Bodensee-Airport muss kämpfen - Fehlbetrag von 1,9 Millionen Euro trotz steigender Passagierzahlen
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18. Juli 2019
Flughafen-Chef Claus-Dieter Wehr blickt optimistisch in die Zukunft Foto: David Balzer

 Der Bodensee-Airport hat nach wie vor mit den Folgen der Insolvenzen diverser Fluglinien in den vergangenen Jahren zu kämpfen. Trotz eines positiven Betriebsergebnisses steht für 2018 unterm Strich ein Minus von 1,9 Millionen Euro. Das gab Flughafen-Chef Claus-Dieter Wehr auf der Jahrespressekonferenz bekannt.

Friedrichshafen – Ob InterSky, VLM oder zuletzt im Februar die Germania Fluggesellschaft: Die Insolvenzen diverser Fluglinien machen dem Bodensee-Airport weiterhin zu schaffen. Sechs neue Airlines wurden nach der Germania-Pleite zwar hinzugewonnen, diese fangen allerdings nur rund 40 Prozent der Kapazitäten der ehemaligen Urlaubs-Airline auf. Bei den Passagierzahlen verzeichnete die Flughafen Friedrichshafen GmbH seit mehreren Jahren erstmals wieder einen Anstieg: 540 782 Fluggäste (plus 4,6 Prozent) nutzten den Airport 2018, für 2019 rechnen die Betreiber allerdings lediglich mit rund 500 000 Reisenden. „Wachstumsträger waren vor allem die Germania, Lufthansa, Turkish Airlines und Sun-Air, die im Juni 2018 die Bedienung der innerdeutschen Strecke nach Düsseldorf aufnahm und seit Januar vom Bodensee auch nach Hamburg fliegt“, wie Claus-Dieter Wehr erklärt.

Der Break-Even-Point, also der Punkt, an dem Erlös und Kosten gleich sind, liege bei etwa 600 000 Passagieren pro Jahr. Ein Ziel, das momentan noch in weiter Ferne liegt: Für 2018 weist die Jahresbilanz einen Fehlbetrag von 1,9 Millionen Euro aus. „Die finanzielle Entwicklung wird vor allem von den betriebsnotwendigen Investitionen in Höhe von 1,4 Millionen Euro und Tilgungszahlungen in Höhe von 2,1 Millionen Euro geprägt“, sagt Wehr, „im Gegensatz zu einigen anderen Flughäfen in Deutschland müssen wir zudem unsere Flugsicherungskosten – jährlich etwa 1,5 Millionen Euro – selber tragen.“ Dies stelle eine wesentliche Belastung für den Airport dar. Seit mehreren Jahren positiv ist hingegen das Betriebsergebnis: Es wurde um 19 Prozent verbessert, womit der Flughafen im operativen Geschäft einen Ertrag von 1,2 Millionen Euro – vor Steuern – erwirtschaftet hat. 

Solange das Betriebsergebnis positiv bleibt, wird der Bodensee-Airport auch nicht von einer Maßnahme betroffen sein, die im Jahr 2024 greift: Ab dann erlaubt die EU nämlich keine Beihilfen mehr aus Steuergeldern. „Unser laufender Betrieb erfolgt – im Gegensatz zu vielen anderen Regionalflughäfen – wirtschaftlich. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung des Flughafens erfüllt“, blickt Claus-Dieter Wehr positiv in die Zukunft. 

Das Fremdkapital des Bodensee-Airports beläuft sich aktuell auf rund 11,7 Millionen Euro, bis 2021 soll dies in Eigenkapital umgewandelt werden. „Wir haben im vergangenen Jahr eine Sondertilgung in Höhe von einer Million Euro geleistet – neben den regulären Tilgungen in Höhe von 1,4 Millionen Euro“, betont der Flughafen-Chef. Damit der Airport aber mittelfristig auch unterm Strich schwarze Zahlen schreibt, benötige man auf jeden Fall mehr Passagiere. Eine „Riesenentlastung“ wäre laut Wehr zudem der Wegfall der bereits erwähnten Flugsicherungskosten, auch angesichts des geplanten Umbaus des Towers. 

Durch neue Destinationen im Flugplan soll das Ziel, die Passagierzahlen weiter zu erhöhen, künftig angegangen werden. So fliegt Laudamotion seit Juni nach Palma de Mallorca, ab August wird SunExpress zudem zweimal wöchentlich nach Antalya fliegen und ganz neu dabei ist Air Serbia, die zweimal wöchentlich Nis (drittgrößte Stadt Serbiens) anfliegt. Zusätzlich konnten Tailwind, Bulgarian Air Charter und Corendon Airlines gewonnen werden. Ihre Kapazitäten am Bodensee-Airport erhöht haben British Airways und Turkish Airlines. Nach wie vor fehlen uns leider die Kanaren und die griechischen Inseln. Da hoffen wir spätestens auf den Sommerflugplan 2020“, betont Wehr. 

Die aktuelle Klimadebatte verfolgt der Flughafen-Chef derweil genau: „Noch spüren wir keine Auswirkungen. Aber ob der Umwelt wirklich geholfen wäre ohne den Bodensee-Airport? Unsere Region würde jedenfalls deutlich an Attraktivität verlieren.“

David Balzer

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