„Weiter so“ keine Option - Zuschuss über 10,8 Mio. für Medizin Campus Bodensee
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25. Juli 2019
Das Klinikum Friedrichshafen könnte bei der Neuausrichtung eine zentralere Rolle als bisher einnehmen: Eine neue Notaufnahme soll gebaut werden Foto: MCB

Trotz steigender Umsatzzahlen verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation des Medizin Campus Bodensee (MCB), zu dem das Klinikum Friedrichshafen, die Klinik Tettnang und das Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten gehören, immer weiter. Veränderte Strukturen sowie ein Zuschuss über 10,8 Millionen Euro sollen nun die Zukunft des MCB sichern.

Friedichshafen – Oberbürgermeister Andreas Brand betonte in der Gemeinderatssitzung vergangene Woche, dass ein „Weiter so“ angesichts der Zahlen, die MCB-Geschäftsführer Jochen Wolf dem Gremium präsentierte, keine Option sei. Ebenso stünde ein Verkauf des MCB nicht zur Debatte. Der Klinikverbund erhält stattdessen einen Zuschuss über 10,8 Millionen Euro, fi nanziert aus der Zeppelin-Stiftung.

Über 8,5 Millionen Euro beträgt der Verlust der drei Häuser insgesamt im Jahr 2018. Für 2019 rechnen die Verantwortlichen sogar mit einem Minus von über 10,5 Millionen Euro. „Durch den Fachkräftemangel mussten wir externe Spezialisten dazuholen, was uns in etwa doppelt so viel kostet“, nennt Jochen Wolf einen der Gründe. Auch die einzelnen Fachbereiche seien oft nicht ausgelastet, weshalb sich das medizinische Angebot an den drei Standorten nun verändern soll.

So soll dem Klinikum Friedrichshafen im Zuge der Anpassung der Medizinstrategie künftig eine wichtigere Rolle zukommen. „Eine zentrale Notaufnahme in Friedrichshafen ist nötig, wir brauchen einfach einen stationären Zentralversorger. Eine weitere Überlegung ist zudem, das 14 Nothelfer in Weingarten zu einem Facharztzentrum und die Klinik in Tettnang in eine Fachklinik umzuwandeln“, erklärt MCB-Geschäftsführer Jochen Wolf. Entschieden sei aber noch nichts, wie auch Oberbürgermeister Andreas Brand in der Sitzung betonte. Die neue Strategie solle bis Herbst entwickelt und anschließend innerhalb von rund fünf Jahren umgesetzt werden.

Neben dem Fachkräftemangel und gesundheitspolitischen Forderungen (Personaluntergrenzen, Strukturvoraussetzungen) liegt eine weitere Ursache für die wirtschaftliche Entwicklung in der Auslastung der einzelnen Fachabteilungen. Einzelne Stationen im MCB mussten in der jüngeren Vergangenheit vorübergehend geschlossen werden. Von den bettenführenden Abteilungen gibt es derzeit in Tettnang lediglich eine Abteilung, die das Mindestleistungsvolumen erreicht, sprich wirtschaftlich arbeitet (Gynäkologie/Geburtshilfe). In Weingarten erreicht keine einzige interne Fachabteilung das Mindestleistungsvolumen, was dem Häfl er Oberbürgermeister Sorgenfalten auf die Stirn treibt: „Wenn ein Standort vier Millionen Euro Verlust macht und zudem keinen Impuls für die Zukunft des MCB geben kann, kommen wir an Grenzen.“

Man müsse sich fragen, an welchen Standorten künftig welche Abteilungen untergebracht werden. Sogar ein Neubau am Standort Friedrichshafen steht im Raum, da die Bettenanzahl und die OP-Kapazitäten nicht mehr ausreichen – Kostenpunkt: Rund 200 Millionen Euro. Investitionen in Höhe von rund 100 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren ohnehin für Sanierungen und Modernisierungen der drei Häuser nötig. „Es ist wichtig, dass auch unsere Mitarbeiter möglichst bald Klarheit haben“, betonte Jochen Wolf, der gleichzeitig eine Jobgarantie für alle MCB-Angestellten aussprach.

Alle Fraktionen des Rats lobten in ihren Erklärungen die Arbeit des MCB-Teams und stimmten dem Antrag schließlich einstimmig zu. Man darf also gespannt sein, welche Strategie die Verantwortlichen im Herbst präsentieren werden.

David Balzer

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