Sie tüfteln mit Klötzchen – und schaffen ganze Welten

Sie tüfteln mit Klötzchen – und schaffen ganze Welten
Mario Steidle hat Freude am Bauen mit Lego und bringt schon mal bis zu 15 Stunden in der Woche dafür auf. „Für mich ist es ein entspannender Ausgleich neben meinem Beruf als Außendienstler.“ Foto: Laura Hummler
29. April 2019

„Theoretisch könnten wir sogar die Notre Dame wieder aufbauen, nur eben in Lego.“ Mit den bunten Bauklötzen kann man nämlich so gut wie alles nachbauen, wie in der Ausstellung „Faszination Lego“ im Kloster Bad Schussenried gezeigt wurde.

Bad Schussenried – Hinter der bunten Ausstellung verbirgt sich ein Zusammenschluss vieler Hobby-Lego-Tüftler, die sogenannten Klötzlebauer aus Ulm. Sie werkeln in ihrer Freizeit, damit andere später in die verschiedensten Themenwelten abtauchen können. In Bad Schussenried kam das so gut an, dass die Ausstellung um einen Monat verlängert wurde.

Oft liest man auf den Verpackungen der bunten Bausteine den Altersverweis „0-99“. In etwa die selbe Kategorie lassen sich die Klötzlebauer einordnen. „Unsere ‚Mitglieder‘ fangen bei fünf, sechs Jahren an und gehen bis hoch auf 99“, erklärt Mario Steidle. Er ist seit 2013 bei den Klötzlebauern dabei. 

Fast ein Nebenjob

Die Klötzlebauer sind kein typischer Verein, sondern sehen sich viel mehr als einen freien Verbund derer, die in ihrer Freizeit gerne mal mit Lego tüfteln und dabei meisterhaftes kreieren. Vieles schaffen sie sogar ohne Vorlage aus ihrer Fantasie heraus. Bis zu 15 Stunden in der Woche gehen neben der Berufstätigkeit fürs Bauen drauf. „Da braucht man auch manchmal Geduld“, sagt Mario.

Doch die zahlt sich in den meisten Fällen aus, denn die Lego-Ausstellung der Klötzlebauer findet jederorts großen Anklang. „Im Schloss Ludwigsburg haben wir erst kürzlich eine Ausstellung mit 20 000 Besuchern beendet.“ So kam es, dass sich auch aus der Barockstadt ein neues Mitglied fand.

Die Einnahmen der Ausstellung beanspruchen die Klötzlebauer übrigens nicht für sich – sie zahlen ihre Bausteine mit den eigenen Groschen. Auch die restliche Organisation rund um einen möglichst sicheren Antransport und den Aufbau übernehmen die Männer und Frauen selbst. „Bis dann alles steht, dauert es schon mal bis zu drei Wochen.“ Da kommt über die Jahre ganz schön Kohle zusammen, oder besser gesagt, weg. Mario Steidle schätzt, dass er insgesamt schon rund zehntausend Euro für seine Legoteile ausgegeben hat. Klar, die Leidenschaft begann bei ihm schließlich schon als Knabe. „Zwischendurch hatte ich meine Bausteine beiseite gelegt, aber mit 25 Jahren hat es mich dann wieder gepackt“, erzählt er.

Lange Arbeit, viel Geduld

An einem Modell sitzt er schon mal monate-, wenn nicht jahrelang. „Das kommt ganz auf die Figur oder Landschaft an, die ich kreiere.“ Modul für Modul baut Mario sich dann voran, denn er muss immer eines bedenken: Was immer er kreiert, will noch ab- und dann woanders wieder aufgebaut werden! Schließlich reisen die fertigen Bauwerke Zeit ihres Lebens von Ausstellung zu Ausstellung. An einem Modell sind schon mal bis zu 40 000 Steine verbaut. Mancher Nachbau erfordert sogar mathematisches Können von den Klötzlebauern. Schließlich muss, wenn zum Beispiel ein Spaceshuttle nachgebaut wird, der Maßstab angepasst werden. Bei einem massiven Konstrukt wie diesem besteht übrigens nicht die komplette Figur aus Legosteinen. „Das wäre ein zu großer Aufwand, vor allem von den Kosten her.“ Deshalb sind manche Gebilde innen durch Rohre oder Scharniere gestützt. 

Die Themenwelten der Ausstellung sind so vielfältig wie die Interessen der Klötzlebauer selbst. Von Computerspielen über Filmwelten wie Star Wars, Herr der Ringe oder Harry Potter bis hin zu richtigen Kulturstätten wie dem Eiffelturm, dem Big Ben oder dem Taj Mahal reicht der Schöpfergeist. Selbst Fantasiewelten kommen nicht zu kurz.

Die nächste „Faszination Lego“-Ausstellung der Klötzlebauer kann man vom 26. Oktober an in Bruchsaal besuchen. Vom 16. November an wird im Dornier Museum in Friedrichshafen speziell in Richtung „Luft- und Raumfahrt“ ausgestellt. Mehr Infos zu den Klötzlebauern gibt es unter www.klötzlebauer.de

Laura Hummler

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cookies akzeptieren