Rehe sterben still
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16. August 2018
Jäger und Drohnen-Steuermann Manfred Lochbühler mit Jäger Dieter Mielke und Gerhard Glaser vom Kreisbauernverband (v.l.) mit dem Flugobjekt kreisbauernverband
An die 70 Rehkitze hat die Drohne des Kreisjägerverbands bislang vor dem Mähdrescher gerettet. Jetzt kommt ein zweites Fluggerät hinzu.
Kreis Biberach – Junge Rehe sind in ständiger Lebensgefahr. Sie werden von der Mutter allein auf dem Feld oder im hohen Gras zurückgelassen. Wenn Gefahr droht, bleiben sie still liegen und machen sich klein.  Und das kann ihr Todesurteil bedeuten: Wenn der Bauer auf der Erntemaschine sie zu spät bemerkt. Die Rettung kommt aus der Luft. Drohnen, also ferngesteueuerte kleine Fluggeräte, kontrollieren Felder vor dem Mäher-Einsatz von oben. Sie haben eine Wärmebildkamera, mit der sich das Tier im hohen Gras orten lässt. Am Steuerknüppel sind Leute wie Manfred Lochbühler von der Biberacher Kreisjägervereinigung, die eine Drohne im Einsatz hat. Erkennt Lochbühler auf seinem Bildschirm die  Gefahr, schickt er einen Helfer los, um das Tier fachgerecht aus der Wiese zu holen. Denn auch hier ist höchste Vorsicht geboten – das Tier darf nicht nach Mensch riechen, sonst wird es von der Mutter verstoßen. Zudem muss das alles in den frühen Morgenstunden passieren, sonst hebt sich das Kitz nicht mehr von der Umgebung ab. An die 70 Rehkitze hat die Biberacher Kreisjägervereinigung nach eigenen Angaben bisher auf diese Weise vor dem Mähdrescher und anderen Erntemaschinen gerettet. Jetzt kommt eine zweite hinzu. Das 10 000 Euro teure Fluggerät soll erstmal bei der anstehenden Maisernte helfen, Schwarzwild aufzuspüren. Die  Jäger setzen darauf, dass dies ebenso erfolgreich verläuft wie bei den Rehen. Mitgeholfen hat jetzt eine 400-Euro-Spende des Kreisbauernverbands. Ein kleiner Betrag, aber mit großem Symbolwert: Dem Bauerveband ist es wichtig, seine Unterstützung  für diese Aufgabe zu zeigen. Schließlich müssen Bauern und Jäger für diese Aufgabe eng zusammenarbeiten. Idealerweise meldet es der Landwirt einen Tag vorher, wenn er mit dem Mäher aufs Feld geht.Tipps für Grundbesitzer Wer von innen nach außen mäht, verringert das Risiko, Jungtiere zu verletzen. Durch die Vorgehensweise haben sie die Möglichkeit zur Flucht durch noch bewachsenes Gebiet. Wer ein Rehkitz oder anderes Wildtier findet und aus der Gefahrenzone bringen möchte, muss Eines beachten: „Man darf die Tiere nicht berühren. Am besten hält man sie mit Handschuhen und viel Gras dazwischen“, erläutert die Tettnanger Jägerin Michaela Paus. Sonst bedeute der Tierrettungsversuch das Todesurteil des Jungtiers, dessen Mutter es so nicht mehr annehmen werde. „Menschengeruch schreckt sie ab“, erklärt Reinhold Baumann, Kreisjägermeister im Bodenseekreis.
lre/ula

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