Sozial-Profis als Helfer

1. August 2019
Der Unterstützerkreis für psychisch erkrankte Patienten des ZfP Bad Schussenried hat einen neuen Namen: Aus dem „Freundeskreis Schussenried“ wurde „Begleiten. Leben. Arbeiten“ – kurz „bela“. Landes-Sozialminister Manfred Lucha (rechts) enthüllte den neuen Schriftzug zusammen mit Landrat Schmid (links) und dem Vereinsvorsitzenden Christoph Vieten. Foto: Uli Landthaler

Ein guter Freund ist bekanntlich das beste, was es gibt. Bei der Hilfe für psychisch Kranke reicht Freundschaft allein nicht aus. Deswegen hat sich der Verein, der ZfP-Patienten betreut, von „Freundeskreis Schussenried“ umbenannt in „bela“. Das steht für „begleiten, leben, arbeiten“ und betont den professionellen Anspruch des Sozialdienstleisters mit 60 Mitarbeitern.

KREIS BIBERACH – Die Betreuung von psychisch Erkrankten in Bad Schussenried hat eine lange Tradition – aber keine, an die man sich gern erinnert. In den oberschwäbischen Klöstern waren einst die „königlich württembergischen Irrenanstalten“ untergebracht, wie Sozialminister Manfred Lucha mahnte. Und so hat man die Patienten auch im 20. Jahrhundert noch lange behandelt.

Die neuen Büroräume von „bela“ am Biberacher Viehmarktpatz, die Lucha jetzt besuchte, sind der Ausdruck, wie sehr sich der Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen, in erster Linie Depressionen, geändert hat. Es sind Menschen, die nicht mehr hinter Mauern leben, sondern im in der eigenen Wohnung oder in betreuten Wohngemeinschaften, die im Alltag wieder Fuß fassen wollen und dazu professionelle Hilfe brauchen.

Darum kümmert sich „bela“, der bisher „Freundeskreis Schussenried“ hieß. Ein Verein mit 60 Mitarbeitern, vorwiegend Sozialarbeiter und andere Fachkräfte, mit Sitz in Bad Buchau und der Außenstelle in Biberach. Er hat eine ganze Reihe von Hilfsangeboten für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, aufgeführt in diversen Faltblättern: Es gibt das ambulant betreute Wohnen für Menschen mit seelischen Schwierigkeiten, die im Alltag unterstützt werden. Es gibt Gastfamilien, die betreuungsbedürftige Menschen aufnehmen und dabei begleitet werden. Es gibt Fachdienste, die beim Schritt ins Arbeitsleben helfen: Mit Reha-Maßnahmen oder mit Beratung und Vermittlung von aufgeschlossenen Arbeitgebern. Und es gibt das Netzwerk Burnout und Depression, das Gespräche und Erfahrungsaustausch in einer monatlichen Selbsthilfegruppe anbietet.

An fachkundiger Hilfe mangelt es also nicht. Wohl aber an passendem Wohnraum, wie dem Minister beschieden wurde. Die Betroffen brauchen vor allem kleine, bezahlbare Zimmer oder Wohnungen, und die sind im Kreis Biberach, in dem die Immobilienpreise immer weiter nach oben gehen, immer schwerer zu fi nden.

Lucha nahm den Hinweis auf, ohne schnelle Abhilfe zu versprechen. Aber dass auch in Biberach bezahlbarer Wohnraum für Bedürftige fehlt, das weiß man in Stuttgart.

Uli Landthaler

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