Uferpark der Zukunft
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28. März 2019
Am Gondelhafen soll ein schwimmender Steg, der sich auf zwei Ebenen aufteilt, entstehen Foto: K1 Landschaftsarchitekten/Leon Giseke

Etwa dreieinhalb Stunden diskutierte der Friedrichshafener Gemeinderat am Montagabend über die Neugestaltung des Uferparks, der Friedrichstraße und des Bahnhofsvorplatzes. Die Ideen wurden konkretisiert, bei der Entscheidung sollen die Bürger mit ins Boot geholt werden. 

Friedrichshafen – Eigentlich waren für den ersten Tagesordnungspunkt 90 Minuten angesetzt, letztlich es wurden über 200: Alle Fraktionen hatten am Montagabend viele Fragen an die Vertreter der beiden Planungsbüros, die für die Entwürfe zu Uferpark (Landschaftsarchitekten Kuhn Klapka, Berlin) samt Friedrichstraße und Bahnhofsvorplatz (Schmid Treiber Partner, Leonberg und Baurmann Dürr, Karlsruhe) verantwortlich zeichnen. In Abwesenheit von OB Andreas Brand entwickelte sich eine teils hitzige Debatte um das Herzstück von Friedrichshafen. 

Besonders umstritten ist die Idee, den Bahnhofsvorplatz mit einem markanten Stadtbalkon, welcher mit seinen Stahlträgern samt Dach an den Ursprungs-Zeppelin erinnern soll, in den Uferpark hinein zu integrieren. „Damit wird der Blick vom Bahnhof auf die Alpen nicht gerahmt, sondern kastriert“, sagte Stadtrat Heinz Tautkus (SPD). Das Zeppelin-Denkmal würde im Entwurf auf den Bahnhofsvorplatz umziehen müssen. Bis zur Bürgerinformation, die für das zweite Quartal 2019 geplant ist, müsse man diverse Punkte überarbeiten und Stimmen der Bürger einholen, war sich der Gemeinderat einig. Der Entwurf des neuen Uferparks samt Uferbereich erhielt hingegen viel Lob.

Der geplante Uferweg, der zwischen Graf-Zeppelin-Haus und Schlosshorn verlaufen soll, stieß bei den Fraktionen auf positive Resonanz. Auch die Gestaltung des Uferparks selbst, mit zusätzlichen Wegen und neuen Parkzugängen sowie Spiel- und Freizeitmöglichkeiten, überzeugte die Räte weitgehend. Auf diverse kritische Nachfragen zu den Entwürfen musste Erster Bürgermeister Stefan Köhler, der die Sitzung leitete, mehrmals beruhigend antworten: „Bedenken Sie, dass es sich aktuell lediglich um Entwürfe und Ideen handelt.“  

Allein für die Gestaltung der Friedrichstraße legten die Planer sechs verschiedene Entwürfe vor. Es muss hier z.B. noch geklärt werden, wie der Radverkehr geregelt wird, wie breit die Gehwege werden und ob die Allee auf der Südseite, die an selbiger Stelle einst vom Grafen Zeppelin in Auftrag gegeben wurde, erhalten bleiben kann. Eine Verlegung der Allee auf die Nordseite sah das Gremium kritisch, Sylvia Hiß-Petrowitz (ÖDP) bezeichnete diese Idee gar als „Frevel“. Der Bahnhofsvorplatz erhält in den Entwürfen Kopfsteinpflaster, auch ansonsten soll dieser Bereich dem geplanten Ausbau des ÖPNV angepasst werden. Für Regine Ankermann (Grüne) ist an dieser Stelle ein autofreier Bereich, wie es die Planer für Bahnhof und Friedrichstraße vorschlagen, nicht vorstellbar. Auch Gaby Lamparsky (FDP) erinnerte an die vielen Kurzzeitparker und den Lieferverkehr am Stadtbahnhof.

Offen ist derweil der künftige Standort der Musikmuschel. „Die Aufenthaltsqualität dort ist verheerend“, sagte Franz Bernhard (CDU) und erhielt dafür Zustimmung. Am Gondelhafen soll unterdessen ein schwimmender Steg entstehen, den manche Räte als „Hingucker“ (Gerlinde Ajiboye-Ames, FDP), andere schlicht als unnötig (Hiß-Petrowitz) bezeichneten. „Wir als Gemeinderat haben die Aufgabe, die Eckpunkte zu diskutieren und in den Fraktionen Stellung zu beziehen, damit die Bürger unsere Standpunkte kennen“, fasste Wolfgang Sigg (SPD) zusammen. Bis zur Bürgerinformation ist also noch viel zu tun. „Wir sind bestrebt, für alle Beteiligten die bestmögliche Lösung zu finden. Es ist aber klar, dass dabei nicht jeder ausschließlich Vorteile erfährt“, schloss Stefan Köhler die Sitzung.

David Balzer

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