CIMON hilft im Orbit
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22. Oktober 2018
Projektleiter Dr. Christian Karrasch (li.) und Systemingenieur Philipp Schulien mit CIMON am Kennedy Space Center in Florida. Foto: Airbus

Als erster Deutscher übernahm der Astronaut Alexander Gerst im Oktober das Kommando auf der Internationalen Raumstation (ISS). Bis Mitte Dezember wird er im All mehrere Experimente durchführen, für besondere Aufmerksamkeit sorgt der von Airbus Defence and Space entwickelte intelligente Astronautenroboter CIMON.

Immenstaad – Langweilig wird es Astronauten auf ihren Missionen nie: Neben Wartungsarbeiten an der ISS führen sie auch regelmäßig Experimente unter den im Orbit herrschenden Bedingungen durch. Diese Arbeiten an Bord zu dokumentieren, war bislang sehr aufwendig und umständlich. Daher hat Airbus Defence and Space zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) den intelligenten Astronautenassistenten CIMON (steht für Crew Interactive MObile companioN) entwickelt.

Als internes Projekt von Airbus 2015 gestartet, wird CIMON nun bei Gersts aktueller Mission „Horizons“ erstmals getestet. „Die Bedienung ist vergleichbar mit einer Sprachbox. CIMON erkennt Stimmen und Gesichter, kann sich räumlich orientieren und natürlich auch fliegen“, nennt Systemingenieur Philipp Schulien die Vorteile der Roboterkugel. CIMON soll den Astronauten aber nicht nur fachlich, sondern auch menschlich zur Seite stehen.

„Astronauten brauchen vor allem bei Langzeitmissionen einen vollwertigen Crew-Assistenten. CIMON erfüllt hierfür alle Anforderungen“, erklärt Philipp Schulien die Idee des Projekts. Der eingebaute Sprachcomputer wurde – in Zusammenarbeit mit IBM – eigens für die Raumfahrt entwickelt, er kennt mittlerweile alle gängigen Fachbegriffe der Kosmonautensprache. Finanziert wurde die Entwicklung vom DLR, rund 50 Mitarbeiter waren insgesamt am Projekt beteiligt.

CIMON hat sieben Mikrofone, mehrere Kameras und zwölf Propeller, die ihn bei voller Leistung rund zwei Stunden durch die Raumstation schweben lassen. Danach müssen die Batterien ausgetauscht werden.   Stehen beispielsweise Wartungsarbeiten an, kann CIMON also neben Alexander Gerst schweben und ihm Schritt für Schritt die nötigen Handgriffe sagen. Im Gegenzug zeichnet der Assistent auf, was Gerst zu Protokoll gibt und beantwortet auch dessen Fragen. Praktisch: Der Astronaut hat nun immer beide Hände frei, vorher musste er mit einer Hand beispielsweise einen Laptop bedienen.

Ob nun ein neues Zeitalter für Raumfahrer anbricht? „CIMON soll die Crew nicht ersetzen, sondern deren Stärken fördern und zudem den Stress deutlich reduzieren. Wenn man bedenkt, dass Mitte der 20er-Jahre bemannte Missionen zum Mars realistisch sein werden, ist ein Assistent wie CIMON umso wertvoller“, betont Philipp Schulien.

David Balzer

 

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