Das gibt noch richtig Ärger - Ex-Chef der Stadtwerke wehrt sich gegen seine fristlose Entlassung

Das gibt noch richtig Ärger - Ex-Chef der Stadtwerke wehrt sich gegen seine fristlose Entlassung
Thomas Gläßer bei der Präsentation der Stadtwerke-Bilanz im Juli dieses Jahres. Trotz erfolgreicher Zahlen hat sich das Unternehmen von ihm getrennt – weil es wohl an anderer Stelle nicht stimmte Foto: U. Stock
20. November 2019

Der ehemalige Geschäftsführer der Lindauer Stadtwerke, Thomas Gläßer, will seine Abberufung und die fristlose Kündigung nicht hinnehmen. Über seinen Anwalt fordert er die Erfüllung aller Ansprüche, die sich aus dem bis Ende 2023 abgeschlossenen Dienstvertrag ergeben. Die Stadtwerke halten dagegen und sprechen von „erheblichen Pflichtverstößen“ Gläßers.

Lindau – Vor knapp zwei Monaten, am 25. September, wurde Stadtwerke-Chef Thomas Gläßer von seinem Posten „mit sofortiger Wirkung abberufen und vom Dienst freigestellt“. Wenige Tage später erfolgte eine fristlose Kündigung des Dienstvertrages durch die Stadtwerke Lindau Verwaltungs GmbH (SWL GmbH), weil Thomas Gläßer offenbar nicht bereit war, einer einvernehmlichen Aufhebungsvereinbarung mit vorzeitigem Vertragsende 31.12.2019 zuzustimmen.

Dies geht aus den Schriftsätzen der Anwälte beider Vertragsparteien hervor, die dem WOCHENBLATT vorliegen. Unter dem Dach der SWL GmbH, deren Gesellschafterin wiederum die Stadt ist, sind alle übrigen Stadtwerke-Unternehmen angesiedelt – Aufsichtsratsvorsitzender ist jeweils Oberbürgermeister Gerhard Ecker, der damit auch Vorgesetzter Gläßers ist. Rechtlich vertreten werden die Stadtwerke, genauer gesagt die SWL GmbH, durch Uwe Birk, Fachanwalt für Arbeitsrecht, der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt. Gläßers Interessen wiederum werden durch Rechtsanwalt Georg Kalenbach wahrgenommen, der zu einer auf Arbeitsrecht spezialisierten Kanzlei mit insgesamt 22 Anwälten in Hamburg gehört. 

Letzterer hat am 25. Oktober in einem Schreiben an OB Ecker sämtliche gegen seinen Mandanten erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und für nicht zutreffend erklärt. Die fristlose Kündigung sei daher „unwirksam“ und alle sich daraus ergebenden „Ansprüche bis zur Beendigung des Dienstverhältnisses am 31. Dezember 2023“ müssten ordnungsgemäß erfüllt werden.LuxussanierungRechtsanwalt Birk geht in seiner Erwiderung vom 31. Oktober auf über 17 Seiten sehr detailliert auf die Gründe ein, die zur einseitigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses geführt haben.

Dabei geht es um insgesamt fünf „Sachverhaltskomplexe“, die eine Dienstwohnung auf dem Gelände des Seepumpwerks in Nonnenhorn betreffen, des Weiteren die Beauftragung eines Beraters, die Nutzung eines Dienstfahrzeuges, die Abrechnung eines Geschäftsessens ebenso wie die Bewirtung beim Lindau Oktoberfest. Ecker hatte in diesen Bereichen offenbar Vorgänge festgestellt, die er – wie im WOCHENBLATT bereits berichtet – in der Personalversammlung der Stadtwerke Ende September ungefähr so zusammenfasste: Der Stadtwerke-Chef habe „Privates und Geschäftliches nicht sauber getrennt“.

Die Vorwürfe im Einzelnen: Gläßer habe vor Übernahme der erwähnten Dienstwohnung diese „eigenmächtig“ für seine Bedürfnisse mit einem „völlig unverhältnismäßigen Geldaufwand“ umbauen lassen, und sich obendrein noch „einen zu niedrigen Mietzins verschafft“. Außerdem habe er diese Wohnung auch noch unentgeltlich von einer Putzfrau der Stadtwerke reinigen lassen. Freunderlwirtschaft?Eine unzureichende Dokumentation und Abrechnung im Zusammenhang mit der Beauftragung eines mit Gläßer befreundeten Beraters erwähnt Birk ebenso in seinem Schreiben wie die Nutzung eines Dienstfahrzeuges aus dem Fahrzeugpool der Stadtwerke, welches Gläßer angeblich nur für sich reservieren ließ. Angeführt sind auch eine Reihe von fragwürdigen Einträgen im Fahrtenbuch. 

Weitere Verfehlungen sieht Birk bei einem Geschäftsessen mit dem Chef der Firma Trianel, das nicht nur zu teuer war, sondern auch an eine „konkrete Geschäftsentscheidung“ gekoppelt war. Ebenso wenig in Ordnung seien diverse Bewirtungen auf dem Lindauer Oktoberfest in den vergangenen drei Jahren gewesen, bei denen Gläßer unter anderem „an der Champagner-Bar Getränke spendierte“. Dabei seien auch Gäste bewirtet worden, „mit denen die Stadtwerke in keinerlei Beziehung stehen“.

Des Weiteren seien auf den Belegen Personen aufgetaucht, die nach deren eigenen Angaben gar nicht bewirtet wurden.  Zusammenfassend schreibt Birk, dass Gläßer „in vielfältiger und massiver Weise gegen seine Pflichten aus dem Dienstvertrag verstoßen“ habe. Für die Stadtwerke macht er Schadenersatzansprüche in Höhe von rund 47 000 Euro geltend. Dazu kämen noch hohe Forderungen im Zusammenhang mit der Beauftragung des Beraters.

Gleichzeitig macht Birk klar, dass man sich auch eine „einvernehmliche Regelung“ vorstellen kann.Tatsächlich könnte ein solcher Kompromiss die Stadtwerke teuer zu stehen. Schließlich wurde der Vertrag Gläßers aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit, sprich guter Bilanzzahlen, vor gut einem Jahr vorzeitig bis Ende 2023 verlängert, womit der ehemalige Stadtwerke-Chef rein theoretisch Anspruch auf vier Jahresgehälter in Höhe von jeweils 225 000 Euro (brutto) hätte.

Eine knappe Million wird es sicher nicht werden, aber sechsstellig auf jeden Fall. Das hängt auch davon ab, ob der Fall beim Arbeitsgericht landet oder ob sich die beiden Parteien einvernehmlich einigen können.Anzeige erstattetPikantes Detail am Rande: Dem Vernehmen nach wurde in derselben Angelegenheit von dritter Seite Anzeige gegen Gläßer erstattet, und zwar wegen Untreue.

Somit könnte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleiten – später aber auch wieder einstellen, falls sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen sollten. Das muss allerdings noch abgewartet werden, zumal bis Dienstag bei der Staatsanwaltschaft in Kempten noch nichts vorlag, wie die Pressestelle auf Nachfrage erklärte.

Ulrich Stock

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