Der Kampf um den Hopfen
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30. August 2018
Lukas Locher vom Hopfengut No. 20 in Tettnang überzeugt sich von der Qualität seiner frisch geernteten Hopfendolden. Obwohl die Erträge geringer sind, wird es wieder ausreichend frisch gebrautes Bier geben, verspricht er FOTO: BALZER

Hitzewelle und Schädlinge sorgen für erhebliche Ernteeinbußen

Die Hopfenernte in unserer Region läuft seit vergangener Woche auf Hochtouren. Weil es seit Mitte Juli allerdings kaum geregnet hat, sind die Hopfendolden deutlich kleiner als normalerweise. Das bedeutet für die Landwirte drastische Ernteeinbußen, während der Aufwand jedoch gleich bleibt.

TETTNANG – „Hopfendolden benötigen insbesondere ab Mitte Juli viel Wasser, in diesem Sommer hat es bei uns aber gerade in dieser wichtigen Phase kaum geregnet“, erklärt Wolfgang Ruther, Vorsitzender des Hopfenpflanzverbandes Tettnang.

Konsequenz: Die Hopfendolden weisen deutlich weniger Volumen auf. „Bei manchen Sorten rechnen wir mit bis zu 40 Prozent weniger Ertrag. Insgesamt hoffen wir aber, dass es nur rund zehn Prozent weniger Ertrag als noch im Vorjahr sind.“

Genaueres könne er aber erst in rund drei Wochen, wenn die Ernte vorbei ist, sagen. Zu schaffen gemacht haben dem Hopfen zudem Blattläuse und die Rote Spinne, die sich beiHitze besonders schnell ausbreitet. Immerhin sind pilzliche Krankheiten aufgrund der Trockenheit kein Problem gewesen. „Die Schädlingsbekämpfung ist in den vergangenen Jahren allerdings auch wegen der Auflagen immer schwieriger geworden“, sagt Wolfgang Ruther. Gleichzeitig betont er, dass Bio-Bier nicht bedeutet, dass der Hopfen ungespritzt sei: „Es werden nur andere Mittel benutzt.“

Der sogenannte Alpha-Gehalt der Dolden ist ein wichtiger Kennwert für Brauer wie Lukas Locher vom Hopfengut No. 20 in Tettnang. Aufgrund der äußeren Einflüsse ist dieser in diesem Jahr allerdings deutlich geringer als sonst: Liegt er normalerweise bei rund vier Prozent, rechnen die Landwirte nun nur mit etwa drei Prozent.

Lukas Locher, zusammen mit seiner Schwester Charlotte Müller Geschäftsführer des Hopfenguts No. 20 in Tettnang-Siggenweiler, erklärt: „Für dasselbe Ergebnis müssen wir jetzt mehr Hopfen verarbeiten. Aber ich kann die Leute beruhigen: Es wird auch 2018 genug frischgebrautes Bier mit dem weltberühmten Tettnanger Aromahopfen geben.“

Tausende Pflanzen werden täglich verarbeitet

Auf dem Hopfengut No. 20 werden eigene, hopfenlastige Bierspezialitäten gebraut. Besucher können im Biermuseum den Weg von der Hopfendolde bis zum Bier hautnah verfolgen – gleichzeitig wird mit Liebe zum Detail gezeigt, wie sich der Hopfenanbau in den vergangenen 100 Jahren verändert hat. „Wir möchten anschaulich machen, was der Hopfen so alles kann“, sagt Lukas Locher. Es sei immer auch eine Frage der Rezeptur, für eine Flasche handels übliches Pils (0,33 Liter) benötige man beispielsweise 100 Gramm Hopfen.

Schon jetzt sei klar, dass es deutlich weniger Ertrag als noch vor einem Jahr gibt, sagt Lukas Locher: „Glücklicherweise haben wir immer einen Puffer und lagern große Mengen Hopfen bei uns ein.“ Über 100 000 Pflanzen gehören dem Hopfengut No. 20, täglich werden auf dem Hof derzeit – auch mit der Unterstützung von Erntehelfern – 5 000bis 7 000 Pflanzen verarbeitet. Wolfgang Ruther bringt es auf den Punkt: „Letztlich bedeutet fehlender Hopfen fehlendes Geld in der Kasse der Landwirte. Deren Aufwand, sprich die Kosten, bleibt aber gleich. “Bleibt nur zu hoffen, dass es am Ende doch nur rund zehn Prozent weniger Erträge sind und nicht wie im schlimmsten Fall knapp die Hälfte.

 

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