3000 Jahre unentdeckt
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20. April 2018
Entdeckt wurde das Boot bereits 2015. Erst jetzt konnte es fachgerecht gehoben und abtransportiert werden Foto: Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e. V. (BGfU)

Einbaum vom Bodensee stammt aus der Bronzezeit

Mit über 3000 Jahren ist das Boot nicht nur der älteste Schiffsfund im Bodensee, sondern auch das älteste Wasserfahrzeug Bayerns. Der Einbaum, der bereits vor drei Jahren nahe Wasserburg entdeckt worden war, wurde vergangene Woche von Tauchern geborgen und zur Konservierung nach München gebracht.

REGION – Das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) spricht von einem „herausragenden Fund“. Schließlich ist der Einbaum, der aus einem Baumstamm geschnitzt wurde, rund 3150 Jahre alt. Entdeckt wurde der wertvolle Schatz von Christoph Schmid bereits 2015 bei einem Tauchgang etwa 170 Meter vom Ufer entfernt nahe der Eschbach-Mündung bei Wasserburg.

Die dendrochronologische Datierung (Altersbestimmung des Holzes) nahm das Landesdenkmalamt in Thierhaupten vor. Sie ergab, dass das Holz des Einbaums um 1130 vor Christus gefällt wurde. Um den „hochrangigen Fund“ dauerhaft zu sichern, wurde der Fund auf Veranlassung des BLfD und mit Unterstützung der Archäologischen Staatssammlung München, der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie, der Kreiswasserwacht Lindau und des Wasserwirtschaftsamts Kempten vorige Woche geborgen. Anschließend wurde das Boot mit der „Seekuh“, die normalerweise Seegras mäht, nach Lindau in den Zecher Hafen gebracht und dort für den Transport nach München verladen.

Nun wird die Archäologische Staatssammlung das historische Wasserfahrzeug konservieren, was nach Angaben des Denkmalamts mindestens zwei Jahre dauern wird. Erste Untersuchungen der Archäologen zeigen, dass der Einbaum aus Eichenholz gefertigt wurde, und zwar aus der Hälfte eines mindestens 120 Zentimeter starken Baumes. Er ist noch 6,80 Meter lang und etwa 1,05 Meter breit. Während das Heck nahezu vollständig erhalten ist, war der Bug der Erosion offenbar stärker ausgesetzt – er ist teilweise ausgebrochen. Auch die Bordwände sind nur noch wenige Zentimeter hoch erhalten.

Wie das Landesdenkmalamt in einer Pressemitteilung schreibt, war der Einbaum bei seiner Entdeckung vor knapp drei Jahren von einer dünnen Schlickschicht überdeckt. Somit scheint das Boot zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange frei an seinem Fundort gelegen zu haben. Nach einer ersten Sichtung durch die Wasserwacht und die Wasserschutzpolizei Lindau untersuchten Taucher der BGfU den seltenen Fund. In sechs Tauchgängen dokumentierten sie die Lage und die Form des Einbaums, entnahmen Proben für die Datierung und prüften darüber hinaus Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung des Wasserfahrzeugs.

Ulrich Stock

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