Ei, ei, ei: Karfreitagsei
Empfehlung

11. April 2019
Kunstvoll bestickt: Jürgen Hohl vor einem Kirchengewand, dass Früher von den Pfarrern an Festgottesdiensten zu Ostern getragen wurde. Foto: Daniela Leberer

Das Osterfest bietet eine Fülle an Ritualen. Dabei ist die Grenze zwischen Brauchtum und Aberglaube oft schwer zu ziehen.  Besondere Kraft wird dem sagenumwobenen Karfreitagsei nachgesagt. Dem Volksglauben nach soll es ein Heil- und Glücksbringer sein. Wir gingen mit Hilfe des Brauchtumsforschers Jürgen Hohl auf eine Entdeckungsreise. 

Region – Woher soll ein Huhn wissen, dass Karfreitag ist, sagen die einen. Die anderen stehen beim Bauer ihres Vertrauens auf der Warteliste, um an ein begehrtes Karfreitagsei zu kommen. Für sie sind die Eier Heil- und Glücksbringer. Im Auto deponiert, sollen sie vor Unfällen schützen, im Haus hinterlegt, halten sie Feuer und Blitzschlag ab. Der Legende nach sollen diese besonderen Eier nicht faulen und auch über besondere Heilkräfte verfügen.

Für viele Zipperlein

Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens aus dem Jahr 1931 steht: „Wer einen Knaben zeugen möchte, esse ein Karfreitagsei.“ In der Schweiz war es lange Brauch, ein „födlewaams“ Ei direkt vom Huhn roh auszusaugen. Das Ei soll so vor Halsweh und Heiserkeit bewahren. 

Im Allgäu wurden die Schalen der Karfreitagseier auf die Felder verstreut und das Wasser der Bäche und Flüsse hatte an diesem Tag eine besondere Bedeutung. Deshalb trieben die Bauern schon früh morgens ihre Pferde und Kühe in die Schwemme, um ihnen das Jahr über Krankheiten zu ersparen. Schon die alten Ägypter, Perser und Chinesen sollen Eier, die zuvor gesegnet wurden, ausgelegt haben, um deren Haus und Heim zu schützen. Sie galten als Symbol für Fruchtbarkeit und das Leben an sich.

„Gerade an Ostern besinnen sich auch heute noch viele Menschen auf alte Bräuche“, so Brauchtumspapst Jürgen Hohl. „Ende des 17. Jahrhunderts war es am Palmsonntag in Oberschwaben gang und gäbe, dass die Minestranten nach der Prozession mit einem hölzernen Esel, auf dem eine Jesusfigur befestigt war, durch den Ort zogen, an die Türen klopften und um Eier, Speck und Süßigkeiten ersuchten“, weiß Hohl. Wichtig war und ist auch heute noch das Basteln der Palmen aus Weidenzweigen. Die Form ist immer rund und obendrauf trohnt ein Holzkreuz. „Die Kugelform symbolisiert Christus, Herr der Welt“, so Hohl.  

Grüne Speisen wichtig

Woher kommt der Name Gründonnerstag? Er wird nicht von der Farbe abgeleitet sondern von dem althochdeutschen Wort „greinen“, was tränenreich bedeutet.  Für viele Menschen ist es Tradition, am Tag vor Karfreitag grüne Speisenund Kräuter zu essen. 

An dem alten Volksglauben, dass man in der Karwoche keine Wäsche waschen und im Freien aufhängen soll, weil sonst jemand stirbt, halten immer noch vereinzelt alte Leute auf dem Lande fest. Wieder im Kommen ist das Eierfärben nach Urgroßmutters altem Wissen: Gefärbt wird in der Karwoche. Die rohen Eier werden mit kleinen Blättern und Kräutern belegt, vorsichtig einzeln in einen alten Nylonstrumpf gepackt und mit einem Faden umwickelt. Alle Päckchen in einem Sud aus starkem Schwarztee oder Kaffeesatz mit Zwiebelschalen kochen. Zum Schluss die fertigen Eier auspacken, abkühlen lassen und mit einer Speckschwarte leicht einreiben, damit die Kunstwerke glänzen.

Seit dem 13. Jahrhundert ist die traditionelle Farbe für Ostereier rot  – als Farbe des Lebens, der Freude und auch als Symbol für das Blut Christi. Gerne wurden diese rotgefärbten Eier an liebe Menschen verschenkt. 

Für viele Christen ist die Kreuzverehrung während des Gottesdienstes am Karfreitag ein wichtiger Termin, der heute noch regional durchgeführt wird. „Das Kreuz muss für die Verehrung vom Pfarrer im Gottesdienst freigegeben werden. Die Minestranten halten es dann schräg und die Gläubigen knien in langen Reihen nieder und küssen den Fuß des Herrn, als Zeichen der Verehrung“, weiß Hohl.

Von der Jugend herbeigesehnt wurde der Ostersonntag. Hier war das „Eiertitschen“ ein Muss. Erst wurden während des Gottesdienstes die mitgebrachten Eiernester um den Altar gruppiert und vom Pfarrer geweiht. Im Anschluss versammelte man sich auf dem Kirchplatz, nahm ein Ei in die Hand und „titschte“ es an das Ei eines Mitstreiters. 

Raffinesse gehört dazu

Das Ei, das als erstes einen Sprung hatte, musste an den Gewinner abgegeben werden. Mit einem Schmunzeln erzählt Jürgen Hohl, dass es hier natürlich „einige pfiffige schwarze Schafe gab, die unter die normalen Eier gefärbte Kalkeier mischten. Somit war die Ausbeute der ‘ertitschten Eier‘ viel größer“.

Neben dem Osterei ist er das Symbol für Ostern schlechthin: der Hase. Er steht für Zeugungskraft, Lebensgier und Lebenslust. Der Osterhase wird, soweit bekannt, zum ersten Mal in der Dissertation des Frankfurter Arztes Johannes Richier erwähnt, der bei dem angesehenen Heidelberger Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau im Jahr 1682 mit der Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ promoviert hat. Der Sohn des aus Glaubensgründen aus Frankreich geflüchteten Pastors Jean Richier schildert hier einen Brauch, wonach ein Oster-Hase die Eier lege und in Gärten im Gras verstecke, wo sie unter Gelächter und zum Vergnügen der Erwachsenen von den Kindern eifrig gesucht würden.

In Sonnenbühl/Erpfingen auf der Schwäbischen Alb gibt es ein Osterei-Museum. Seit über 25 Jahren  dreht sich hier alles um ein Thema: das Osterei, seine Bedeutung und die scheinbar unendlichen Möglichkeiten, es fantasievoll zu verzieren.

Öffnungszeiten: Bis 10. Juni, Di. bis Sa., jew.10-17 Uhr, So.- und Feiertag 11-17 Uhr. Infos:  Tel: 07128 / 774.

Daniela Leberer 

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren