Ziemlich riskant: aus dem Zeppelin ab auf den Berg

Ziemlich riskant: aus dem Zeppelin ab auf den Berg
Geschafft! In spektakulärer Kulisse ging es bergab für die Männer Foto: Mirja Geh
5. April 2019

Diese Aktion im Brandnertal hat Wellen geschlagen. Die drei Freeskier Fabi Lentsch, Stefan Ager und Andreas Gumpenberger haben ein Luftschiff herausgefordert: sie ließen sich aus einem Zeppelin auf den 2233 Meter hohen „kleinen Valkastiel“ abseilen, um diesen auf ihren Skiern hinunter zu brettern.

Friedrichshafen – Das hat sich bislang noch keiner getraut. Aus einem Helikopter auf einen Berg abgeseilt zu werden, von so etwas hat man wohl schon einmal gehört. Aber mit einem 75 Meter langen Luftschiff den Weg zum Berg anzutreten, darauf ist vor Fabi Lentsch, Stefan Ager und Andreas Gumpenberger noch niemand gekommen. 

Das Knifflige: Zeppeline sind für eine solche Höhe gar nicht ausgelegt. Für das Projekt musste das gigantische Luftfahrzeug sogar umgebaut werden. 2300 Höhenmeter galt es zu erreichen, um zu gewährleisten, dass die Männer sicher abgeseilt werden konnten. Die Planung und Vorbereitung für den gewagten Stunt war aufwendig und zeitraubend, doch am Ende hat alles nach Plan funktioniert und die drei Sportler kamen unversehrt auf dem Berg an.

Dort ging das Spektakel in die zweite Runde. Red Bull ist dafür bekannt, Sportler in absoluten Ausnahmesituationen auf Band zu haben. So auch in diesem Fall. Beim Abseilen und der darauf folgenden, rasanten Abfahrt wurden die drei Freeskier durchgehend gefilmt. Am Ende ergaben sich spektakuläre Szenen. 

Das Video der Jungs kommt im Umland ganz schön an: mehr als 480 Fernsehsender berichteten über die außergwöhnliche Skifahrt. Auch der Clip im Internet erfreut sich riesiger Beliebtheit: bereits 138 Tausend stolze Klicks zählt das Video auf der Plattform Youtube. Unsere Volontärin Laura Hummler wollte von Andreas Gumpenberger und Stefan Ager alles über ihr außergewöhnliches Projekt wissen.

 

Ihr könnt ja offensichtlich alle ziemlich gut Skifahren. Seit wann steht ihr auf den Brettern? Ist Skifahren euer Hauptberuf?

Andreas: Im Skisport waren wir schon von klein auf unterwegs, Stefan ist mit den Skiern und ich mit dem Snowboard großgeworden.

Stefan: So richtig angefangen hat alles mit dem Rennen fahren. Dann kam Freestyle dazu, dann Free-Riding und viele Contests im Bereich Profiwettkampfsport.

Andreas: Wir haben beide Sport und Wirtschaft in Innsbruck studiert und zu der Zeit schon Ski-Filme gedreht, damals auf Low-Budget. Nach und nach haben wir das dann in eine professionelle Schiene geleitet und uns immer neue Ideen überlegt. So kamen mit der Zeit auch Sponsoren dazu. Und irgendwann kam dann Zeppelin-Skiing.

Wie kam dann die Zusammenarbeit mit Red Bull zustande?

Andreas: Das war ein kleiner Prozess. Wir kannten schon Leute aus dem Team von einem anderen Projekt und wussten schon genau, wem wir unsere Idee vorstellen müssen. Aber bei Red Bull ist man mit so einer Idee natürlich immer willkommen. Schwieriger war eher, beim Zeppelinmuseum anzufragen, weil einfach viel Geld dahinter steckt, viele physikalische Berechnungen und die Flugsicherheit muss selbstverständlich auch immer gegeben sein. Bis auch noch alle Genehmigungen eingeholt waren, sind eineinhalb Jahre vergangen.

Was gab es bei der Planung alles zu beachten?

Andreas: Da war einerseits der filmtechnische Aspekt. Es gab zu bedenken, zu welcher Tageszeit das Licht am günstigsten einfällt. Oder große Werbung auf dem Zeppelin hätte auf den Aufnahmen nicht gut gewirkt, daher mussten wir eine Zeitspanne abpassen, in welcher der Zeppelin frei war. Das waren dann vier Wochen im Februar, in denen alles zusammen passen musste: Wind, Temperatur, Schneeverhältnisse, einfach alles. Ein Projekt, bei dem so vieles von einem Tag abhängt, haben wir glaube ich noch nie geplant. Da war das Abseilen vom Zeppelin noch das leichteste.

Stefan: Aber auch an dem mussten Änderungen vorgenommen werden, normalerweise seilt sich daran ja niemand ab. (grinst). Drei Abseilstellen wurden an der Kabine angebaut, die anschließend noch vom TÜV abgenommen werden mussten. Alles wurde bis ins kleinste Detail überprüft. Auch für den Notfall mussten wir uns vorbereiten. Falls der Zeppelin beim Abseilen aufgrund des Winds hätte abdrehen müssen, hätten wir die Leiter ja wieder hoch klettern müssen, all solche Dinge. Dass Dinge wie Heliumzusammensetzung und Gewicht eigentlich eine riesengroße Rolle spielen und wir uns an der äußersten Obergrenze bewegt haben, ist uns erst während des Projekts klar geworden.

Andreas: Das stimmt, anfangs dachten wir noch, „Wir schlagen die Idee vor, lassen uns abseilen, und fertig“, aber dass so viel dahinter steckt, war dann doch überraschend. Auch die Arbeit, die der Pilot da geleistet hat, haben wir zuerst unterschätzt. Aber ein  Luftschiff für eine knappe Viertel Stunde auf den Meter genau ruhig zu halten, das ist schon eine Leistung.

Was war es dann für ein Gefühl, als es dann endlich los ging? Wart ihr sehr nervös? Lief alles nach Plan?

Andreas: Da waren wir einfach erleichtert und sogar zum ersten Mal ein bisschen entspannt. Ab da wussten wir einfach, wir haben es soweit geschafft, dass wir es jetzt durchziehen können. Als es dann wirklich in die Luft ging, ist die Spannung natürlich schon nochmal gestiegen. Der Weg zum Berg und das Abseilen vom Zeppelin waren für uns die wirklich besonderen Dinge an der Sache.

Stefan: Berge im Freestyle hinab fahren, das machen wir ja öfter mal. Genau genommen, ständig. Auch die Abfahrt am kleinen Valkastiel haben wir uns im Vorfeld angesehen, kannten sie aber noch nicht. Von uns abgesehen war da glaube ich auch noch nie Jemand mit den Skiern oben. Zum Glück lief alles wie geplant, nur am Ende des Abseilens dachten wir kurz dass Fabi, der dritte im Bunde, wieder nach oben gezogen wird. Als wir beide uns ausgeklinkt haben, hat das Luftschiff an Gewicht verloren und ist somit wieder einige Meter gestiegen – mit Fabi, der noch unten dran  hing.

Was galt es vor der Abfahrt alles zu beachten? Gibt es da eine Vorgehensweise?

Stefan: Jeder sucht sich beim Anflug seine sogenannte „Line“, also Linie, am Berg aus und merkt sich markante Stellen auf der Strecke. Die muss man sich dann wiederum spiegelverkehrt vorstellen und einprägen. Wir müssen immer wissen, wo wir reinfahren können und wo nicht.Die Musik im Video klingt ziemlich episch. Hört ihr eigentlich auch Musik, wenn Ski fahrt?Stefan: Früher schon, aber mittlerweile nicht mehr.

Andreas: Jetzt sind wir einfach mehr im alpinen Gelände unterwegs, wo man auf sein Gehör angewiesen ist. Setzungsgeräusche oder Steinschläge sind schlecht mit dem Auge zu erkennen und können ziemlich gefährlich sein.

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