Die Tafel braucht Hilfe
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8. März 2018
Elke Rumpf arbeitet seit über sechs Jahren in der Tafel mit. Foto: D. Balzer

Die Tafel in Deutschland feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Auch in Friedrichshafen gibt es seit 2001 eine Filiale der gemeinnützigen Hilfsorganisation, um Menschen, die nur wenig Geld zur Verfügung haben, mit den notwendigsten Lebensmitteln zu versorgen.

Friedrichshafen – Bereits um halb 10 bildet sich vor der Tafel in der Hofener Straße eine lange Schlange – obwohl erst ab 10 Uhr geöffnet ist. Die Kunden warten auf Marktleiter Günter Daub, der Nummern verteilt und somit regelt, wer zuerst in den Laden darf. Denn der ist nur rund 35 Quadratmeter groß und deshalb dürfen nur fünf Kunden gleichzeitig hinein. Eine Nummer bekommt selbstverständlich nur, wer seinen Tafelausweis vorzeigt. „Das bedeutet aber nicht, dass die Ersten mehr Auswahl haben. Wir schauen, dass alles gerecht aufgeteilt wird“, betont Daub.

„Wir verschenken hier nichts, alle Produkte werden zu geringen, festgelegten Preisen abgegeben“, erklärt Elke Rumpf, die seit über sechs Jahren in der Häfler Tafel mitarbeitet. Beispielsweise kosten 100 Gramm Wurst, egal von welcher Sorte, immer 20 Cent. „Es ist unseren Kunden sehr wichtig, dass unsere Lebensmittel etwas kosten. Sie bewahren so ihre Würde und genießen ihr Einkaufserlebnis“, sagt Rumpf. Doch die Tafel hat auch Sorgen. Die Räumlichkeiten sind zu klein geworden, außerdem werden mehr Lebensmittel und Mitarbeiter benötigt.

Die Auswahl an diesem Tag lässt sich allerdings sehen: Von Molkereiprodukten über Backwaren bis hin zu Obst und Gemüse – es ist alles da, was man benötigt. „Unsere Waren beziehen wir von knapp 20 Supermärkten, Metzgereien, Bäckereien und anderen Läden. Die Lebensmittel stehen kurz vor dem Verfallsdatum, sind aber qualitativ einwandfrei. Darauf achten wir auch immer genau“, sagt Elke Rumpf.

Zwischen 70 und 90 Kunden kommen täglich, um bei der Tafel Friedrichshafen einzukaufen. Meist sind es eher ältere Mitbürger, seit 2016 sind es vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund. „Aber einen Vorfall wie bei der Tafel in Essen wird es bei uns nicht geben. Hier ist jeder mit Tafelausweis herzlich willkommen“, betont Marktleiter Günter Daub. Im Schnitt würden Kunden dann etwas mehr als drei Euro für ihren Einkauf ausgeben. „Wir sehen uns als Hilfe für den Lebensunterhalt, sind aber kein Ersatz für einen normalen Supermarkt. Das können wir nicht leisten“, betont Daub. Die Kapazitäten der Tafelmitarbeiter sind ausgeschöpft, viele helfen ehrenamtlich. Daher ist die Hilfsorganisation, die sich hauptsächlich durch Spenden und Verkaufserlöse finanziert, derzeit auf der Suche nach neuen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die das engagierte, aber kleine Team unterstützen.

Der Tafelladen in der Hofener Straße platzt derweil aus allen Nähten. Dringend benötigte Spenden wie Nudeln, Mehl, Öl, Zucker oder Konserven können nur in geringen Mengen gelagert werden. Glücklicherweise wurden bereits neue Räumlichkeiten in der Keplerstraße gefunden, die im Oktober bezogen werden können. „Dort haben wir dann eine dreimal so große Verkaufsfläche, die außerdem barrierefrei ist“, freut sich Elke Rumpf. Einziger Wermutstropfen: Mit dem neuen Tafelladen steigen die jährlichen Mehrkosten deutlich an. Lebensmittel- und Geldspenden werden künftig also umso wichtiger.

Die Häfler Tafel ist von Montag bis Freitag von 10 bis 12.30 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Wer das Team unterstützen möchte, kann zum Probearbeiten in der Hofener Straße 47 vorbeikommen. Ebenso können dort Lebensmittelspenden abgegeben werden. Mehr Infos unter 0 75 41 / 37 66 77 oder www.friedrichshafener-tafel.de

dab

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