Die Schutzengel vom Bodensee
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21. Februar 2019
Die Wasserschutzpolizei ist vor allem im Sommer täglich mit mehreren Booten im Einsatz. Josef Rauch kennt den Bodensee wie seine Westentasche Foto: Balzer

Schwimmer, Surfer, Taucher, Schiffe aller Art – auf dem Bodensee ist vor allem im Sommerhalbjahr allerhand los. Wie die Wasserschutzpolizei nun bekannt gab, ist die Gesamtunfallzahl im vergangenen Jahr zwar gesunken, dennoch gab es mehr Schiffsunfälle und auch mehr Tote.

Friedrichshafen – Das Jahr 2018 war das wärmste und gleichzeitig auch das trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch für die Wasserschutzpolizei eine besondere Situation, die an warmen Sommertagen mit bis zu fünf Booten gleichzeitig im baden-württembergischen Teil des Sees im Einsatz ist: „Das Unfallpotenzial steigt natürlich, wenn auf dem Bodensee viel Betrieb herrscht“, erklärt Polizeihauptkommissar Michael Behrendt.

Im vergangenen Jahr registrierten die Beamten der Wasserschutzpolizeistationen Friedrichshafen, Überlingen und Konstanz in ihrem Zuständigkeitsbereich 76 Schiffsunfälle (2017: 66), sieben Menschen verloren bei Badeunfällen ihr Leben, eine Person starb bei einem Schiffsunfall. 2018 kamen insgesamt 13 Menschen auf dem 536 km2 großen Bodensee sowie dem 21 km langen Hochrheinabschnitt bis Schaffhausen ums Leben (2017: 10), darunter auch ein Taucher.  

„Angesichts des langen Sommers hatten wir mit noch mehr Unfällen gerechnet“, sagt Behrendt. Die Gesamtschadenssumme belief sich auf 1,125 Mio. Euro, rund 150 000 Euro mehr als noch im Vorjahr. Der gravierendste Fall entstand im Oktober durch den Brand eines Motorbootes im Kressbronner Hafen: Durch starken Wind schlugen die Flammen auf ein benachbartes Boot über, welches dann brennend im Hafen umhertrieb und so weitere Boote beschädigte. Wolfgang Ochner, Leiter der Wasserschutzpolizei, betont:  „Das war 2018 wieder der ganz normale Wahnsinn, der sich jedes Jahr auf dem Bodensee abspielt.“

Die Wasserschutzpolizei rettete im vergangenen Jahr insgesamt 437 Menschen aus Seenot, knapp 20 Prozent mehr als im Jahr davor. 242 Boote mussten durch Rettungskräfte geborgen werden (2017: 188). „Ohne unsere Hilfe hätten die Schiffsbesatzungen das Ufer beziehungsweise einen der Häfen nicht mehr erreicht“, unterstreicht Markus Zengerle die Bedeutsamkeit der Wasserschutzpolizei. Die Steigerung der Einsätze im Seenotrettungsdienst sei auf die lang anhaltende Saison, die stabile Wetterlage und die damit verbundene hohe Zahl an Wassersportlern auf dem Bodensee zurückzuführen. 

Bei rund 60 Prozent der Schiffsunfälle sei die mangelnde Sorgfalt der Schiffsführer Ursache für einen Unfall gewesen: „Darunter versteht man menschliches Fehlverhalten, fehlende Erfahrung im Umgang mit dem Wasserfahrzeug oder auch Selbstüberschätzung, Sorglosigkeit oder die mangelnde Wetterbeobachtung“, erklärt Michael Behrendt. Im vergangenen Jahr habe man daher die Freizeitsportler bei Sportbootkontrollen gezielt auf die Pflichten eines Schiffsführers und ihrer wahrzunehmenden seemännischen Sorgfaltspflichten angesprochen und auch entsprechende Flyer ausgehändigt.

Die Wasserschutzpolizei gibt den Wassersportlern für die kommende Saison wichtige Ratschläge mit auf den Weg: Die Wasserschutzpolizei gibt den Wassersportlern für die kommende Saison wichtige Ratschläge mit auf den Weg: 


➤ Legen Sie ihre Rettungsmittel bereit und ziehen Sie diese rechtzeitig an

➤ Achten Sie auf Vollzähligkeit und Funktionsfähigkeit der Mindestausrüstung

➤ Beobachten Sie die Wetterlage und achten Sie auf die Funktion der Positionslichter

➤ Nutzen Sie bei Notfällen auf dem Bodensee den internationalen Notruf 112

➤ Vermeiden Sie Stolperfallen an Bord, nehmen Sie sichere Sitzplätze ein und achten Sie bei entsprechenden Pegelständen auf die Fahrwassertiefe

David Balzer

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