Bürgerbegehren läuft an

29. Januar 2019
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Xaver Fichtl Foto: Privat

Am heutigen Donnerstag, 31. Januar, wenn diese Ausgabe des Wochenblatts herauskommt, beginnt für die Organisatoren des Bürgerbegehrens „Artenvielfalt – rettet die Bienen“ eine zwei wöchige, entscheidende Frist. Für Mitorganisator Xaver Franzl und seine Mitstreiter gilt es nun alle die Menschen zu informieren und zu begeistern, die nicht durch die ersten Aktionen erreicht wurden.

Landkreis – Bereits Albert Einstein soll gesagt haben: „: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ Und nach Ansicht der Organisatoren steht dieser Moment angesichts des in den vergangenen Jahren ungebremsten Aussterben von Bienenvölkern zeitnah bevor. Daher wollen die Organisatoren der Aktion erreichen, dass zehn Prozent der bayerischen Wahlberechtigten, knapp eine Million Menschen, vom 31. Januar bis 13. Februar mit ihrem Ausweis in ihr Rathaus oder ihre Gemeindeverwaltung gehen und sich dort eintragen und das Volksbegehren unterstützen.

Über die Rahmenbedingungen des Bürgerentscheids „Artenvielfalt - Rettet die Bienen“, deren Hintergründe und Ablauf sprach Mitinitiator Xaver Fichtl mit dem WOCHENBLATT.

Wie beurteilen Sie die Auftaktveranstaltung und mit welchem Gefühl gehen Sie jetzt in die entscheidenden kommenden Wochen?

Den Auftakt bildete die Gründung des Aktionsbündnisses für das Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ am 17. Dezember in Mellatz, zu der die ÖDP und der Bund Naturschutz im Kreisverband Lindau eingeladen hatten. Dem Bündnis haben sich die Parteien Bündnis 90/Die Grünen, die Bunte Liste Lindau, die LINKE und die SPD und die Naturverbände bzw. -vereine Landesbund für Vogelschutz, die Naturfreunde Scheidegg und Imkervereine angeschlossen. Bei diesem sehr ermutigenden Start wurden die ersten Projekte besprochen und organisiert wie die Bestellung und Verteilung der Plakate und Flyer, die weiteren Treffen des Aktionsbündnis am 8. Januar in Lindenberg und am 25. Januar in Lindau sowie die Planung zweier Vorträge. Der erste Vortrag von Dr. Andreas Segerer mit dem Titel „Retten wir die Insekten und die Artenvielfalt - und damit uns selbst!" am 23. Januar in Lindenberg fand 50 beeindruckte und begeisterte Zuhörer, ebenso der zweite Vortrag am 29. Januar in Rehlings bei Lindau von Marcus Haseitl unter dem Titel „Bunt und summt - artenreich vom Garten bis zum Straßenrand“. All dies gibt mir ein gutes Gefühl, die Sache läuft, aber trotzdem ist es noch nicht gelaufen, denn 10 Prozent der Wahlberechtigten, das sind eine Million Bürgerinnen und Bürger in Bayern, müssen sich mit Ausweis in ihr Rathaus bzw. in ihre Gemeindeverwaltung begeben und auf vorbereiteten Listen unterschreiben. Dies ist zu schaffen, die ÖDP hat mittels Volksbegehren die Abschaffung des Senats, die Streichung von Atomkraftstandorten und den konsequenten Nichtraucherschutz erreicht. Es gibt aber auch Volksbegehren, die es nicht geschafft haben.

Welche Aufgaben/Aktionen stehen jetzt als nächstes an?

Heute, am 31. Januar, wenn diese Ausgabe des Wochenblatts herauskommt, ist der erste Tag der zweiwöchigen Einschreibefrist. Die amtlichen Hinweise zum Volksbegehren, insbesondere die Eintragungszeiten der Gemeinden, sind in deren Amtsblättern und Homepages veröffentlicht, Zeitungsartikel und Berichte geschrieben und erschienen, Plakate, Flyer,  und in der Stadt Lindau die Benachrichtigungskarten für fast alle Haushalte verteilt. Das heißt, die wesentlichen Informationen sind draußen, viele, aber nicht alle, sind informiert. Jetzt gilt es noch durch weitere Medienarbeit, durch sogenannte Rathauslotsen und Infostände, durch Gespräche mit Familie, Freunden und Nachbarn möglichst viele Wählerinnen und Wähler zu motivieren, zur Gemeinde zu gehen und sich einzutragen. Ausweis nicht vergessen! Und in zwei Wochen können wir - hoffentlich - einen wichtigen Schritt zum besten Naturschutzgesetz in Deutschland und für Maßnahmen zur Rettung der Bienen, der Insekten und der Artenvielfalt insgesamt feiern.

Warum ist Ihnen die Thematik so wichtig?

Beim Erhalt der Artenvielfalt geht es um unsere Lebensgrundlagen. Schon Albert Einstein soll 1949 gesagt haben: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ Dr. Andreas Segerer führte in seinem Vortrag eindrucksvoll aus, dass das Verschwinden der Insekten noch viele weitere Auswirkungen hat, z.B. bilden die Insekten auch eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere Kleintiere. Ihr Verschwinden zeigt an, dass es um den Zustand unserer Umwelt erschreckend schlecht bestellt ist. Dabei sind die Ursachen und Verursacher schon seit langem beschrieben und man könnte grundsätzlich etwas tun, um das Eintreten einer ökologischen Katastrophe zu verhindern. Die „Krefeld-Studie“, so Dr. Andreas Segerer, belegt eine Abnahme der Insekten - berechnet als reine Biomasse - von über 76% in einem Zeitraum von nur 27 Jahren. Ein dafür allen AutofahrerInnen bestens bekanntes Indiz ist auch, dass im Vergleich zu vor 20 Jahren heute nach einer langen Autofahrt kaum noch tote Insekten an der Windschutzscheibe kleben.

Die „Roten Listen“ der bedrohten und aussterbenden Arten werden jedes Jahr deutlich länger, betonte Dr. Segerer weiter. So hat die Anzahl an Schmetterlingen in den letzten 50 Jahren um etwa 80 bis 90% abgenommen. Dabei verläuft die Geschwindigkeit der Abnahme von Schmetterlingsarten und der Häufigkeit ihrer Individuen immer schneller. So hat eine „Volkszählung“ von Schmetterlingen einen seit 1990 drei mal höheren Schwund als in den 200 Jahren davor ergeben. Aufgrund dieser Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen sind Schmetterlinge gute „Bioindikatoren“; aktuell zeigen sie an, dass etwa zwei Drittel unserer Biotope gefährdet sind.

Insgesamt geht es um die Rettung einer ökologischen Umwelt, der biologischen Landwirtschaft, der Zukunft unserer Natur, oder anders formuliert um die Rettung der Schöpfung und um unsere Gesundheit. Deshalb ist mir wie sehr vielen Mitstreitern die Thematik wichtig, sie sollte allen Menschen wichtig sein.

Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass die Lindauer ÖDP am Samstag, 2.2., von 10 – 12 Uhr einen Sonderfahrdienst zur Eintragung beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in der Stadtverwaltung anbietet. Ältere Menschen, die keine andere Möglichkeit haben, werden kostenlos abgeholt und wieder nach Hause gefahren. Anmeldungen können schon am Vortag unter der Telefonnummer: 08382-942939 erfolgen.

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