Wie die Goldgräber

2. Mai 2019
Hier geht‘s lang: Museumsleiter Dr. Ralf Baumeister mit den bunten Pfählen, die in Bad Buchau den Weg ins 100 Jahre alte Federseemuseum weisen. Der heutige, zeitlose Museumsbau ist von 1968. Foto: Uli Landthaler

Vor 100 Jahren wurde das Federseemuseum gegründet. Anlass für eine Jubiläumsausstellung mit bunten Pfählen und schwarzweißen Notgeldscheinen: Die Neugier auf die Steinzeit war schon immer groß. 

Bad Buchau – Es war ein bisschen wie bei den Goldgräbern, als zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert der Torfboden rund um die Insel Buchau am damals noch größeren Federsee durchgepflügt wurde. Man suchte nach den Ureinwohnern und ihren Spuren, den Menschen, die in der Bronzezeit vor 4000 Jahren am See lebten und ihre Hütten auf Pfählen errichteten. 

Was man heute didaktisch aufbereitet in modern gestalteten Vitrinen im Museumsbau am Federseeried besichtigen kann, nahm damals seinen Anfang. Die ersten Exponate wurden schon um 1900 aus dem moorigen Boden geholt. Der „Verein für Altertumspflege und Heimatkunde“ wurde 1913 gegründet und musste bis nach dem Esten Weltkrieg warten, bis er 1919 die versprochenen Räume im Buchauer Schloss bekam. 

Danach ging es aber richtig los: Der Altertumsverein um den Museumsgründer August Gröber buddelte, was das Zeug hielt, und die Uni Tübingen wertete die Resultate wissenschaftlich aus. Letzteres ist aus heutiger Sicht ein Glücksfall, wie der aktuelle Museumsleiter Dr. Ralf Baumeister bilanziert. Bei ihrem Sammlerdrang hätten die angeheuerten Grabungsmitarbeiter aber gerne auch etwas vorsichtiger zur Werke gehen dürfen: Man könne nur ahnen, wieviel siedlungshistorisch bedeutsame Stücke damals im Eifer des Gefechts kaputtgegangen sind. Aber es ist genug übrig geblieben. Und bei der Finanzierung der Grabungen war man einfallsreich: Baumeister zeigt Schwarzweiß-Ansichtskarten aus den 1920er Jahren und Notgeldscheine mit Federseemotiv aus der damaligen Inflation, die damals verkauft wurden. 

Sie zeigt das Federseemuseum nun zu seinem 100. Geburtstag, dazu wurde der erste Ausstellungsraum von 1919 nachgebildet, der im nahegelegenen  Schloss untergebracht war. 100 bunte Pfähle aus Robinienstämmen weisen den Weg zum heutigen Federseemuseum, einem eindrucksvollen Beispiel moderner Museumsarchitektur, erbaut 1968. Dort wurde am Wochenende die Jubiläumssaison eröffnet. 

Das Federseemuseum in Bad Buchau ist täglich von 10-18 Uhr geöffnet. Mehr unter www. federseemuseum.de.

Uli Landthaler

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