Entscheidung im Herbst
Empfehlung

23. August 2018
Das Hoyerbergschlössle steht seit 2012 leer und soll verkauft werden. Die Stadt stellt sich eine öffentliche Nutzung vor Ulrich Stock

Nach der nunmehr vierten Ausschreibung sollen Finanzausschuss und Stadtrat im Oktober über das Schicksal der denkmalgeschützten Immobilie entscheiden. Die Stadt sagt, eine Erbpacht-Lösung lasse sich nicht realisieren, und will deshalb verkaufen. Seit Ende 2012 steht das Hoyerbergschlössle, das weithin sichtbar über Lindau thront, leer. Die Stadt als Eigentümerin hat seither mehrere Anläufe unternommen, einen Käufer für die Immobilie zu finden, der das Objekt nicht nur saniert, sondern möglichst auch einer öffentlichen Nutzung zuführt. Um letztere zu gewährleisten, wurde bei der letzten Ausschreibung, die auf Ende Juli 2017 befristet war, alternativ zum Kauf auch eine Vergabe nach dem Erbbaurecht angeboten. „Wir stehen derzeit mit mehreren Interessenten in Verhandlungen und hoffen, bis Herbst eine Entscheidung treffen zu können“, erklärte der Pressesprecher der Stadt, Jürgen Widmer, gegenüber dem WOCHENBLATT. Und weiter: „Momentan reden wir über Verkauf. Eine Erbpacht-Lösung lässt sich nicht realisieren, obwohl uns eine solche natürlich am liebsten wäre.“ Ziel sei aber nach wie vor, eine öffentliche Nutzung zu erreichen. In diesem Zusammenhang gebe es auch Gespräche mit dem Landratsamt, sagte Widmer, ohne auf deren Inhalt einzugehen. Dabei gehe es wohl vor allem um die Parkplatzsituation rund um das Kulturdenkmal, wie Peter Borel, Sprecher der Bürgerinitiative „Hände weg vom Hoyerbergschlössle“, meint. Die würde eine Nutzung als Café oder Eventlocation, wie von einigen Interessenten beabsichtigt, erheblich erschweren. Hier müsste das Landratsamt als Aufsichtsbehörde für das Landschaftsschutzgebiet rund um das Schlössle Ausnahmegenehmigungen erteilen. Das eigentliche Problem liege jedoch in den Bedingungen, welche die Stadt den Investoren stelle. Mit einem Mindestkaufpreis von zwei Millionen Euro, Sanierungskosten von mindestens einer Million Euro und einem Erbpachtzins von mindestens 45 000 Euro pro Jahr sei die Hürde einfach zu hoch. Deshalb müsse die Stadt potenziellen Investoren wenigstens bei der Erbpacht entgegenkommen, fordert Borel, der sich nach wie vor für eine öffentliche Nutzung des Hoyerbergschlössle ausspricht. Tatsächlich sei die Ausschreibung so konzipiert, dass sich das für einen Investor nicht rechnet, betont ein ehemaliger Interessent, der anonym bleiben will. Mit den Sanierungskosten und einer zusätzlichen Pacht von rund 4 000 Euro sei das Angebot schlichtweg unethisch. Ohnehin lasse eine öffentliche Nutzung viele Fragen offen. Bei einer Kombination von Verkauf und öffentlicher Nutzung seien Schlupflöcher möglich. Wer könne verhindern, dass ein Investor etwa eine Zeitlang ein Café betreibt, dann sagt, dass sich das nicht rechnet, und die Immobilie gewinnbringend an einen Privaten veräußert. Unterdessen ist aus Lindauer Kreisen zu hören, dass auch Schönheitschirurg Werner Mang an einem Kauf der Immobilie interessiert sein soll. Interessiert ist auch eine Gruppe von Lindauer Winzern. Eine Entscheidung, welches Angebot den Zuschlag erhalten wird, soll der Finanzausschuss in seiner nächsten Sitzung am 9. Oktober treffen. Vermutlich muss dieser Beschluss in der Stadtratssitzung am 24. Oktober abgesegnet werden. Auch dürfte die Thematik in beiden Fällen erneut nichtöffentlich behandelt werden. 

Ulrich Stock

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