Kampf gegen die Kälte
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1. Februar 2019
Herbergsleiter Stefan Zorell in der Kleiderkammer: Hier werden u.a. abgegebene Jacken, Hosen, Pullis und Schuhe angesehen und sortiert Foto: David Balzer

Der Winter hat unsere Region fest im Griff. In der eisigen Jahreszeit ist ein Dach über dem Kopf überlebenswichtig, besonders für jene, die keine eigene Wohnung haben. Die Herberge im Industrieweg 2 in Friedrichshafen bietet diesen Menschen eine warme Mahlzeit, Unterkunft und dient als Anlauf- sowie Beratungsstelle.

Friedrichshafen – Stefan Zorell, Leiter der Herberge, ist jemand, der nicht nur redet, sondern anpackt. Seit 20 Jahren setzt er seine Energie mit Leib und Seele für diejenigen ein, die in unserer Gesellschaft aufs Abstellgleis geraten sind. Angesprochen auf die steigende Wohnungsnot, betont er: „Ruck zuck ist man seine Wohnung los und schon ist die Kacke am Dampfen. Die Wohnungslosenhilfe im Bodenseekreis ist nichts Exotisches mehr, sondern Realität.“ Die Zahl der Wohnsitzlosen habe über die Jahre stark zugenommen und sich immer mehr in die Mittelschicht eingefressen: „Wir haben momentan eine versuchte Planwirtschaft, die kläglich scheitert.“

Grund seien unter anderem die gestiegenen Immobilienpreise, zudem seien wohnungslose Menschen auf dem Immobilienmarkt meist unattraktiv und man könne sich bei drei von vier Inseraten nur per Mail für eine Wohnung bewerben, was die Suche weiter erschwere. Die ehren- und hauptamtlichen Herbergsmitarbeiter unterstützen aber nicht nur bei der Wohnungssuche, sondern auch bei alltäglichen Problemen.

Im Jahre 2011 wurde die Anlaufstelle für Wohnungslose neu gebaut, getragen wird sie von der katholischen Gesamtkirchengemeinde. Essen, Duschen, Schlafen, Gespräche führen oder auch Nachhilfe am Computer – die Herberge ist in vielerlei Hinsicht ein Rettungsanker. Stefan Ardemani hilft zum Beispiel ehrenamtlich, erklärt Grundkenntnisse am PC und zeigt, wie man eine Mail schreibt oder eine Überweisung macht. Dazu gibt‘s für jeden ein Postfach, um beispielsweise Bewerbungen abzuschicken. Die Herberge dient vorrangig als Beratungsstelle, dennoch bietet sie 24 Einzelzimmer, ausgestattet mit Bett, Tisch, Stuhl und Schrank. Altersgruppen aller Art suchen die Einrichtung im Industrieweg auf, rund 25 Prozent sind Frauen.

Ob die Anlauf- und Beratungsstelle bei den momentanen Temperaturen aus allen Nähten platzt? Stefan Zorell widerspricht: „Die Anzahl an Wohnungssuchenden, die zu uns kommen, bleibt recht konstant. Sie ist jahreszeitenunabhängig.“ Zwar gibt es Tee, Hygieneprodukte oder Kleidung umsonst, das Mittagessen (1,80 Euro) oder die Nutzung der Waschmaschine (50 Cent) kosten aber einen kleinen symbolischen Betrag. „Die Obdachlosen bekommen schließlich Geld vom Staat und sind nicht pleite“, erklärt Zorell.

Der Leiter freut sich besonders über Unterstützung durch Spenden oder ehrenamtliche Arbeit. Glücklicherweise sei die Kleiderkammer, wo die für die Wohnungslosen gespendeten Klamotten begutachtet und sortiert werden, in der Regel gut gefüllt. Nichtsdestotrotz sei man weiterhin auf Geld-, Kleider- und Lebensmittelspenden angewiesen. „Dass die Menschen einen zur Kenntnis nehmen, ist für uns wirklich eine große Hilfe“, betont Stefan Zorell.

Kontakt

Die HerbergeIndustrieweg 288045 Friedrichshafen; Telefon: 07541/32130; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Homepage: www.katholisch-friedrichshafen.de/die-herberge

 

Acelya Sürer/David Balzer

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