Apfelernte überrascht
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27. September 2018
Apfelexperte Martin Nüberlin greift in eine Kiste frisch geernteter Äpfel der Sorte Gala FOTO: ULRICH STOCK

Frühe und späte Sorten sind dieses Jahr gleichzeitig erntereif

Für die Apfelbauern am Bodensee war das Jahr 2018 eine echte Achterbahnfahrt. Es begann mit einer üppigen Blüte im Frühjahr. Der Tiefpunkt folgte mit der langen Hitzephase und Trockenheit. Wir haben mit dem Vorsitzenden der Erzeugergemeinschaft Lindauer Obstbauern Martin Nüberlin über die aktuelle Apfelsaison gesprochen.

LINDAU – „Im Sommer war schon reichlich Angst dabei, ob die Pflanzen die Trockenheit gut schaffen“, erinnert sich Martin Nüberlin zurück. Im Frühjahr hatte noch alles positiv ausgesehen. Jeder Apfelbaum trug reichlich Blüten, die Landwirte waren optimistisch. Es folgten allerdings Hagelfälle, von denen kaum ein Obstbauer verschont blieb. Dann kam die Hitzephase, kaum Regenfall und manch eine Pflanze trug einen Sonnenbrand davon.

„Dieses Phänomen kennt man sonst aus wärmeren Nachbarländern. Wir haben es erst in diesem Jahr nennenswert erlebt“, erläutert Nüberlin den letztgenannten Umstand. Hinzukomme, dass man mancherorts kaum Möglichkeiten habe, die Bäume künstlich zu bewässern. Glücklicherweise habe es in der Gegend aber auch „ein bisschen häufiger“ geregnet als anderswo im Land.

Die Äpfel seien trotz aller Widrigkeiten zu einer guten Größe herangewachsen, erklärt der Landwirt. Doch dann hatte die Saison selbst für den Apfelexperten noch die ein oder andere Überraschung parat. „Ich bin nicht mehr ganz neu im Geschäft, jetzt 65 Jahre alt und habe eigentlich nie etwas anderes gemacht“, erklärt Nüberlin und dennoch: Solche Bedingungen zum Endstadium der Wachstumszeit habe er noch nie erlebt.

Die Erntezeit habe dieses Jahr ungewöhnlich früh begonnen. Besonders die – eigentlich – späteren Sorten seien viel zu früh dran und bereits jetzt – parallel zu den frühen Sorten – ebenfalls reif geworden. Daher sei es für die Landwirte und ihre Helfer aktuell besonders anstrengend.

„Wir haben Tag und Nacht alle Hände voll zu tun“, schildert Martin Nüberlin. Auch das Nachreifen des Obsts ereigne sich ungewöhnlich schnell. Normalerweise folge die zweite Pflückrunde mit etwas Abstand, aktuell sei der Apfelnachschub bereits zwei bis drei Tage später schon nachgereift.

Beim Ernten zählt dabei nicht nur Schnelligkeit. Äpfel mit Sonnenbrand können nicht lange eingelagert werden, es drohen Qualitätsverluste, da die Zellen unter der Haut beschädigt sind. Daher werden die an gelblichen hellen Stellen erkennbaren Äpfel direkt aussortiert: „Das ist eine richtige Fieselarbeit.“ Gerade, weil die Ernte trotz der Trockenheit üppig ausfällt, kommt es bei dem Obst auf ein perfektes Äußeres an. „In Zeiten wie diesen macht die kleinste Macke einen Apfel zum Mostapfel“, erklärt Nüberlin. Dennoch, das möchte er betonen, könnten ausreichend schöne Äpfel für ganz Deutschland geerntet werden: „Die Lager sind schon jetzt gut gefüllt. “Niemand müsse in diesem Jahr importierte Ware zukaufen. Auch geschmacklich überzeuge der Apfel in diesem Jahr: „Der Zuckerwert ist optimal. “Noch dazu habe er eine tolle Fruchtgröße erreicht, zeigt sich Nüberlin zufrieden.

 

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