Service aus Asien - Indonesische Azubis lindern Fachkräftemangel

Service aus Asien - Indonesische Azubis lindern Fachkräftemangel
Deutsch-Indonesische Küchenfreundschaft: Bella und Christian (von rechts) lernen in Wilflingen das Gastronomen-Handwerk, Gading und Ampouw in Biberach – ganz links ihr Kollege Bastian. Foto: Uli Landthaler
6. November 2019

Fachkräftemangel macht erfinderisch: In zwei gastronomischen Betrieben im Kreis Biberach sind jetzt Azubis aus Indonesien im Einsatz. Vielleicht ein Modell für andere, sagt die IHK.

Region – Ampouw und Gading sitzen in adretter Köche-Kluft vor den Medienvertretern. Sie wurden für die Pressekonferenz quasi aus der Küche des Parkhotels Jordanbad geholt, gleich geht es wieder zurück zu Kalbshaxe und Fischfilet fürs Abenddinner. Die beiden jungen Indonesier lernen seit September Koch bei der Lerch Gastronomie, die das Parkhotel und das Panoramahotel Oberjoch betreibt. Jetzt radebrechen sie in einem Mix aus Deutsch und Englisch über ihre Eindrücke und Erfahrungen.

Die Arbeit macht Spaß, sagen sie, die Leute sind sehr  freundlich, die deutsche Sprache aber eine Herausforderung. Wie kommen junge Indonesier  dazu, in Biberach das Gastronomen-Handwerk zu lernen? Das Projekt „Ausbildung und Leben in Deutschland“ vermittelt bundesweit Lehrstellenbewerber aus dem südostasiatischen Land. Es ist die Privatinitiative eines Gastronomen aus Sachsen-Anhalt, der seine Kontakte nach Indonesien nutzt, um junge Leute für eine Ausbildung in Deutschland zu gewinnen – vor allem in der Gastronomie und Hotellerie, aber auch in der Altenpflege.

Über die IHK Ulm kam der Kontakt zum Parkhotel-Chef Thomas Lerch sowie Jürgen Reck zustande, der in Wilflingen den Gasthof Löwen betreibt. Beide haben jeweils zwei Azubis bei sich aufgenommen. Der Aufwand für die Ausbildung ist natürlich größer als sonst, bestätigen beide, denn die jungen Kollegen aus Südostasien müssen intensiv betreut werden. Vor allem müssen sie Sprachkurse belegen und schon damit anfangen, bevor sie nach Deutschland einreisen. Und es sind für den Arbeitgeber einige Formalitäten zu erledigen.

Dabei hilft die IHK, die für solche Aufgaben eine eigene Betreuungsstelle hat. Eines kann sie freilich nicht ersetzen: Die Betreuung am Arbeitsplatz, die Bereitschaft der Chefs und Kollegen, die Neuen aufzunehmen und ihnen trotz Sprachbarriere das berufliche Rüstzeug und die Anforderungen des Arbeitslebens zu vermitteln. IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle will anderen Arbeitgebern Mut machen, es Lerch und Reck gleichzutun. „Das ist nicht die Lösung für das Problem Fachkräftemangel, aber es kann dazu beitragen, es abzumildern“.

Dabei soll die Ausbildung dem Berufsnachwuchs aus einem Land, in dem hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht, auch eine Perspektive zum Bleiben geben. Die Anforderungen sind ja auch hoch – das Abitur ist für die Bewerber Voraussetzung, besser noch ein Studium. Das liege vor allem an den nötigen Sprachkenntnissen, wurde betont. Zum anderen sei eine solche Qualifikation auch nötig, um sich in der Branche weiterentwickeln zu können. Thomas Lerch: „Ein Küchenchef muss in einem entsprechenden Betrieb zwanzig, dreißig Leute oder mehr führen. Da gehört schon was dazu.“

Uli Landthaler

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