Lügenfreie Fastenzeit

14. März 2019
Wie steht eigentlich Dekan Koepff zum Lügen? Foto: Dekanat

Die Fastenzeit hat begonnen.  Normalerweise verzichten wir in diesen Wochen darauf, offensichtlichen Verführungen zu erliegen. Die evangelische Kirche hat nun einen ganz anderen Appell an uns: In der Fastenzeit auf das Lügen zu verzichten.

Biberach – Sieben Wochen lang kein unwahres Wort: Wenn es nach der Evangelischen Kirche geht, verbringen wir in diesem Jahr genau so die Fastenzeit. Dieses Jahr hat sie erstmals die Aktion „Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ ins Leben gerufen. 

Laut dem Geschäftsführer der Aktion, Arnd Brummer, glaube fast ein Drittel der Deutschen, auf Fragen wie „Hat es geschmeckt?“, oder „Geht es dir gut?“, mit einer Unwahrheit antworten zu dürfen. Dabei gehe es uns scheinbar einzig und allein darum, gute Stimmung aufrecht zu erhalten und Konfrontationen vermeiden zu können. Aber wo bleibt da die Wahrheit? Wollen wir es uns also alle nur möglichst einfach machen?

Mit der Fastenaktion widmet sich die Evanglische Kirche einem besseren Umgang mit der Wahrheit. Dabei gehe es nicht darum, dass wir einander gegenseitig etwa verraten oder „in die Pfanne hauen“ mit unserer Ehrlichkeit. Nein, viel eher solle man auch einmal aus der Komfortzone herauskommen. 

Die Aktion lädt alle Mitfastenden dazu ein, damit aufzuhören, sich selbst zu belügen. „Damit kommen wir vielleicht auch Gottes Wahrheit näher“, so Brummer. Eingeladen, bei der Aktion mitzumachen, sind übrigens alle Christen, ob evangelisch oder katholisch. Was das bewirkt und wie negativ sich Lügen eigentlich auswirkt, hat uns Dekan Hellger Koepff vom Evangelischen Kirchenbezirk Biberach beantwortet.

Herr Dekan Koepff, sind Notlügen eigentlich okay? Darf man auf sie zurückgreifen? Was meinen Sie?

Hellger Koepff: Es gibt Ausnahmesituationen, da kann es klug sein, nicht die Wahrheit zu sagen und einfach zu schweigen. Das kann aber muss nicht eine Notlüge sein. Wenn dadurch ein Konflikt deeskaliert wird, wenn Befriedung möglich ist, wenn Menschen vor Schlimmerem bewahrt werden, kann es richtig sein. Dafür gibt es gute biblische Beispiele. Allerdings: Wenn ich etwas verbockt habe, muss ich dazu stehen. 

Wieso sollte man überhaupt auf Lügen verzichten, was wird sich dadurch ändern? Wird es besser, wenn die Leute aufhören zu lügen?

Grundsätzlich kommen wir mit der Wahrheit weiter. Ich nehme die Menschen ernst. Ich zeige meine wirkliche Persönlichkeit. Ich rede nicht hier so und dort anders. 

Leben wir Ihrer Meinung nach in einer verlogenen Gesellschaft?

Eine verlogene Gesellschaft sind wir keinesfalls. Wir sind allerdings inkonsequent – zum Beispiel wissen wir um die Probleme des Klimas, aber wir ändern viel weniger, als wir könnten. 

Wie kann jeder für sich selbst aufhören, zu lügen?

Das geht, wenn ich mir zwei Fragen stelle: Rede ich über eine Person genauso bei Dritten, wie ich mit ihm oder ihr selbst rede – das sollte ja eigentlich selbstverständlich sein. Und: Rede ich so, dass ich mir sicher sein kann, es später nicht zurücknehmen zu müssen. 

Wird ausnahmslos jede Lüge irgendwann einmal bestraft?

Lügengebäude stürzen häufig in sich zusammen. Allerdings habe ich den Eindruck, das trifft meist die Falschen. Die Zeiten von „Fake News“ und Wahlbeeinflussung zeigen überdeutlich und beschämend, wie mächtig gezielte Falschinformationen und Lügen sind.

Laura Hummler

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