Erträge wie auf Bestellung
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13. April 2018
Martin Meichle (rechts) und sein Vater Fritz sind Berufsfischer in Hagnau. Foto: Privat

Bodenseefelchen sind eine Delikatesse. Die Fischer am See könnten weit mehr verkaufen, als sie fangen. Der größte Teil der Felchen, die auf unseren Tellern landen, kommt aus dem Ausland. Das könnte sich ändern, wenn sich ein Projekt durchsetzt, das Martin Meichle im Namen der Genossenschaft RegioBodenseeFisch angestoßen hat.

Hagnau – Fisch vom Bodensee ist begehrt. Die Nachfrage, besonders die nach Bodenseefelchen, entwickelt sich diametral zu den Fangerträgen. Die lagen 2016 mit 205 Tonnen im fünften Jahr in Folge bei weniger als der Hälfte des langjährigen Mittels (548 Tonnen), wie aus dem Bericht zur Internationalen Bodenseekonferenz 2017 hervorgeht. Seit Jahren gibt es deshalb Diskussionen, wie man diesem Trend entgegengesteuern kann. Es waren immer wieder höhere Phosphateinträge im Gespräch, um den See mit Nährstoffen anzureichern. Alternativ dazu auch engmaschigere Fangnetze oder – ganz aktuell – die Aufzucht von Felchen in Aquakulturen.

Dafür setzt sich die Genossenschaft RegioBodenseeFisch ein, die im Juli 2017 aus diesem Grund gegründete wurde und der Berufsfischer vom Ober- und Untersee, Gastronomen, Fischverarbeiter – insgesamt 15 Mitglieder – angehören. Als Argument für ihr Projekt führen sie hauptsächlich die drastisch gesunkenen Fänge ins Feld. Aber die Befürworter der Aquakultur argumentieren auch mit ökologischen Aspekten. So weise importierter Fisch beispielsweise eine deutlich schlechtere CO2 Bilanz auf als der im See gefangene.

Um ihr Projekt verwirklichen zu können, haben die Genossenschaftler Kontakt zu einer norwegischen Firma aufgenommen, die über das entsprechende Know how verfügt und die gute Erfahrungen mit der Aufzucht von Lachsen gemacht hat. Die Norweger haben auch die notwendige Gehegegröße und Netztiefe berechnet: Für die Aufzucht der Sandfelchen sind Netze mit 20 Metern im Durchmesser und einer Tiefe von 40 Metern erforderlich.

Das Projekt soll strenge ökologische Kriterien erfüllen: Dazu gehört auch der Verzicht auf Antibiotika. Wissenschaftler wie Dr. Alexander Brinker von der Wild- und Fischereiforschungsstelle in Langenargen sehen bei einer Felchenaquakultur im angestrebten Rahmen keinen messbaren Einfluss auf den wild lebenden Fischbestand: „Die Nährstoffeinträge sind minimal und vermutlich nicht nachweisbar; da mit Fischen aus dem See gearbeitet wird, besteht bei Havarie einer Anlage keine Gefahr einer genetischen Verfälschung.“

Das Pilotprojekt soll mit zwei Gehegen in Originalgröße am Überlinger Teufelstisch starten, über eine Produktionsperiode (ein bis zwei Jahre) laufen, und einen Ertrag von rund 40 Tonnen Fisch pro Jahr erzeugen. Um aber die importierte Menge von etwa 600 Tonnen Fisch pro Jahr ersetzen zu können, bräuchte man eine Anlage mit zwölf Gehegen, die etwa der Fläche eines Fußballfeldes entspräche. Sinnvoll wären zwei Standorte mit je sechs Gehegen. Aber Meichle ist Realist genug um zu wissen, dass es schwierig werden wird, überhaupt einen Standort genehmigt zu bekommen.

Denn bevor das Projekt gestartet werden kann, muss das Landratsamt Konstanz die wasserrechtliche Genehmigung erteilen. Und dazu wiederum müsste die geltende Bodensee-richtlinie der Internationalen Gewässerschutzkommission (igkb) geändert werden, die Netzgehege im Bodensee und seinen Zuflüssen ausdrücklich untersagt. Im Landratsamt wartet man ab: Noch sei der Antrag nicht eingegangen.

Gegenwind erfährt Meichle auch aus den eigenen Reihen. Viele Berufsfischer stellen sich gegen das Projekt, ebenso wie der BUND. Eine ablehnende Haltung nimmt auch die CDU ein, die am heutigen Donnerstag, 12. April, ab 18 Uhr, ins Café Gessler in der Friedrichstraße 53 einlädt und mit Spezialisten über das Für und Wider diskutieren will.

Das Vorhaben

RegioBodenseeFisch will ausschließlich Sandfelchen aus dem Bodensee zur Nachzucht verwenden. Der Laich soll in einer Brutanstalt ausgebrütet werden. Wenn die Setzlinge eine Größe von 10 bis 15 cm erreicht haben, werden sie an Land geimpft und anschließend in die Netzgehege im See ausgesetzt. Als Standort für die Gehege ist der Teufelstisch bei Überlingen im Gespräch, weil die dortige Strömung und Seetiefe einer naturnahen Aufzucht am ehesten entspricht.

Kerstin Dorn

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