Terrorbarbie war einmal
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8. Juni 2018
„Ein Pferd gibt mir mein Kindheitsglück zurück“, erklärt Katharina Kuhlmann Foto: Lena Reiner

Nach ihrer Wahl zur ersten Miss Tuning im Jahr 2003 und einem Playboycovershooting 2011 hat Katharina Kuhlmann einen Wandel vollzogen, der überrascht.

Überlingen – Heute ist sie Deutschlands erste von der Handwerkskammer anerkannte vegane Konditorin und Kinderbuchautorin. Die 40-Jährige lebt mit ihren beiden Kindern, der einjährigen Elisa und dem zweieinhalbjährigen Aaron, Partner Ralf Sättele, den zwei Pferden Kharima und Gazin sowie Hündin Molly im Grünen bei Überlingen.

„Da denkst du, du sprichst über einen Film, wenn du das alles erzählst“, lacht Kuhlmann, um dann ihre Wandlung Revue passieren zu lassen. Seit 2000 habe sie Tuningsendungen moderiert, später auch Boxkämpfe und Martial Arts, wobei das eigentlich nie jemand wahrgenommen habe.

„Ich war irgendwie immer die mit den Autoreifen unterm Arm, die Terrorbarie aus der Tuningszene“, fasst sie das zusammen, was damals zu ihrer „Rolle“, wie sie es rückblickend nennt, geworden sei. „Als junges Mädchen dachte ich: Sei schön, dann hast du keine Probleme“, verrät sie.

Mit Zahnspange und Pickeln im Gesicht sei Katharina Kuhlmann während ihrer Schulzeit nämlich gehänselt worden. Sie erreichte als Moderatorin (ab 2000) und erste Miss Tuning (2003) ihr Ziel, wurde für ihr Äußeres und als „unnahbares Vamp“ wahrgenommen. Dazu gehörte auch eine dicke Schicht Makeup, hinter der sie sich und ihre Problemhaut verstecken konnte.  „Das war auf jeden Fall ein Schutz für mich“, verrät sie.  Das habe sich erst nach ihrem Lebenswandel geändert.

Durch ihre Ernährungsumstellung sei auch ihre Haut rein geworden. Nur die falschen Wimpern, die trägt sie bis heute zu fast jedem Fototermin – Macht der Gewohnheit?  „Das sieht direkt ganz anders aus und geht schnell“, lacht sie und erläutert: „Viele denken ja, ich könne mich so gut schminken. Dabei wurde ich damals immer von Visagistinnen hergerichtet.“

Und dann erklärt sie, wie es zu ihrem Umdenken gekommen sei. In der „Show- und Glitzerwelt“ habe sie schnell festgestellt, dass es auch Risiken berge, sein schönes Äußeres in den Vordergrund zu stellen. Sie verweist auf jüngere Kolleginnen und deren zahlreiche Schönheits-OPs. „Dieser Sog ist gefährlich.“ Doch nicht nur das: „Ich musste ständig beweisen, dass ich meinen Kopf nicht nur zum Haarekämmen habe.“ Ihr Spitzname „Terrorbarbie“ stammt etwa aus dieser Zeit und auch die Erfahrung, nicht ernstgenommen zu werden – nicht einmal als Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma KK Colors.

Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie zu einem vermeintlichen Kooperationspartner gefahren sei und nach fünf Stunden Autofahrt dann feststellen musste: „Er wollte mich nur auf einen Drink einladen.“ Sie fragt: „Wäre das auch einem Mann passiert?“

Überhaupt ist für sie Emanzipation ein großes Thema. Während sie früher – so formuliert sie es – ihren Mann gestanden habe, sei sie nun zunächst Mutter und an zweiter Stelle Geschäftsfrau. „Es fällt einem kein Zacken aus der Krone, wenn man sagt: ‚Ich bin jetzt Mutter.‘“, betont die 40-Jährige. Ganz bestimmt sei es kein Rückschritt für sie, vielmehr betrachte sie die Rolle als neue Herausforderung und auch als großes Glück.

Vor 15 Jahren sei ihr gesagt worden, dass sie unfruchtbar sei. „Kinder brauchen ein Zuhause und eine Mutter“, ergänzt sie und kommt auf den frühen Tod ihrer eigenen Mutter zu sprechen. „Den habe ich jahrelang erfolgreich verdrängt. Ich habe mich mit meiner Arbeit abgelenkt.“ Schließlich – auf dem Höhepunkt ihrer Karriere – habe sie erkannt, wie einsam sie sei. „Ich war mit meiner eigenen Lacklinie in Las Vegas, doch abends im Hotel fühlte ich mich einfach nur leer und traurig.“ Auch ihr Körper zeigte Grenzen auf: Nach einer schweren Gastritis und Verdacht auf Magenkrebs folgten Burnout und Kehlkopfentzündung.

Ihr Entschluss stand fest: Sie richtete ihr Zuhause, schaffte sich Pferde an: „Die Tiere haben mich geerdet.“ Inzwischen hat sie eine eigene vegane Backstube und arbeitet nach einem Kinderbuch an ihrem ersten Backbuch. Mehr Aktuelles: www.katharina-kuhlmann.com

Lena Reiner

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