So leicht wird man zum Wetterwart

1. Februar 2019
Das Starterkit für die Karriere als Wetterwart ist der Niederschlagsmessbehälter, so wie hier im Garten von Karin Cieslikowski in Mittelbiberach. Foto: Uli Landthaler

Man muss nicht Wetterkunde studieren, um Wettermann  oder -frau zu werden. Der Einstieg in die Welt von Sven Plöger und Jörg Kachelmann ist simpel. Man braucht einen Euro – und ein Passwort von der Wetterwarte. Ein Selbstversuch. 

Region – Einen Euro beträgt das Eintrittsgeld in die Wetterwarte Süd. Soviel kostet im günstigen Fall der Niederschlagsmessbehälter. Eine Art Pinkelbecher für den Garten aus grünem Plastik  mit weißen Markierungsstrichen, so wie der Messbecher in der Küche: Jeder Strich ein Milliliter Regen. Er fängt auf, was  Petrus über uns niedergehen lässt.

Der Besitzer soll es jeden Tag  ablesen, und zwar um 7.30  Uhr in der Frühe, und dann online in der Niederschlagsdatenbank der Privaten Wetterwarte Süd eintragen. Von deren Technischem Leiter hat man hierzu das Passwort zum Einloggen bekommen: Eine schlaue Paarung von High Tech und Handarbeit, denn auf diese Weise bekommt die Wetterwarte fast kostenlos ein flächendeckendes Bild von den Niederschlagsmengen in Oberschwaben und drumherum.

Die Wetterwarte Süd ist kein Unternehmen, sondern ein Verein von Leuten, die sich für das Wetter interessieren und sich damit nützlich machen möchten. Keiner verdient etwas daran. Die Schaltstelle ist in Bad Schussenried, im Privathaus von Wetterwarte-Gründer Roland Roth. Der inzwischen pensionierte Lehrer wertet die Daten aus und erstellt daraus Wetterbilanzen und -vorhersagen, für die er unter Landwirten, Medien, Versicherungen und Privatleuten dankbare Abnehmer hat.

Voraussetzung dafür ist neben meteorologischem Wissen und viel Erfahrung ein dichtes Messnetz. Knapp über 100 Mitbürger in der Region haben sich einen Niederschlagsmessbehälter in den Garten gestellt und loggen sich morgens unter www.wetterwarte-sued.com ein. So wie Karin Cieslikowski aus Mittelbiberach. Die Lehrerin wurde von ihrem Kollegen Roth angeworben und meldet schon pünktlich um 7 Uhr ihre Daten, „weil ich dann in die Schule muss“. Wie  macht  sie es im Urlaub? „Kumulieren, also sammeln, und dann den Durchschnittswert melden“.

Kampf mit dem Schnee

Und bei Schnee? Da wird es komplizierter. „Man wartet, bis der Schnee getaut ist und meldet dann den Wert im Behälter“. Bei Schnee und Eis hat das Verfahren seine Tücken, der Schnee kann die Öffnung oben verstopfen, gefrorener Regen das  Plastikröhrchen sprengen, wie der technische Leiter Timo Riedel erläutert.

Und wie misst man überhaupt die Schneehöhe? Dazu taugt das Röhrchen nämlich nicht wirklich. „Ich messe die Schneehöhe im Garten mit dem Meterstab“, erläutert  Karin Cieslikowski. Und so folgt der Selbstversuch. Man braucht einen Besenstil, um das Plastikteil in den Wind zu hängen. Und den steckt man in den Erdboden oder in diesem Fall, auf dem Balkon elf Meter über dem Erdboden,  in einen Blumenkübel. Die Wetterwarte möchte auch ein Foto und eine kleine Beschreibung des Standorts für die Homepage. Dazu muss man googeln, wie hoch der Balkon ungefähr über dem Meeresspiegel liegt. Der Januar ist aber nicht gerade der ideale Monat zum Start ins Hobby Wetterwart. Um halb acht morgens ist es dunkel und kalt, also schiebt man den Ablesetermin eine halbe Stunde in Richtung Tagesanbruch. Der Schnee setzt am Behälter die Öffnung zu, man müsste ihn tauen lassen, aber dazu bleibt keine Zeit mehr. Die Messung fällt flach an diesem Tag. Dafür geht der Online-Eintrag, sofern man was zu melden hat, wirklich ruckzuck.

Die nächste Karrierestufe als Wetterbeobachter wäre die Anschaffung einer richtigen Wetterstation. Die misst auch Wind, Luftdruck und Temperatur und meldet alles vollautomatisch an die Zentrale. Sie kostet aber auch um die 2 000 Euro. Cieslikowski: „Das machen vor allem Gemeindeverwaltungen“. Versicherungen wollen diese Daten, wenn im Ort ein wetterbedingter Schadensfall ansteht. 

Für Wetterfreaks

Die Wetterwarte Süd hat derzeit 103 Niederschlagsmessstationen, die in der Niederschlagsdatenbank unter www.wetterwarte-sued.com abrufbar sind. Sie reichen von Albbruck bis Wurmlingen, vertreten sind Regionen in Oberschwaben, Allgäu und der Alb. Aber es gibt auch Lücken, der Bodenseeraum ist beispielsweise kaum vertreten. „Wir suchen weitere Stationen für unsere Niederschlagsdatenbank“, betont der Technische Leiter Timo Riedel. Auch hierfür kann man sich unter www.wetterwarte-sued.com informieren.

Darüberhinaus stehen 73 Wetterstationen zwischen Laup­heim und Lindau im Dienst der Wetterwarte Süd. Diese HighTech-Geräte mit angeschlossenem PC messen vollautomatisch auch Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und die Wind­verhältnisse. 

Uli Landthaler

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren