen gelassen werden, auch nicht, wenn Rettungsschwimmer vor Ort sind. Schwimmfl ügel reichen nicht, um die Kinder allein schwimmen zu lassen – vor allem nicht im Freigewässer

Eva Heine

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