Seit einem Monat bebt die Erde im westlichen Bodensee

5. September 2019
Das Beben vom 29. August mit der Stärke 3,5: Je heller das Blau, umso stärker war das Beben zu spüren Foto: Erdbebennews

Die Erde in Dettingen kommt nicht zur Ruhe: Fast auf den Tag genau vor einem Monat begann die Erdbebenserie mit einem Beben der Stärke 3,7. Nun hat es wieder gebebt, diesmal mit einer Stärke von 3,5. Es war das 26. Erdbeben in Dettingen in einem Monat. 

Überlingen – Ein Vorbeben der Stärke 2,8 schreckte damals um kurz nach 1 Uhr in der Nacht des 30. Juli Menschen und Tiere auf, bevor elf Minuten später ein weiteres deutlich spürbares Beben der Stärke 3,7 nochmals die Gegend um Dettingen im Landkreis Konstanz erzittern ließ. Beide Beben waren deutlich in Überlingen auf der anderen Seeseite zu spüren, ein lauter Knall war zu hören. Wände, Häuser, Möbel und Fenster haben gewackelt, das WOCHENBLATT berichtete damals ausführlich. Es folgten noch zahlreiche Nachbeben an den drei Tagen danach, die aber allsamt deutlich schwächer und damit auch kaum mehr spürbar waren. Auch die Abstände der Beben wurde größer, am 8. August wurden noch zwei schwache Beben registriert, am 10. eines und dann erst wieder am 20. August ein Beben, dies hatte eine Stärke von 1,7 und war somit nicht spürbar in Überlingen. 

Erdbeben kommen im westlichen Bodenseekreis öfters vor und sind nichts außergewöhnliches: In dieser Gegend verlaufen mehrere kleine und aktive Störungszonen, die sich bewegen und damit hin und wieder die Erde erzittern lassen. 

Nach dem 20. August herrschte neun Tage Ruhe unter der Erde, bevor es am vergangenen Donnerstag wieder losging: Am 29. August um 16.08 Uhr wurde ein Beben der Stärke 1,3 registriert, das nicht spürbar war. Aber es war ein Vorbeben.

Denn keine Viertelstunde später gab es ein deutliches Beben der Stärke 3,5, das von vielen Menschen im Epizentrum bei Dettingen und auch in Überlingen verspürt wurde. Das Beben war im Umkreis von annähernd 20 Kilometern zu spüren (Siehe Grafik auf der rechten Seite) und zeigte Ähnlichkeiten zu den vorherigen spürbaren Beben: „Es war wie im Juli, da war zuerst das Grollen, und danach dann das Wackeln“, wie Jonas aus Überlingen das Beben beschreibt. Er wohnt in der Owinger Straße und meint, dass das Grollen nicht so intensiv war wie beim letzten Beben: „Aber vielleicht war es auch insgesamt lauter in der Stadt mit dem Verkehr und den Baustellen, denn das letzte Beben war ja in der Nacht. Das Haus hat ganz heftig gewackelt, so als wäre jemand mit dem Auto dagegen gefahren.“ Die alten Fensterrahmen haben geknackt, die Lampe an der Decke hat gewackelt, „das Mauerwerk hat geknistert: das war schon alles sehr komisch. Später habe ich gesehen, dass im Wohnzimmer zwei Kerzenständer umgefallen sind, in der Küche lag ein Plastikbecher am Boden.“

Aber er blieb ruhiger als beim ersten Beben im Juli: „Man gewöhnt sich dran, ein Erdbeben ist nicht mehr neu.“Neu war die Erdbebenerfahrung hingegen für Gisela und Karl-Heinz aus Hannover. Die beiden Studenten hatten bisher noch nie ein Erdbeben mitbekommen, „bei uns in Norddeutschland kennen wir so was nicht.“ Die Leute auf dem Campingplatz in Uhldingen hätten ihnen von den anderen Beben berichtet. „uns reicht das eine, der Knall, das Grollen, das Wackeln, das muss nicht nochmals sein“, wie sie erzählt. Obwohl sie im Zelt übernachtet haben, haben sie in der Nacht nicht ruhig geschlafen. „Irgendwie apokalyptisch, aber als Urlaubsgeschichte nehmen wir das gerne mit nach Hause.“

Auch Muhammad hat das Erdbeben in Überlingen mitbekommen: „Das ist immer etwas ganz besonderes“, wie er berichtet: „wenn alles wackelt, das ist komisch. Als kleiner Junge mussten wir imer sofort aus dem Haus rausrennen, wenn es gewackelt hat.“ Der ehemalige Iraner erinnert sich an die zahlreichen Erdbeben in seiner alten Heimat. Seit mehr als 20 Jahren ist er nun schon in Deutschland, aber Erdbeben hat er hier nicht erlebt. Sein Onkel im Iran ist mal bei einem Beben gestorben, „das war aber ein größeres Beben, vor 30 Jahren.“

Von Menschen- oder Sachschäden am Bodensee hat keiner berichtet, auch sonst sind keine Schäden gemeldet worden. Das jüngste Beben ereignete sich wie die anderen Beben auch in drei Kilometer Tiefe und in etwa an derselben Stelle, an der es schon seit einem Monat bebt. Zwischen 21 und 22 Uhr wurden nochmals zwei weitere Beben registriert: Das erste Beben um 21.14 Uhr hatte eine Magnitude von 1,9 und war in Dettingen deutlich spürbar und auch wieder akustisch warnehmbar, in Überlingen nicht. Das zweite Beben mit 1,1 war hingegen auch in Dettingen kaum bis gar nicht spürbar.

Dieter Leder

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