Wald in der Klima-Krise

Wald in der Klima-Krise
Knappe 500 Festmeter Wald mussten bei Steinhausen aufgrund eines Borkenkäferbefalls abgeholzt werden. Jetzt muss neu bepflanzt werden, wobei sich die Frage stellt, welche Bäume dem Klima künftig am besten trotzen werden. Das beschäftigt nicht nur den Minister für Ländlichen Raum Peter Hauk (links), der bis September einen Wald-Notfallplan ausarbeitet, sondern auch Menschen wie Georg Jehle (rechts), Leiter des Kreisforsamts Biberach Foto: Laura Hummler
7. August 2019

Die Hitze und der Borkenkäfer machen den Förstern und Waldbesitzern zu schaffen. Auch im Kreis Biberach. Bei einem Ortsbesuch in Steinhausen bei Bad Schussenried machten sich drei Politiker ein Bild der Lage.

Kreis Biberach – Auch Josef Rief, Landwirt und CDU-Bundestagsabgeordneter, ist betroffen.  „Von meinen 12 Hektar Wald habe ich im letzten Jahr acht eingebüßt. “ Die immer extremer werdenden Wetterverhältnisse belasten den Wald, 110 000 Hektar sind seit 2018 bundesweit betroffen. Tendenz: steigend. 

Der „alarmierende Zustand des baden-württembergischen Waldes“ erfordere „sofortige und nachhaltig wirkende Maßnahmen zur Stabilisierung der Waldgesundheit“, heißt es in einer Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft Wald. 

Die Politik nimmt die Zustände ernst. Peter Hauk, Minister für den Ländlichen Raum, besucht öfter Waldgebiete, die vom Baumsterben bedroht sind. Vergangene Woche ließ er sich ein Waldstück in Steinhausen bei Bad Schussenried zeigen.  Mit dabei waren auch Rief und Biberachs Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger. Begutachtet wurde ein Teil des Waldes, der seit dem vergangenen Jahr rund 500 Festmeter Buchen einbüßte.

Das Absterben der Buchen liegt vor allem daran, dass durch anhaltende Trockenheit Borkenkäfer leichtes Spiel haben, Bäume zu befallen. Bäume können so nämlich nicht mehr ausreichend Harz produzieren, an dem die Käfer normalerweise kleben bleiben. 

Für die Förster stellt die Aufarbeitung von Schadholz oft eine echte Herausforderung dar. Denn sind die Bäume aufgrund ihrer Trockenheit erst einmal vom Borkenkäfer befallen, muss es flott gehen: Befallenes Holz muss schnellstmöglich aus dem Wald entfernt werden, damit sich die Schädlinge nicht weiter ausbreiten können. Hierzu werden entsprechende Fahrzeuge und Maschinen benötigt, die viel Geld kosten. Nicht zuletzt deshalb fordern Förster finanzielle Mittel vom Staat.

Bis September wird Peter Hauk einen Wald-Notfall-Plan ausarbeiten. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Bäume in abgeholzten  Gebieten nachgepflanzt werden. So gilt zum Beispiel die Fichte als recht wetterbeständig. Zudem müsse die Bepflanzung immer auch den Standortfaktoren angeglichen werden, weiß Georg Jehle, Leiter des Kreisforstamts Biberach. Die seien im Landkreis recht unterschiedlich, weshalb auch über unterschiedliche Lösungen nachgedacht werde.

Im Notfall werde man auch mit Chemie gegen Schädlinge vorgehen, heißt es. Denn Wald wird vor allem als CO2-Puffer in Sachen Klimaschutz gebraucht.  Doch nicht nur aus staatlicher und umweltpolitischer Sicht sind die Sorgen um unsere Wälder groß. Auch Privatwald-Besitzer haben mit Bestandsproblemen zu kämpfen. Und das in Zeiten, in denen der Holzpreis sinkt. 

Auch Josef Rief steht vor der Entscheidung, welche Baum-arten nun eingesetzt werden sollen. Angebracht sei es laut Hauk, auf Mischwald zu setzen. Daher testet man das Einsetzen von beispielsweise Douglasien oder Lerchen neben Buchen und Fichten. „Wir müssen auch den Mut haben, nicht heimische Bäume hier anzusiedeln“.

Laura Hummler

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