Krimiwetter am Schwaigfurter Weiher

13. Juni 2019
Der Autor am Tatort: Der Schwaigfurter Weiher ist ein Mord-Schauplatz in Uli Herzogs Roman. Foto: Christina Benz

Mit „Endstation Biberach“ hat der Altshauser Autor Uli Herzog seinen dritten regionalen Krimi veröffentlicht. Familiäre Gewalt, brutaler Mord und einen psychologisch vorgehender Profi ler hat er mit einer bewegenden Geschichte vor die Kulissen von Biberach, Bad Schussenried, Wien, Salzburg und München gebracht.

Region – Der dichte Regen hüllt an diesem Nachmittag die gesamte Kulisse des Schwaigfurter Weihers ein, als wolle er auf seiner Insel mit dem Sommerschloss etwas verbergen. „Die Insel versteckt auch etwas. Eine Leiche aus einer familiären Gewalttat wurde dort verscharrt, ermordet von einem zur Empathie unfähigen Soziopathen“, bemerkt Ulrich Herzog. Es herrscht Krimiwetter am Schwaigfurter Weiher, als ich mich mit dem Autor im Weihercafé am Tatort treffe. Die erzählte Situation ist natürlich fiktiv, Ulrich Herzog spricht vom Inhalt seines neuen Romans „Endstation Biberach“. Zum Kaffee bestellt er einen „Apfelstrudel ohne alles“. Pur, ohne Tamtam, wie seine Bücher selbst.

Zu schreiben begonnen hat der ehemalige Geschäftsführer einer Werbeagentur mit Beginn seiner Rente. „Was sonst soll ich mit der vielen Zeit anfangen, mit meinen zwei linken Händen, ohne grünen Daumen und ohne Sammelleidenschaft?“ Dennoch sammelt er leidenschaftlich Alltagsgeschichten, und seine Daumen sind eben blau statt grün, in seinen Adern fließt Tinte.

Die Ideen zu seinen Krimis hört er in Gesprächsfetzen auf der Straße oder in Cafés. „Eigentlich sind wir Krimiautoren Geschichtenerzähler, die von den Dialogen ihrer Protagonisten leben“, überlegt er. Und Geschichten habe er im Verlauf seines Lebens genug erlebt, in seiner Zeit in Wien etwa. „Als mir dort ein befreundeter Profiler vom Bundeskriminalamt aus seinem Berufsalltag erzählte, war mein Interesse geweckt und die Hauptfigur meiner Bücher, der Fallanalytiker Ludwig Hirschberger, geboren“, erinnert sich Herzog.

Jahrzehnte und ungeschriebene Geschichten zogen vorbei, bis Herzog die Zeit fand, Ludwig in seinem ersten Krimi Leben einzuhauchen. „Bis meine erste Seite geschrieben war, habe ich Fachbücher über Fallanalysen studiert, Kriminalfälle recherchiert. Schlussendlich hätte ich selbst Profiler werden können“, so Herzog, und entschied sich für beides: Für das Schreiben und das Lösen von Kriminalfällen in seinen Büchern.

„In der Folge meiner Krimis durchlebt Ludwig eine Entwicklung. Jetzt, im aktuellen Roman, zeige ich ihn von seiner menschlichen Seite.“ Wie Herzog selbst ist Ludwig mittlerweile in Rente, wird aber für besondere Fälle in den Dienst zurückgerufen. „Und dann erscheint diese Frau auf den Buchseiten, die von häuslicher Gewalt betroffen ist. Ein Fall für Ludwig.“ Ludwig gräbt dieses Mal sehr persönlich und tief. „Er durchwühlt die Vergangenheit des Täters und geht mit Akribie und analytischen Denken an die Aufklärung des Falles heran“.

Und findet grausame Dinge heraus, die nicht nur am Schwaigfurter Weiher oder in Herzogs Geburtsstadt Biberach stattfinden, sondern auch in der Seele des Täters. „Bei familiären Gewalttätern tun sich psychische Abgründe auf, die sich durch ganze Generationen ziehen“, erklärt Herzog. „Im aktuellen Fall ist der Täter einer jener psychisch erkrankten Gewalttäter, die sich oft hinter einer künstlerischen Begabungsinsel verstecken und durch deren schauspielerisches Talent kaum der wahre Mensch unter der Aufgesetztheit zu erkennen ist.“ Eine Geschichte also, wie ganz nebenbei am Nachbartisch im Café vernommen.

Der Regen hat aufgehört, dem Schlösschen auf der Insel begegne ich nach dem Gespräch mit etwas mehr Respekt. Als wir das Foto für den Artikel aufnehmen, frage ich den Autor, wieviel Ludwig in ihm selbst stecke. „Ludwig ist ein idealisierter Ulrich Herzog“, antwortet er. „Ich beneide ihn um seine Souveränität. Aber wir sind beide in Biberach geboren und beruflich nach Wien gekommen.“

Ulrich Herzog arbeitet aktuell an einem neuen Roman: „GoldFinger Ravensburg“. Bis zur Erscheinung kann man sich mit Ludwig in den aktuellen 250 Seiten von „Endstation Biberach“ anfreunden oder Lesungen des Autors besuchen. Am 16. Juli liest Ulrich Herzog in der Bücherei im Katholischen Gemeindehaus in Altshausen und am 13. September ist er in der „Bad Saulgauer Kriminacht“ vertreten.

„Endstation Biberach“ vom Uli Herzog ist bei Oertel & Spörer erschienen und in Buchhandlungen erhältlich.

Christina Benz

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